Hörer machen Programm Sollte Deutschland aufhören, Gas zu exportieren?

Ralf Geißler, Wirtschaftsredakteur
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Die Bundesregierung will den Import und damit die Abhängigkeit von russischem Gas reduzieren. Doch exportiert Deutschland auch Gas in andere Länder. MDR-AKTUELL-Hörer Christian Bartsch möchte wissen: "Wie groß ist die Abhängigkeit von russischem Gas für Deutschland noch, wenn man den Gasexport einfach einstellen würde?"

Blick auf Rohrsysteme und Absperrvorrichtungen in der Gasempfangsstation der Ostseepipeline Nord Stream 1.
Russisches Gas exportiert Deutschland unter anderem wieder über die Nordstream-Pipeline in Lubmin in andere Länder. Bildrechte: dpa

Es klingt überraschend. Aber tatsächlich ist Deutschland auf dem Papier Erdgas-Exporteur. Vergangenes Jahr hat die Bundesrepublik 483 Terrawattstunden Erdgas ans Ausland geliefert. Das entspricht rund 35 Prozent der Menge, die zuvor eingeführt wurde. Das liegt daran, dass deutsche Großhändler europaweit weiterverkaufen können.

Deutschland als Zwischenstation für Gas

Und es liege daran, dass Deutschland für ausländisches Gas eine Zwischenstation sei, sagt Charlie Grüneberg vom Branchenverband Zukunft Gas: "Das meiste, was wir exportieren, über die Hälfte, fließt nach Tschechien. Viel fließt auch in die Niederlande." Beide Länder seien über Pipelines mit Lubmin verbunden, wo die Nordstream-Pipeline aus Russland ankomme. Das Gas komme zwar in Deutschland an, sei aber "für Europa bestimmt". Deshalb werde es zu kleineren und größeren Teilen auch in andere Länder weitergeleitet.

Das vor allem aus Russland oder Norwegen kommende Gas wird von deutschen Behörden als Import registriert. In der Exportspalte taucht es auf, wenn es weitergereicht wird. Über diesen Weiterverkauf kommt derzeit zum Beispiel auch Polen an russisches Erdgas, obwohl Russland selbst polnische Händler boykottiert. Die Polen kaufen nun bei den Deutschen ein.

Exportstopp könnte ein Drittel mehr Gas für Deutschland bringen

Der Gasmarkt innerhalb der Europäischen Union ist grundsätzlich frei. Wenn Deutschland die Exporte stoppen würde, könnte es tatsächlich unmittelbar ein Drittel mehr Erdgas für sich haben. Doch davon rät der Energiemarktexperte Heiko Lohmann ab: "Das würde erstmal einen Aufschrei geben, weil damit im Zweifelsfall vertragliche Beziehungen verletzt würden." Das sei im Rahmen eines europäischen Systems nicht vorstellbar. Es gebe Vertragsbeziehungen, die hinter diesem System stünden. "Und wenn man die in Deutschland einfach abbricht, wäre das eine Vertragsverletzung. Das würden weder die Länder, in die exportiert wird, noch die Länder, die das Gas durch Deutschland durchleiten, als besonders freundlichen Akt ansehen."

Einfacher ist es womöglich, den Export von selbst gefördertem Erdgas zu reglementieren. Noch immer gibt es in Sachsen-Anhalt und Niedersachsen diverse Förderfelder. Die brächten allerdings nur bescheidene Mengen, sagt Charlie Grüneberg: "Also die Förderung in Deutschland liegt ungefähr bei fünf Prozent dessen, was wir insgesamt an Gas in Deutschland verbrauchen."

Selbst gefördertes Gas deckt deutschen Energieverbrauch nicht ab

Diese Zahl nennt auch Gasmarktexperte Lohmann. Und wieviel der 5 Prozent gehen in den Export? Dazu meint der Experte: "Genau kann man das nicht sagen." Die Unternehmen, die in Deutschland produzierten – vor allem ExxonMobile – brächten möglicherweise einen Teil dieses Gases auch nach Holland. "Aber das sind minimale Mengen, das macht den Kohl auch nicht fett."

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Damit bleibt am Ende das Fazit: Ein Exportstopp für Erdgas ist ein interessantes Gedankenexperiment. Beim selbst geförderten Gas würde er aber wenig bringen. Würden wir stattdessen den Weiterverkauf von ausländischem Gas blockieren, dürfte das die Beziehungen zu unseren europäischen Nachbarn auf eine schwere Probe stellen. Zumal große Mengen der aktuellen Lieferungen bereits vor Monaten vereinbart wurden.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 23. Mai 2022 | 06:00 Uhr

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