Holzwirtschaft Teure Holzpreise, aber viel Schadholz im Wald – Ein Widerspruch?

Thomas Becker
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Warum sind die Holzpreise derzeit so hoch? Was passiert mit dem Schadholz, das durch Trockenheit und Co. im Wald liegt? Der Redakteur für Hörerfragen, Thomas Becker, klärt auf.

Ein Brett wird mit einer Kreissäge bearbeitet.
Warum ist Holz als Baustoff so knapp und teuer? Redakteur Thomas Becker hat beim Hauptverband der deutschen Holzindustrie und dem Thüringen Forst nachgefragt. Bildrechte: Colourbox.de

Nachhaltigkeit beim Holzanbau

Die Holzwirtschaft ist wie ein großer Tanker und kein wendiges Schnellbot. Auch relativ heftige Wellen beeindrucken ihn wenig. Bedeutet: Kurzfristige Nachfragespitzen lassen sich nicht so einfach in jedem Teil der Prozesskette abfangen. Der Baum wächst zum Beispiel unbeeindruckt weiter, bestenfalls.

Nicht umsonst hat die (mitteldeutsche) Branche vor 300 Jahren den Nachhaltigkeitsbegriff erfunden. Vielleicht hat man gesehen, was anderswo angerichtet wurde. Die einstigen Schiffbaunationen haben ihre Landschaften "nachhaltig" entwaldet und wir wissen heute, dass nur ein Umbau unseren Wald für zukünftige Generationen erhalten kann.

Das bedeutet: Wir brauchen zum Beispiel Bäume, die mit Trockenheit besser klarkommen als unsere jetzigen Bäume. Der bisherige "Brotbaum" Fichte, der Ernährer vieler Generationen von Waldbewirtschaftern, ist es offenbar nicht. Doch für den Nachschub braucht es einen sehr langen Atem. Man denkt eher in Jahrzehnten und noch länger.

Eine Eiche, die ja als klimastabile Baumart gilt, die der Waldbesitzende heute in den Boden setzt, wird in 250 Jahren geerntet.

Dr. Horst Sproßmann, Sprecher Thüringen Forst

Da ist es fast schon bewundernswert, wenn die Waldbesitzer heute in Größenordnungen investieren, zumal die Preise für Setzlinge auch gestiegen sind. Welcher Gärtner pflanzt schon gern etwas, das er selbst niemals wird ernten können. Wenngleich man nicht vergessen darf, dass die geltenden Gesetze Waldumbau und Wiederaufforstung vorschreiben.

Schadholz als Bauholz

Nun gewinnt der Wald als Rohstofflieferant immer mehr an Bedeutung und aktuell ist der Markt aus verschiedenen Gründen durcheinandergeraten. Nach drei Jahren Trockenheit fällt zum Beispiel gerade in Mitteldeutschland viel Schadholz an, das sogenannte Käferholz zum Beispiel, oder Holz, von aus anderen Gründen abgestorbenen Bäumen, oder Holz, das vom Wind "geerntet" wurde. Vieles davon ist durchaus ganz normal verwendbar.

Käferholz, das frisch geerntet wird und in den Verkauf geht, hat keinerlei technische Einschränkungen.

Dr. Horst Sproßmann, Sprecher Thüringen Forst

Das hat etwas damit zu tun, dass der Käfer den Baum zwar zum Absterben bringen kann, aber eben - wenn man so will - nur unter der "Oberfläche" kratzt, die aber eben leider für den Baum lebensnotwendig ist. Innerhalb weniger Wochen sollte das Holz allerdings aus dem Wald herausgeholt werden, sonst trocknet es zu schnell. Tempo ist ohnehin geboten, weil der Borkenkäfer sonst bei den Nachbarbäumen weitermacht.

Der Borgenkäfer frisst das Kambium, diese Wachstumsschicht zwischen Borke und dem bestehenden Holz. Man sagt, eine große Fichte, die von 400 Käfern befallen ist, hat es schon schwer, zu überleben. Und ein Käfer legt mehrere hunderttausend Eier.

Denny Ohnesorge, Hauptgeschäftsführer Hauptverband der deutschen Holzindustrie

"Falsches" Holz im Überangebot

Nun könnte man direkt auf die Idee kommen, dass das kürzlich in Größenordnung angefallene Schadholz doch den Holzpreis für uns Kunden in den Keller schicken müsste. Schließlich regeln Angebot und Nachfrage den Preis. Passiert ist jedoch das Gegenteil. Und zwar heftig. Dazu passte auch so gar nicht die Meldung von Anfang Oktober, dass die Preise für das Rohholz aus dem Wald gesunken sind.

Ein Widerspruch? Nein, sagen die Fachleute, es war einfach das "falsche" Holz im Überangebot. Schließlich braucht es vom Ernten bis zum Brett einige Zwischenstationen. Transport, Trocknen, Sägen und gegebenenfalls weitere Verarbeitungsschritte. Diese Prozesse sind gut aufeinander abgestimmt, das heißt, die Kapazitäten passen zusammen, dauern aber etwas.

Nun zog aber die Nachfrage sehr plötzlich an, Corona-geschuldet und Homeoffice-bedingt brach bei uns die Bauwut aus, auch in den USA - beschleunigt durch Konjunkturprogramme - und in China war plötzlich verarbeitetes Holz gefragt. Also Bretter, Balken, Spanplatten - das ganze Programm. Das alles führte zu einem Nachfrageplus von 25 Prozent bei gleichzeitig gestörten Lieferketten.

Bei so einer Entwicklung in so kurzer Zeit, wenn die Nachfrage also explodiert, kommt man in der Produktion nicht hinterher. Es gibt eben begrenzte Verarbeitungs­kapazitäten.

Denny Ohnesorge, Hauptgeschäftsführer Hauptverband der deutschen Holzindustrie

Da es aber eben vorn, also am Anfang der Kette, keinen Mangel an Nachschub gab, sondern hinten quasi die fertigen Produkte fehlten, blieb der Preis vorn, also im Wald, niedrig und hinten schoss er durch die Baumarktdecke. Die Kunden, angefangen bei den Teilnehmern in der Lieferkette, waren eben nach dem Motto "Ich will und brauche das jetzt!" bereit, mehr zu zahlen. Die Werke haben zwar Extraschichten gefahren, aber in der Summe konnten die zusätzlichen Kapazitäten den Nachfrageschub von 25 Prozent eben nicht abfangen.

Man hat die Kapazitäten um fünf bis acht Prozent hochfahren können, bei einer Nachfragesteigerung von 25 Prozent, entsteht da schon mal ein Engpass.

Denny Ohnesorge, Hauptgeschäftsführer Hauptverband der deutschen Holzindustrie

Die Preise am Holzmarkt

Denn es ist ja auch nicht so, dass überall massenhaft ungenutzte Produktionskapazitäten herumstehen. Perspektivisch werden sich die Preise wieder normalisieren, zumindest was die Extrempreise betrifft. Das Ursprungsniveau wird aber wohl nicht wieder erreicht werden, da sind sich die Experten einig.

Der Holzmarkt ist ein sehr freier Markt, es gibt also relativ wenige Einschränkungen innerhalb der EU, sodass es vor allen Dingen die markttypischen Faktoren wie Angebot und Nachfrage sind, die über den Preis entscheiden. Und die Nachfrage dürfte steigen in den kommenden Jahren. Wenn das nicht wieder überstürzt passiert, dann werden auch die Produktionskapazitäten nachwachsen. Nachhaltig eben.

Von dem letztlich coronabedingten Preissprung haben übrigens nicht alle Marktteilnehmer profitiert. Drei gibt es im Wesentlichen, die Waldbesitzer, die Bearbeiter, also Sägewerke zum Beispiel, und den Handel. Und die Aufteilung des Erlöses ist manchmal eben auch sehr unterschiedlich. Je nach dem, an welcher Stelle die Nachfrage am größten ist.

Es sieht so aus, dass der Holzhandel in den vergangenen Monaten am Zuge war, aber wir hoffen natürlich, dass sich die drei Marktpartner wieder neu austarieren.

Dr. Horst Sproßmann, Sprecher Thüringen Forst

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Ramm am Nachmittag | 21. Oktober 2021 | 15:40 Uhr