Inflationsrate im Juli Tankrabatt und 9-Euro-Ticket dämpfen Teuerung

Tankrabatt und 9-Euro-Ticket haben die Inflation im Juli erneut etwas gedämpft. Das Statistische Bundesamt meldete eine leicht gesunkene Rate. Trotzdem steigen die Preise weiter, und Experten sprechen nur von einem Zwischentief. Sie warnen vor wieder zunehmendem Inflationsdruck im Herbst, wenn nicht nur der Tankrabatt und das 9-Euro-Ticket auslaufen, sondern ab Oktober zusätzlich die Gas-Umlage erhoben wird.

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Die Inflationsrate für Juli ist leicht gesunken. Dennoch müssen Verbraucher für Lebensmittel derzeit viel zahlen. Bildrechte: IMAGO/Michael Gstettenbauer

Die Inflationsrate in Deutschland ist im Juli wieder ein wenig gesunken. Wie das Statistische Bundesamt mitteilte, gingen die Preiserhöhungen im Vergleich zum Vormonat leicht auf durchschnittliche 7,5 Prozent zurück.

Inflationsrate auf hohem Niveau gesunken

Grund sind den Angaben zufolge das 9-Euro-Ticket und der Tankrabatt, die sich seit Juni dämpfend auf die Teuerung insgesamt auswirkten. Im Juni waren die Verbraucherpreise gegenüber dem Vorjahresmonat noch um 7,6 Prozent gestiegen und im Mai um 7,9 Prozent. Verglichen mit Juni 2022 stiegen sie im Juli der Behörde zufolge um 0,9 Prozent.

Dämpfend dürfte auch die Abschaffung der EEG-Umlage gewirkt haben. Stromkunden zahlen seit dem 1. Juli keine Förderung des Ökostroms über die Stromrechnung mehr. Die von der Bundesregierung eingeführten Entlastungen scheinen also zu wirken. Das günstige Nahverkehrsticket und der Tankrabatt laufen allerdings Ende August aus.

Um die Fortführung beider Maßnahmen, vor allem aber des 9-Euro-Tickets wird in Berlin noch heftig diskutiert, denn besonders Haushalte mit weniger Geld sind laut Statistik ungleich stärker von der Inflation betroffen als andere.

Experten: Im Herbst geht es weiter

Ohnehhin sprechen Experten nur von einem Zwischentief. Sie warnen vor wieder steigendem Inflationsdruck im Herbst, wenn Tankrabatt und 9-Euro-Ticket auslaufen und ab Oktober auch noch die Gas-Umlage erhoben werden soll. So sagte der wissenschaftliche Direktor des gewerkschaftsnahen Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), Sebastian Dullien: "Das Auslaufen des 9-Euro-Tickets und des Tankrabatts im September dürfte dann rechnerisch zu fast 1,5 Prozentpunkten zusätzlicher Inflation beitragen." Dazu kommt dann die Gas-Umlage, die laut laut Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer "einen massiven Kostenschub" darstellt.

Um herauszufinden, wie stark die Verbraucher von der Preissteigerung betroffen ist, bietet die Behörde einen Inflationsrechner an. Damit lässt sich die individuelle Inflationsrate berechnen.

Krieg und Lieferengpässe fördern Inflation

Seit Jahresbeginn verzeichnet Deutschland eine zunehmende Inflation. Verbraucher müssen vor allem für Lebensmittel und Energie tiefer in die Tasche greifen. Die Preissprünge werden zusätzlich durch Russlands Angriffskrieg auf die Ukraine weiter angetrieben.

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Aber auch Lieferengpässe durch die Coronavirus-Pandemie lassen die Preise bestimmter Waren schon länger steigen. So verzögern und verteuerten sich zum Beispiel die Importe aus China, weil die Null-Covid-Politik des Landes die Logistik beeinträchtigt und die Preise für Transporte extrem steigen lässt.

mit Reuters, epd, MDR (ksc, lmb)

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Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL – Das Nachrichtenradio | 10. August 2022 | 05:00 Uhr

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