Steigende Energiepreise Mietern drohen hohe Nebenkosten-Nachzahlungen

Die Energiepreise steigen und steigen. Gas kostet in den Tarifen der Grundversorgung inzwischen doppelt so viel wie vor einem Jahr. Doch die meisten Mieter bekommen davon bislang kaum etwas mit. Denn die Nebenkostenabrechnung für diesen Januar gibt es erst kommendes Jahr im Sommer. Spätestens dann aber drohen heftige Nachzahlungen. Das Thema beschäftigt inzwischen Vermieter und Mieterschutzbund gleichermaßen.

Eine qualmende Esse wird angeleuchtet vom Mondlicht.
Wegen der hohen Energiekosten werden viele Mieter bei den Nebenkosten nachzahlen müssen. Bildrechte: IMAGO / photothek

Vonovia gehört auf dem deutschen Wohnungsmarkt zu den ganz großen Vermietern. Allein in Dresden besitzt das Unternehmen fast 39.000 Wohnungen. Einmal jährlich verschickt es eine Nebenkostenabrechnung. Doch weil die Preise fürs Heizen gerade bundesweit steigen, will Vonovia nicht warten, bis bei den Mietern das böse Erwachen zur Abrechnung kommt.

Man informiere schon jetzt über mutmaßlich steigende Kosten, sagt Sprecher Matthias Wulff: "Wir weisen die Leute darauf hin, dass sie ihre Vorauszahlung anpassen können. Und wir weisen sie auch daraufhin, dass es sinnvoll ist, sich das nochmal anzuschauen. In der nächsten Abrechnung werden die Mieterinnen und Mieter auch sehen, dass wir darauf hinweisen: Achtung, es ist schon seit einiger Zeit so, dass die Kosten steigen. Passen Sie auf, legen Sie etwas beiseite. Und so können Sie jetzt die Nebenkostenvorauszahlung selber anpassen."

Gastarife um 30 bis 50 Prozent gestiegen

Tatsächlich sind die Heizkostenpreise, die von den Vermietern in der Regel vorgestreckt werden, derzeit sehr hoch. Die Gasversorger haben ihre Tarife im Durchschnitt um 30 bis 50 Prozent erhöht. Auch der Mieterbund empfiehlt deshalb, sich für die nächste Nebenkostenabrechnung Geld zurückzulegen. Aber wie viel? Die wenigsten Vermieter informieren darüber vorab.


Was sind Nebenkosten? Nach den Bestimmungen der Betriebskostenverordnung dürfen als Nebenkosten folgende Kosten vereinbart werden: Grundsteuer, Wasserkosten, Abwasser, Fahrstuhl, Straßenreinigung/Müllabfuhr, Hausreinigung/Ungezieferberkämpfung, Gartenpflege, Beleuchtung, Schornsteinreinigung, Versicherungen (für das Gebäude), Hauswart, Gemeinschaftsantenne/Breitbandkabel, Einrichtungen für die Wäschepflege und sonstige Kosten.

Diese Kosten müssen dem Deutschen Mieterbund zufolge nur dann zusätzlich zur Miete gezahlt werden, wenn das im Mietvertrag wirksam vereinbart ist. Sie werden entweder nach Kopfzahl oder nach Wohnfläche auf die Mieter des Hauses umgelegt. Auch Heiz- und Warmwasserkosten sind Nebenkosten. Sie werden in aller Regel verbrauchsabhängig abgerechnet.

Quelle: Deutscher Mieterbund

Vermieter muss Veränderung nicht vorab mitteilen

Dabei wäre es gut zu wissen, welcher Versorger derzeit das Haus beliefert. Und zu welchem Preis. Doch das bekomme man nur schwer heraus, sagt Florian Bau vom Mieterbund Dresden: "Also als Mieter habe ich erst, wenn ich die Betriebskostenabrechnung auf dem Tisch liegen habe, einen Anspruch, Belege einzusehen. Und aus den Belegen kann ich dann sehen, wie sich die Kosten in der zurückliegenden Abrechnungsperiode verändert haben. Das wäre sicher wünschenswert, wenn der Vermieter das vorab mitteilt. Das muss er aber nicht."

So bleibt für die meisten Mieter unklar, wie heftig der Nebenkosten-Schock zur Abrechnung ausfallen wird. Es komme auch darauf an, ob ein Vermieter zu einem günstigeren Versorger gewechselt ist, sagt Bau.

Vermieter muss wirtschaftlich handeln

"Tatsächlich ist der Vermieter verpflichtet, das sogenannte Gebot der Wirtschaftlichkeit einzuhalten. Er muss also wirtschaftlich handeln. Und er muss auch überwachen, dass die Kosten für das Objekt angemessen sind. Soweit die Theorie. Das Problem ist: In der Praxis lässt sich das aus Sicht des Mieters ganz schwer durchsetzen", erklärt der Mietexperte weiter.

Eine Verpflichtung, den billigsten Energie-Anbieter zu wählen, habe der Vermieter jedenfalls nicht.

Wohngeldempfänger sollen Zuschuss erhalten

Die Bundesregierung plant nun Hilfen für sozial Schwache. Wohngeldempfänger sollen einen einmaligen Heizkostenzuschuss erhalten.

Für einen Zwei-Personen-Haushalt werde an 175 Euro gedacht, sagt Florian Munder vom Bundesverband der Verbraucherzentralen: "Das finden wir angesichts der explodierenden Kosten deutlich zu gering. Man muss sich klarmachen, für einen Musterhaushalt mit rund 200.000 Kilowattstunden Verbrauch reden wir von 1.000 Euro Mehrkosten im Jahr. Und selbst wenn man sich jetzt diese Gruppe der Haushalte mit niedrigem Einkommen anschaut, die ja in der Regel weniger verbrauchen, muss man mit Zusatzkosten von 500 Euro rechnen und das ist das Mindeste, was wir als Heizkostenzuschuss fordern."

Nebenkosten in Ratenzahlung möglich

Wer kein Wohngeld erhält, muss die gestiegenen Kosten selbst tragen. Bei Vonovia bietet man bereits jetzt an, dass die Nachzahlung der Nebenkosten auch in Raten erfolgen könne. Das ist ein Entgegenkommen. Wirklich erfreulich klingt das für Mieter aber irgendwie trotzdem nicht.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 25. Januar 2022 | 06:12 Uhr

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