Strukturwandel Milliarden-Investitionen in Forschungszentren in Sachsen und Sachsen-Anhalt

Die Lausitz und das mitteldeutsche Braunkohlerevier sollen Großforschungszentren in den Bereichen Chemie und Astrophysik erhalten. Die Investitionen sollen sich auf mehr als drei Milliarden Euro summieren. In der Region reagiert man euphorisch.

Michael Kretschmer (CDU, l-r), Ministerpräsident in Sachsen, Bettina Stark-Watzinger (FDP), Bundesministerin für Bildung und Forschung, und Reiner Haseloff (CDU), Ministerpräsident in Sachsen-Anhalt,
Michael Kretschmer, Ministerpräsident von Sachsen, Bettina Stark-Watzinger, Bundesministerin für Bildung und Forschung, und Reiner Haseloff, Ministerpräsident Sachsen-Anhalts (v.l.n.r.). Bildrechte: dpa

Der Bund und die Länder Sachsen und Sachsen-Anhalt investieren mehr als drei Milliarden Euro in zwei neue Großforschungszentren. Bundesbildungsministerin Bettina Stark-Watzinger und die Ministerpräsidenten von Sachsen und Sachsen-Anhalt, Michael Kretschmer und Reiner Haseloff gaben am Donnerstag Einzelheiten bekannt.

Lausitz: Astrophysik statt Tagebau

So soll in der Lausitz ein "Deutsches Forschungszentrum für Astrophysik (DZA)" gebaut werden und im mitteldeutschen Braunkohlerevier ein "Center for the Transformation of Chemistry (CTC)". Als Standorte für die verschiedenen Teile der Einrichtungen wurden für das DZA Görlitz und Ralbitz-Rosenthal im Kreis Bautzen und für das CTC Delitzsch genannt.

Die Konzepte für die beiden Zentren setzten sich in einem Ideenwettbewerb in der Schlussrunde gegen vier weitere Bewerber durch. Die zwei geplanten "Forschungstanker", wie sie Sachsens Wissenschaftsminister Sebastian Gemkow (CDU) bezeichnet hatte, sind Teil eines Aufbauprogramms im Zuge des beschlossenen Ausstiegs aus der Stromgewinnung durch Kohleverbrennung bis 2038. Um die Wirtschaft in den Kohleregionen zu stärken und Arbeitsplätze zu schaffen hatten Bund und Länder milliardenschwere Fördermaßnahmen vereinbart.

Mehr als drei Milliarden vom Bund und den beiden Ländern

"Die beiden Großforschungszentren werden in der sächsischen Lausitz und dem mitteldeutschen Revier ein unverwechselbares wissenschaftliches Profil entstehen lassen, aber sie werden auch für die Region so wichtige Arbeitsplätze schaffen", sagte Stark-Watzinger. Allein der Bund werde bis 2038 jedes der beiden Zentren mit mehr als 1,1 Milliarden Euro finanzieren. Weiteres Geld kommt von den Ländern. So beteiligt sich Sachsen mit 850 Millionen Euro am neuen Chemieforschungsstandort. Sachsen-Anhalt stellt dafür 350 Millionen Euro bereit.

Beim DZA sollen unter anderem Datenströme verschiedener astronomischer Observatorien weltweit in Sachsen zusammenlaufen und neue Halbleiter-Sensoren und Silizium-Optiken für Observatorien entwickelt werden. Ziel des CTC soll es sein, eine Kreislaufwirtschaft und "nachhaltige" Chemie zu ermöglichen, die auf nachwachsenden Rohstoffen oder recycelten Materialien aufbaut.

Haseloff: Gesamter Osten wird profitieren

Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Haseloff erwartet positive Effekte für alle ostdeutschen Bundesländer. Haseloff sagte MDR AKTUELL, die Zentren würden Fachkräfte anziehen. Zugleich würden die hiesigen Hochschulen gefordert, auch für den heimischen Markt auszubilden. Haseloff betonte, er habe kein Problem, dass Delitzsch in Sachsen ausgewählt worden sei. Die eigentlichen Projektarbeiten würden an den Standorten der Chemieparks in Sachsen-Anhalt stattfinden.

Reiner Haseloff, Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt 5 min
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Kretschmer: Forschungszentren sind ein "Gamechanger"

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer nannte die Entscheidung zu den Großforschungszentren einen "Meilenstein" für den Strukturwandel in den Braunkohleregionen: "Es ist ein wirklicher 'Game-Changer', hier entsteht etwas ganz Neues." Mit dem Deutschen Forschungszentrum für Astrophysik werde Großes in der Lausitz entstehen: "Wir wollen ganz bewusst Zuwanderung in diese Regionen."

Delitzscher OB: Es wird eine Welle an Innovationen geben

Delitzschs Oberbürgermeister Manfred Wilde zeigte sich angesichts der geplanten Ansiedlung eines Großforschungsinstituts für Chemie in seiner Stadt euphorisch. Wilde sagte dem Nachrichtenradio MDR AKTUELL: "Ich glaube, wir stehen vor einer epochalen Zäsur für die nächsten zehn bis fünfzehn Jahre. (...) Es wird eine Welle geben an Innovationen, über die wir uns noch gar nicht richtig im Klaren sind."

Wilde rechnet nach eigenen Angaben mit 1.000 neuen Arbeitsplätzen allein im Forschungszentrum. Da werde man ohne Fachkräftezuwanderung nicht auskommen. Herausforderungen gebe es mit der Ansiedlung auch in den Bereichen Schule, Kita und Infrastruktur: "Die Anbindung an Halle und Leipzig muss sicher neu überdacht werden."

dpa/MDR AKTUELL(pfh)

Strukturwandel in Kohleregionen

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 29. September 2022 | 13:30 Uhr

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