Steigende Energiepreise Mitteldeutsche Krankenhäuser befürchten Insolvenzen

Im Schnitt müsste jede Klinik über sechs Millionen Euro mehr für Strom und Gas zahlen. das rechnete jüngst der Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Krankenhausgesellschaften, Gerald Gaß, vor. Damit bringen die hohen Energiekosten viele Krankenhäuser an den Rand der Zahlungsunfähigkeit. Auch in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen befürchten viele Kliniken die Insolvenz.

Operationen im Krankenhaus, durch ein Fenster gesehen
Geht in Mitteldeutschen Kliniken bald das Licht aus? Die hohen Energiekosten lassen die Krankenhäuser die Insolvenz befürchten. Bildrechte: imago images/photothek

Eine Kundgebung vor dem Thüringer Landtag in Erfurt. Vor zwei Wochen haben Mitarbeitende von Krankenhäusern dort ihren Sorgen lautstark Luft gemacht. Auf ihren Plakaten steht: Alarmstufe Rot – Krankenhäuser in Gefahr. Anlass sind die gestiegenen Energiepreise. In den Krankenhäusern fürchtet man, die Inflation nicht unbeschadet zu überstehen.

Zwei Wochen später nun sei noch nichts geschehen, sagt Theresa Schnitter von der Landeskrankenhausgesellschaft Thüringen. Man habe bisher noch nichts von Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach aus Berlin gehört. "Derzeit ist uns noch keine Insolvenz eines Thüringer Krankenhauses bekannt. Aber das Szenario ist natürlich nicht ausgeschlossen, wenn die Kosten weiter steigen und es keinen Inflationsausgleich vom Bund geben wird", sagt Schnitter.

Eine Umfrage der Thüringer Krankenhausgesellschaft bei den Kliniken hat ergeben, dass die Kosten für Gas von elf Cent pro Kilowattstunde auf 61 Cent steigen oder bereits gestiegen sind. Ähnlich stark in die Höhe gegangen seien die Strompreise.

Durch die höheren Energiepreise werden dann auch andere Produkte und Dienstleistungen für die Krankenhäuser teurer. So teilt die Krankenhausgesellschaft Sachsen-Anhalt schriftlich mit: "Wäschereien und Catering müssen zwangsläufig höhere Preise verlangen. Medizinprodukte sind ebenfalls teils deutlich teurer geworden oder wegen Lieferengpässen schwer zu bekommen."

Krankenhausgesellschaften: Lage sei bedrohlich

Auch in Sachsen-Anhalt und in Sachsen mussten bisher noch keine Krankenhäuser Insolvenz wegen der Energiekrise anmelden. Doch in beiden Ländern schätzen die Krankenhausgesellschaften die Lage als bedrohlich ein.

Die sächsische Gesundheitsministerin Petra Köpping hat sich deshalb zusammen mit den anderen Landesministerinnen und -ministern an den Bund gewandt. Sie wolle nun erst einmal abwarten, welche Hilfen die Bundesregierung aufwendet, bevor sie Hilfen ihres Landes in Aussicht stellt: "Es sind zwei Dinge, die angekündigt worden sind, wo wir auch um Unterstützung bitten: Das ist einerseits, dass die gestiegenen Energiekosten verrechnet werden müssen und das andere ist der Inflationsausgleich. Und dann wissen wir, wie ist die Lage bei den Ausgleichsmaßnahmen, die ergriffen werden." Heute könne sie das noch nicht beantworten.

Am Dienstag werden sich die Ministerpräsidenten zusammen mit Bundeskanzler Scholz treffen. Da würde über Hilfen für Krankenhäuser beraten, sagt Köpping. Zusammen mit den anderen Ländern wolle sie dort Druck machen, damit es eine schnelle Entscheidung gibt.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | Das Nachrichtenradio | 28. September 2022 | 06:00 Uhr

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