Gazprom liefert weniger So steht es um die Füllstände der Gasspeicher

Gazprom hat seine Gaslieferungen bereits gedrosselt und kündigt weitere Schritte an. Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck hat im Zuge dessen erneut zum Energiesparen aufgerufen. Der Branchenverband Zukunft Gas blickt unter diesen Umständen kritisch auf den Winter.

David Scheller, Standortmeister, arbeitet auf dem Gelände des Untergrund-Gasspeichers der VNG AG.
Der Gasspeicher in Bad Lauchstädt in Sachsen-Anhalt ist derzeit zu 76 Prozent gefüllt. Bildrechte: dpa

Wie gut Deutschlands Gasspeicher gefüllt sind, kann jeder selbst nachgucken. Man muss dafür im Internet nur nach AGSI suchen, der europäischen Transparenzplattform für Speicherdaten. Dort sieht man: In den vergangenen Monaten haben sich die Deutschen einige Gasvorräte angelegt.

Im Schnitt sind die Speicher zu 56 Prozent gefüllt. Beim ostdeutschen Versorger VNG sei es sogar noch mehr, sagt Technik-Vorstand Joachim Polk: "Aktuell sind die vier Untergrundspeicher unserer Tochter VNG Gasspeicher zu rund 76 Prozent gefüllt. Dazu gehören auch unsere beiden großen Speicherstandorte Bad Lauchstädt und Bernburg."

Ziel: 90 Prozent gefüllte Speicher bis November

Damit lief die Bevorratung für den Winter bislang recht gut, zumal die Gaspreise im Frühjahr leicht gesunken sind. Doch damit ist es nun vorbei. Der russische Staatskonzern Gazprom hat seine Lieferungen über die Pipeline Nord Stream 1 drastisch gedrosselt.

Damit steigt das Risiko, dass die deutschen Speicher nicht mehr voll werden. So sieht es Timm Kehler, Geschäftsführer des Branchenverbandes Zukunft Gas: "Also die Zielmarke ist ja, dass wir bis zum November 90 Prozent Füllgrad erreichen möchten. Das hat der Staat auch durch ein entsprechendes Gesetz angelegt. Aber es müssen nun mal auch die Gasmengen verfügbar sein im Markt, damit man Gas einkaufen kann, um die Speicher auch adäquat zu füllen."

Flüssiggas ebenfalls knapp

Die Speicherbetreiber könnten statt russischem Erdgas auch Flüssiggas kaufen. Doch das ist ebenfalls knapp. Im amerikanischen Texas ist eine große Flüssiggasanlage nach einem Brand außer Betrieb gegangen.

In dieser Gemengelage sinke bereits das Tempo, mit dem die deutschen Speicher gefüllt werden, sagt der Gasmarkt-Experte Heiko Lohmann: "Die Zahlen werden von der Transparenzplattform mit zwei Tagen Verzögerung veröffentlicht. Und da lässt sich schon feststellen, dass die Einspeicherung gegenüber den Tagen davor zurückgegangen ist. Und eben im durchaus nennenswerten Maße Ausspeicherungen stattgefunden haben. Das heißt, der ein oder andere Marktteilnehmer hat auch Gas aus dem Speicher entnommen, um damit wegfallende Mengen aus Russland zu kompensieren."

Dabei ist das Speichergas doch für den Winter nötig. Aufgrund der angespannten Lage veröffentlicht die Bundesnetzagentur täglich einen Lagebericht. Im neuesten heißt es, bislang könnten die Gasfirmen ausbleibende Lieferungen noch anderweitig beschaffen. Allerdings seien die Preise deutlich gestiegen. Gestern kosteten Lieferungen für Juli vierzig Prozent mehr als vor einer Woche.

Engpässe bei kaltem Winter erwartet

Immerhin: Es gibt noch Gas am Markt. Ob das so bleibt, wenn Gazprom weiter drosselt und die Tage kälter werden, ist unklar. Timm Kehler vom Branchenverband befürchtet Engpässe – zumindest mittelfristig: "Die Probleme dürften sich erst gegen Frühjahr im Falle eines kalten Winters äußern, weil erst dann die wirklich kalten Tage kommen, weil auch dann die Speicher ein Stück weiter geleert wurden. Und erst dann kommen wir in eine Situation, in der eine Mangellage entsteht, die dann auch zu Abschaltungen, beispielsweise bei industriellen Verbrauchern, führen kann."

Wirtschaftsminister Robert Habeck hat am Donnerstag erneut zum Energiesparen aufgerufen. Und dabei durchblicken lassen, dass er nicht glaubt, dass Russland, wie offiziell verlautbart, nur wegen eines fehlenden Verdichters von Siemens nicht liefert.

Tatsächlich gibt es noch zwei andere Leitungen, über die Gazprom liefern könnte. Der Konzern nutzt das bislang nicht. Es ist offenbar so: Putin hat sich entschieden, die Daumenschrauben anzuziehen – noch bevor die deutschen Gasspeicher voll sind.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 17. Juni 2022 | 06:00 Uhr

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