Vor Bund-Länder-Treffen Gastronomie und Handel fürchten 2G+

Bund und Länder beraten heute darüber, wie es mit Blick auf die Omikron-Variante des Coronavirus weitergehen soll. Dabei werden auch weitere Kontaktbeschränkungen diskutiert. Die Gastronomie und der Handel befürchten, dass sie die Leidtragenden sein könnten – wenn nämlich eine 2G+-Regelung eingeführt würde und eine doppelte Impfung für den Restaurantbesuch oder beim Shoppen nicht mehr ausreicht.

Ein Schild an der Tür eines Restaurants weist auf die 2G-Plus-Regel hin.
Ein solches Schild könnte bald bundesweit vor Geschäften und Restaurants hängen. Bildrechte: dpa

Das überwiegend junge Publikum auf der mit Restaurants und Bars gespickten Karl-Liebknecht-Straße in Leipzig hat eine ziemlich klare Haltung, was weitere Kontaktbeschränkungen angeht: "Da ich selbst in der Gastronomie arbeite, bin ich für die 2G+-Regel, weil ja nachgewiesen ist, dass du dich auch mit einer Impfung infizieren kannst. Das heißt, mit einem Testnachweis sind wir auf jeden Fall auf der sicheren Seite", sagt eine Person. Eine andere: "Das ist eine schwierige Sache. Aber wenn es dabei hilft, die Pandemie schneller zu überwinden, denke ich: Ja." Ein Passant sagt sogar: "Ich finde schon, dass man das eher hätte umsetzen müssen. Jetzt ist es umso wichtiger, damit es halt nicht noch mehr ausufert."

Thomas Wolffgang, Landeschef Mitteldeutschland im Verband der Köche 23 min
Bildrechte: MDR / Raja Kraus

Interessenverbände klar gegen neue Beschränkungen

So klar die Haltung der Passanten in dieser natürlich nicht repräsentativen Umfrage für weitere Beschränkungen ist, so klar sind die Interessenverbände aus Einzelhandel und Gastgewerbe dagegen. Die Branche sei schon jetzt arg gebeutelt, sagt der Geschäftsführer des Hotel- und Gaststättenverbands Dehoga in Sachsen, Axel Klein. Nirgendwo sonst in Deutschland seien die Beschränkungen für die Betriebe so weitreichend wie im Freistaat.

Und jetzt womöglich noch mit 2G+. "Es ist eine Katastrophe. Ich kann mir das nicht vorstellen, ich möchte mir das auch nicht vorstellen. Und auch dagegen werden wir wieder kämpfen, weil wir wirklich gute Lösungen haben. Weil wir sagen, es geht in der Gastronomie mit 2G. Und ja, wir befürchten die Entscheidung, aber wir kämpfen dafür, dass es nicht so kommt", so Klein.

Handelsverband: 2G+ geht fast Richtung Lockdown

Von guten eigenen Lösungen spricht auch Knut Bernsen, Geschäftsführer des Handelsverbands Thüringen und Sachsen-Anhalt. Das 2G-Konzept im Einzelhandel funktioniere, das Infektionsrisiko sei überschaubar – das hätten auch Auswertungen des Robert Koch-Instituts gezeigt. Bernsen hofft deshalb, dass seine Branche von weiteren Verschärfungen verschont bleibt. "2G+ geht schon fast in Richtung Lockdown für uns". Man sei schon bei 2G an einem Punkt, bei dem man Nachschärfungen der Hilfen brauche. Es habe das zweite Weihnachtsgeschäft gegeben, aus dem man mit teilweise über 40 Prozent Verlustquoten rausgegangen sei.

Auch die Industrie- und Handelskammern haben kein Verständnis, sollten weitere Beschränkungen beschlossen werden. Sie habe aber Sorge, dass es so komme, sagt die Hauptgeschäftsführerin der IHK Erfurt, Cornelia Haase-Lerch. Für die Unternehmer wäre das eine weitere erhebliche Belastung: "Wir erleben unsere Unternehmer seit vielen Wochen schon wieder äußerst tapfer und diszipliniert." Mit den Kontrollpflichten müssten sie staatliche Aufgaben vollziehen und bekämen das zusätzliche Personal dafür nicht refinanziert.

Keine Refinanzierung für drohende Verluste in Sicht

Sorgen um die Finanzierung – besonders dann, wenn 2G+ kommen sollte – macht sich auch Haase-Lerchs Kollege Lars Fiehler, Sprecher der IHK Dresden. Natürlich hätten die Unternehmen ein Interesse an der Gesundheit ihrer Mitarbeiter und Kunden. Mit Blick auf die Omikron-Variante seien weitere Beschränkungen wohl nachvollziehbar. "Auf der anderen Seite muss man dann aber auch über mögliche Kompensationen sprechen, wenn ich als Gesetzgeber entsprechend fast eine Gewerbeuntersagung ausspreche." Sollte es so weit kommen, werde sich sein Verband in diesem Sinne für die betroffenen Unternehmen einsetzen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 07. Januar 2022 | 06:00 Uhr

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