Stromversorgung Kohlekraftwerke gehen früher vom Netz – woher kommt dann der Strom?

Über den Kohleausstieg bis 2038 wurde politisch lange gerungen. Doch es scheint, dass einige Kohlekraftwerke viel früher vom Netz gehen als geplant – und zwar freiwillig. Grund ist der stark gestiegene CO2-Preis. Doch was bedeutet das für die Stromversorgung? Wo kommt der Strom dann her?

Braunkohlekraftwerk Schkopau
Das Braunkohlekraftwerk Schkopau. Bildrechte: IMAGO / photo2000

Dass es zu einer Art "Energielücke" kommt, wenn ein Kohlekraftwerk früher vom Netz geht – darüber müsse man sich keine Sorgen machen, sagt der Dresdner Experte für Energiewirtschaft, Dominik Möst: "Weil das letztendlich ja auch geprüft wird, entsprechende  Abschaltungen, die dann auch genehmigt werden müssen in diesem Sinne und dann Anlagen gegebenenfalls als systemrelevant eingeordnet werden."

Atom- und Kohlekraft müssen ersetzt werden

Nichtsdestotrotz sei aber auch klar, dass die wegfallende Kapazität ersetzt werden muss. Wie genau, sei die Frage, findet der Magdeburger Umweltökonom Joachim Weimann. "Denn wir müssen uns ja vor Augen führen, dass wir nicht nur die Braunkohle abschalten, sondern im nächsten Jahr, 2022, auch die Atomkraft und beides sind Kraftwerke, die in der sogenannten Grundlast laufen, das heißt, die sind 24 Stunden am Tag in Betrieb und geben eine bestimmte Last ständig ab."

Damit decken sie bisher ab, was wir an Strom permanent brauchen, so Weimann. Die restlichen Kraftwerke kommen per Mittel- und Spitzenlast dazu – je nachdem wie viel Strom dem Netz entnommen werde, so Weimann. Der Magdeburger Umweltökonom ist skeptisch: "Wobei man eben bei den Erneuerbaren mit berücksichtigen muss, dass sie eben nicht permanent einspeisen. Sie speisen dann ein, wenn gerade die Sonne scheint oder der Wind weht – das ist nicht unbedingt dann, wenn wir Strom brauchen. Die Hauptlast werden dann in der Tat die Gaskraftwerke tragen müssen. Das wird die Sache teurer machen."

Das hänge jedoch davon ab, wie die Gaspreise sich entwickeln, fügt der Energiewirtschaftler Dominik Möst hinzu. In den Netzentwicklungsplänen zeige sich bereits, dass es bei Erdgaskraftwerken einen Kapazitätszuwachs geben wird. Auch müsse man fairerweise sagen, so Möst, dass die Technik beim Ausbau der erneuerbaren Energien inzwischen so sei: "Dass sie dort auf relativ niedrige Stromgestehungskosten kommen, die schon so in der Größenordnung von Neubau von Steinkohlekraftwerken liegen. Das heißt, sie können jetzt nicht sagen, dass es in der Summe signifikant teurer wird."

Ausbau erneuerbarer Energien stockt

Problematisch sei dagegen, dass der Ausbau der erneuerbaren Energie – nach einem deutlichen Zuwachs von 2010 bis 2015 – in den vergangen Jahren nachgelassen habe. Hier brauche es mehr Dynamik, findet Möst. Die Speicherung sei dabei ein Problem, was gern überschätzt werde: "Weil es eben noch andere Optionen gibt, damit umzugehen. Also einerseits habe ich eben das Stromnetz, wo ich importiere, exportiere mit Nachbarländern, wo sich eben auch erneuerbare Einspeisung europaweit etwas ausgleicht. Ich habe auf der Nachfrageseite eine gewisse Flexibilität, also auf das Angebot zu reagieren."

Wenn marktbedingt mehr Kohlekraftwerke vorzeitig vom Netz gehen und der Ausbau der anderen Energieträger nicht vorankommt, dann sei man stärker auf die Nachbarländer angewiesen, sagt Möst.

Bereits im ersten Quartal dieses Jahres sind die Stromimporte im Vergleich zum Vorjahreszeitraum deutlich gestiegen. Laut Statistischem Bundesamt war der Anstieg mit einem Plus von 220 Prozent aus der Tschechischen Republik am stärksten. Dagegen gingen die Importe aus Frankreich um 44,7 Prozent deutlich zurück. Im Gesamtbild betrachtet exportiere Deutschland allerdings mehr Strom als es importiert.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 17. August 2021 | 06:28 Uhr

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