Kosten für Energie und Rohstoffe Erzeugerpreise steigen so stark wie seit 1975 nicht mehr

Die Preise in Deutschland steigen weiter kräftig. Produkte deutscher Firmen verteuerten sich im Juli im Vergleich zum Vorjahr um über zehn Prozent. Damit sind auch im Handel höhere Preise zu erwarten.

Ein Mitarbeiter geht zu Paletten mit Metallblechen in einem Presswerk
Metallbleche im VW-Presswerk in Zwickau. Die Unternehmen müssen für Rohstoffe deutlich mehr bezahlen als vor einem Jahr – und geben das an Käufer weiter. Bildrechte: dpa

Deutsche Produkte haben sich im Vergleich zum Vorjahr stark verteuert. Im Juli dieses Jahres lagen die Erzeugerpreise um 10,4 Prozent über den Preisen des Vorjahresmonats. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes ist das der höchste Anstieg seit Januar 1975. Damals stiegen die Preise im Zusammenhang mit der ersten Ölkrise. Im Vergleich zum Vormonat erhöhten sich die Erzeugerpreise im Juli um 1,9 Prozent.

Hohe Preise für Strom und Rohstoffe

Getrieben werden die Preise den Angaben des Bundesamtes zufolge durch hohe Kosten für Energie und Rohstoffe. Energie war demnach im Schnitt über 20 Prozent teurer. Bei den Rohstoffen, den sogenannten Vorleistungsgütern, verteuerte sich zum Beispiel Nadelschnittholz im Jahresvergleich um 111 Prozent. Auch Eisen-, Stahl- und Aluminiumschrott (plus 100 Prozent), Betonstahl in Stäben (plus 82 Prozent) oder Metalle (durchschnittlich plus 32 Prozent) kosteten erheblich mehr als im Juli 2020.

Nachfrage und Beschaffungsprobleme

Das Statistische Bundesamt sieht als Hauptgründe für den starken Anstieg die hohe Nachfrage im In- und Ausland, aber auch weltweite Beschaffungsprobleme.

Nach einer Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) sehen sich zwei Drittel der befragten fast 3.000 Betriebe gezwungen, gestiegene Kosten an ihre Kunden weiterzugeben.

Weiterer Anstieg bei Inflation erwartet

Die Erzeugerpreise gelten als Frühindikator für die Entwicklung der Inflation. In der Statistik werden die Preise ab Fabrik geführt – also bevor die Produkte weiterverarbeitet werden oder in den Handel kommen. Sie können damit einen frühen Hinweis auf die Entwicklung der Verbraucherpreise geben. Die Inflationsrate liegt derzeit mit 3,8 Prozent so hoch wie seit 1993 nicht mehr und könnte sich Ökonomen zufolge nun Richtung fünf Prozent bewegen.

Quelle: MDR/ala/AFP/dpa/Reuters

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL Radio | 20. August 2021 | 09:00 Uhr

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