Arbeitsbedingungen Streit bei Lieferdienst Gorillas

"Wir sind authentische Menschen, treffen mutige Entscheidungen, streben nach Veränderung und wir radeln schneller als du." So wirbt der Lieferdienst Gorillas auf seiner Website. Die Fahrerinnen und Fahrer liefern in 22 deutschen Städten Supermarkteinkäufe aus, darunter Leipzig und Dresden. Doch bei dem neuen Start-up kommt es immer wieder zu Streit zwischen der Geschäftsführung und der Belegschaft.

Gorillas Lieferfahrer in Berlin
Gorillas wirbt damit Lebensmittel in maximal zehn Minuten nach Hause zu liefern. Bildrechte: IMAGO / Michael Gstettenbauer

Das Gorillas-Lager in Leipzig liegt an einer Ecke in einem Wohngebiet. Der Fahrer, der auf eines der schwarzen Räder vor der Tür steigt, ist in Eile und will sich nicht vor dem Mikro äußern. Dafür Mika, der vor der Tür wartet – auf sein Bewerbungsgespräch. Von seinem potenziellen neuen Arbeitgeber hat er noch nichts in den Medien gehört, erzählt er: "Ich schau mir das an, weil mich das Konzept interessiert und ich es mag, Fahrrad zu fahren."

Ein ganz anderer Ton herrschte bei einer Protestaktion von Gorillas-Angestellten vor der Zentrale in Berlin. In einem Video von der Aktion auf Twitter beschreibt ein Fahrer seine Arbeit so: "Oft wird Lohn nicht bezahlt, nicht rechtzeitig bezahlt, gar nicht bezahlt, die Fahrräder sind kaputt, die Rucksäcke sind kaputt, man kann kaum Pausen machen. Jetzt wurden auch noch Leute gefeuert, die gestreikt haben."

Angestellte kämpfen für bessere Arbeitsbedingungen

Zu den Streiks ebenso wie zu dem Protest dieser Woche hat das Gorillas Workers Collective (GWC) aufgerufen – ein Zusammenschluss von Angestellten, die für bessere Arbeitsbedingungen kämpfen. Dabei handelt es sich allerdings nicht um eine offizielle Gewerkschaft. Nur von solchen kann ein Streik getragen werden, erklärt die Rechtsanwältin Nathalie Oberthür, Vorsitzende des Ausschusses Arbeitsrecht beim Deutschen Anwaltverein: "Wenn ich einen sogenannten wilden Streik durchführe, dann ist das Arbeitsverweigerung und das kann einen Kündigungsgrund darstellen. Ob das im Einzelfall dann so ist oder ob man möglicherweise vorher eine Abmahnung hätte erteilen müssen – das muss man sich im Einzelfall ansehen."

Collage aus einer Pizza und dem Logo eines Lieferservice 14 min
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Die kleine Gewerkschaft "Freie Arbeiter:innen Union" (FAU) unterstützt vor allem Beschäftigte in prekären Dienstleistungsjobs. Allerdings wird sie auch als linksextreme Gruppierung vom Verfassungsschutz beobachtet.

exactly So 15.08.2021 11:00Uhr 14:26 min

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Aufbau neuer Strukturen bei Gorillas

Auch in Leipzig wurden Angestellte gekündigt. Wie viele, darüber machte das Unternehmen keine Angaben. In Berlin waren es 350 – diese Zahl liegt Maren Ulbrich, Verdi-Gewerkschaftssekretärin im Fachbereich Handel vor. Die Entlassungen waren nur die jüngste Eskalationsstufe eines Konflikts, der fast so alt ist wie das junge Unternehmen selbst. "Gorillas ist ein Start-up, was mit Risikokapital finanziert wird. Das ist relativ frisch auf dem Markt das Unternehmen, das heißt, es konnten sich auch noch keine Strukturen der demokratischen Mitbestimmung etablieren", erklärt Ulbrich.

Das ändere sich derzeit aber, sagt Ulbrich weiter. In Berlin stehe Verdi in Kontakt mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern von Gorillas. Der Betriebsrat soll noch in diesem Jahr gegründet werden. "Die meisten der Forderungen der Beschäftigten was die Arbeitssicherheit, die Arbeitsmittel, den Gesundheitsschutz anbelangt, da ist der Betriebsrat in der vollen Mitbestimmung und kann dann mit dem Unternehmen auch dementsprechend Regelungen treffen", erzählt Ulbrich.

In Leipzig dagegen gab es bislang noch keinen Kontakt zwischen Gorillas-Angestellten und der Gewerkschaft, wie ein Verdi-Sprecher auf Anfrage mitteilte.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 09. Oktober 2021 | 10:07 Uhr

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