Gründungen Zahl der Firmengründer in Deutschland steigt

Die Zahl der Firmengründer in Deutschland steigt wieder. In der Corona-Pandemie hatten nur noch sehr wenige Menschen Lust, sich selbständig zu machen. Doch nun melden immer mehr Menschen neue Geschäftsideen an und gründen.

Finger tippen auf Computertastatur
In Deutschland wird wieder mehr gegründet. Bildrechte: Colourbox.de

Christian Lein verkauft Smoothies. Das klingt erst einmal nicht nach einer super Geschäftsidee. Schließlich gibt es die dicken, süßen Säfte in jedem Supermarkt. Doch Lein hat Smoothies in Pulverform entwickelt: Man rührt sie vorm Verzehr in Milch oder Wasser an. Mit zwei Partnern hat Lein im Herbst die Firma DailyFive gegründet.

Die Chemnitzer verkaufen das Smoothie-Pulver nun übers Internet: "Unser Obst oder Gemüse wird nicht pasteurisiert, sondern direkt nach der Ernte schockgefrostet. Durch diese Gefriertrocknung wird der Zustand der Ernte eingefroren und dann vermahlen. Dadurch ist der Erntezustand, werden die Vitamine erhalten. Und durch das Trocknungsverfahren wird aber eben auch der Zuckergehalt gesenkt. Unsere Smoothies enthalten im Schnitt 50 Prozent weniger Zucker als die aus dem Supermarkt."

Rund 10.000 Smoothies zum Anrühren haben die Chemnitzer nach eigenen Angaben schon verkauft. Es ist ein Anfang, aus dem etwas Größeres werden soll.

Zahl der Gründungen gestiegen

Die Zahl solcher und anderer Gründungen ist zuletzt wieder deutlich gestiegen. Das zeigt der Gründermonitor der Förderbank KfW. Sie registrierte vergangenes Jahr in Deutschland 607.000 haupt- oder nebenberufliche Gründungen – 13 Prozent mehr als 2020.

Chefvolkswirtin Fritzi Köhler-Geib freut, dass insbesondere die Zahl der Gründerinnen wächst. "Das ist eine sehr spannende Entwicklung. Weil wir jetzt tatsächlich 2021 im Vorjahresvergleich einen Anstieg von 25 Prozent von Gründungen durch Frauen gesehen haben. Und wir sehen ganz besonders das Segment von jungen Frauen, die besonders aktiv bei den Gründungen sind."

Rund 82 Prozent aller Gründungen seien vergangenes Jahr Chancengründungen gewesen, sagt Köhler-Geib. Das heißt, sie seien aus Überzeugung erfolgt und nicht, weil sich gerade keine andere Beschäftigung fand. Auch bei der sächsischen Gründerförderung FutureSax sieht man einen positiven Trend. Um den Sächsischen Gründerpreis hätten sich dieses Jahr 115 Firmen beworben, sagt Geschäftsführerin Marina Heimann. Der Durchschnitt habe bisher bei 80 gelegen.

Corona könnte eine Ursache sein

Heimann sieht in der abklingenden Corona-Pandemie eine Ursache für die neue Gründerzeit: "Weil Corona natürlich eine stärkere Reflexion des Einzelnen mit sich gebracht hat. Und das hat zur Folge, dass die sogenannten Chancengründer sich noch bewusster überlegt haben, ich hatte ja schon immer mal eine Idee und jetzt mache ich das. Das Zweite ist, dass in den letzten zwei Jahren für bestimmte Geschäftsbereiche die jeweiligen Partner, also die Kooperationspartner, die etablierten Unternehmen oder die Kunden, auch mehr Zeiten hatten, weil alles so ein Stück weit gebremst war."

Ungünstige Bedingungen für Gründerinnen und Gründer

Die Frage ist nun: Wie viele der Gründer werden erfolgreich sein? Erfahrungen vergangener Jahre zeigen, dass nicht einmal die Hälfte mehr als fünf Jahre durchhält. Und die Bedingungen für Wachstum seien gerade ungünstig, räumt KfW-Chefvolkswirtin Köhler-Geib ein: "Auf der belastenden Seite haben wir die höheren Energiepreise durch den Ukraine-Krieg. Und das wird schon dazu führen, dass der ein oder andere Gründer, die ein oder andere Gründerin, hier ihr Geschäftsmodell nochmal überdenken oder vielleicht auch abgeschreckt werden durch die extrem hohe Unsicherheit, die wir ja in der Wirtschaft insgesamt auch sehen."

Die Gründer von DailyFive wollen sich davon nicht abschrecken lassen. Christian Lein hofft auf regen Absatz für sein Smoothie-Pulver. Denn je mehr Obst und Gemüse seine Firma verarbeiten könne, umso günstiger werde die Herstellung – und damit auch der Endpreis der vergleichsweise teuren Smoothies zum Anrühren.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 09. Juni 2022 | 06:00 Uhr

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