Energieversorgung Engpass bei Erdgas in Mitteldeutschland unwahrscheinlich

Die Preise für Erdgas steigen in diesem Winter in die Höhe. Gleichzeitig waren die Speicher laut dem Verband der europäischen Speicherunternehmen Ende letzte Woche nur zu 42 Prozent gefüllt. Das sind rund zehn Prozent weniger als vor einem Jahr. In Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen wird es aber wohl nicht zu Erdgas-Engpässen kommen.

Arbeiter auf einer Traverse einer Gasaufbereitungsanlage
Die Füllstände der Erdgasspeicher liegen deutlich unter den Vergleichswerten der vergangenen Jahren. Bildrechte: dpa

Der Erdgas-Markt liefert derzeit keine schönen Aussichten, dennoch sei Thüringens führender kommunaler Energieversorger, die TEAG, nur mit kleinen Sorgenfalten unterwegs, sagt Pressesprecher Martin Schreiber: "Man muss aber sagen, dass wir davon profitieren, dass wir das Gas rechtzeitig eingekauft haben. Zu Beginn der Heizperiode – das ist für uns der Oktober – sind unsere Speicher voll gewesen."

Vorausschauende Einkaufsstrategie

Aktuell seien die eigenen Erdgasspeicher der TEAG im Norden Thüringens auf normalem Füllstand, sagt Schreiber. Das liege auch an der konservativen Einkaufsstrategie der Thüringer Energie AG. Dem sogenannten: Tranchen-Modell. Heißt: "Wir kaufen unser Gas teilweise drei Jahre im Voraus ein und können uns dadurch gute Preise sichern. Wenn der Tag der Lieferung kommt, müssen nur noch kleinere Mengen zugekauft werden. Demzufolge wirken sich diese großen Preisaufschläge – teilweise haben wir ja Preisschwankungen um das vier bis fünffachen nach oben – nicht so extrem aus", erklärt Schreiber.

Diese Einkaufsstrategie verfolgen viele kommunale Energieversorger. Das bestätigten sowohl der größte Versorger in Mitteldeutschland, die Mitgas als auch SachsenEnergie aus Dresden auf Anfrage von MDR AKTUELL.

Steigende Preise für Kundinnen und Kunden

Schwierig ist es derzeit dagegen für die Unternehmen, die nicht Jahre im Voraus, sondern tagesaktuell am Markt Erdgas kaufen. Oft konnten sie dadurch gute Preise erzielen. Nun wirken sich die extremen Preisschwankungen sofort auf deren Kundinnen und Kunden aus. In einer schriftlichen Antwort heißt es einschätzend von dem Chemnitzer Versorger Energie in Sachsen: "Hier sehen wir gerade die Auswirkungen der Ukraine/Russland-Krise und der Nicht-Inbetriebnahme von Nordstream 2. Ein verringertes Angebot führt zwangsläufig zu steigenden Preisen. Ohne ausreichendes Risikomanagement kann es da für Energieversorger tatsächlich schwierig werden, wie die aktuellen Insolvenzen einiger Billiganbieter zeigen."

Kaltphase könnte Engpässe schüren

Ein Grund für die angespannte Lage am Gasmarkt sei auch, dass der russische Riese Gazprom viel niedrigere Mengen nach Europa geliefert habe, sagt der Fachjournalist Heiko Lohmann. Über die Gründe könne man nur spekulieren: "Weil es von Gazprom keine klaren Informationen dazu gibt und das führt dazu, dass das Angebot insgesamt deutlich niedriger ist, als es in den letzten Jahren der Fall gewesen ist. Das ist einfach Teil des Problems", sagt Lohmann.

Das lässt sich laut Lohmann nicht einfach mit anderen Gasimporten, etwa aus Norwegen ausgleichen. Zuletzt hatte Russland die Gasversorgung zugesichert, selbst im Falle von Sanktionen.

Viel hänge aber auch von der Temperaturentwicklung in diesem Winter ab. "Wenn es denn noch einmal im Rest des Winters zu einer langen Kaltphase kommt und wenn vor allem der maßgebliche Lieferant Gazprom seine Lieferungen nicht erhöht, kann es regional durchaus zu Engpässen kommen, die insgesamt Auswirkungen auf die Gasversorgung haben", erklärt Lohmann. Bisher sind die mitteldeutschen Gasversorger jedoch zuversichtlich.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 26. Januar 2022 | 06:40 Uhr

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