MDRfragt - Das Meinungsbarometer für Mitteldeutschland 80 Prozent finden, es wird immer schwieriger, einen Handwerker zu finden

Fast alle Teilnehmenden wünschen sich, dass mehr gegen den Handwerkermangel getan wird, so das Ergebnis der MDRfragt-Befragung zum Thema Handwerk. Und mehr als 80 Prozent haben angegeben, dass sie es immer schwieriger finden, einen Handwerker zu bekommen. An der Befragung haben mehr als 21.000 Menschen aus Mitteldeutschland teilgenommen.

Beim Thema Handwerkermangel sind sich die Befragungsteilnehmerinnen und -teilnehmer einig: 94 Prozent sind der Meinung, dass nicht genug dagegen getan wird.

Wird genug gegen den Handwerkermangel getan?
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Über zwei Drittel halten bessere Bezahlung für sinnvoll

Als probates Mittel im Kampf gegen den Handwerkermangel nennen über zwei Drittel (69 Prozent) eine bessere Bezahlung. Außerdem sind 59 Prozent der Meinung, dass bessere Perspektiven im Alter sinnvoll wären. Knapp die Hälfte (47 Prozent) findet, dass eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf hilfreich wäre. Weniger sinnvoll finden die Befragten dagegen den Wegfall der Meisterpflicht in weiteren Bereichen (21 Prozent), das Anwerben von ausländischen Fachkräften / Flüchtlingen (19 Prozent) und die Akademisierung der Handwerksberufe (13 Prozent).

Wie gegen Handwerkermangel vorgehen?
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Zu wenig Lohn für Handwerker

Knapp drei Viertel der Befragten (73 Prozent) sind auch der Meinung, dass Handwerker insgesamt zu schlecht bezahlt werden.

Große Mehrheit findet, Politik sollte etwas gegen den Handwerkermangel tun

Danach befragt, wer etwas gegen den Handwerkermangel tun sollte, spricht sich die große Mehrheit (70 Prozent) für die Politik aus. An zweiter Stelle nennen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer die Handwerkskammern (55 Prozent). Außerdem sollen laut den befragten MDRfragt-Mitgliedern die Ausbildungsbetriebe (51 Prozent) und die Schulen (48 Prozent) aktiver werden.

Wer sollte etwas gegen den Handwerkermangel tun?
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Mehr als 80 Prozent finden es immer schwieriger, einen Handwerker zu bekommen

Vom Handwerkermangel betroffen sind die befragten Teilnehmerinnen und Teilnehmer auch selbst. Die überwiegende Mehrheit (83 Prozent) hat angegeben, dass sie es immer schwieriger findet, einen Handwerkertermin zu bekommen. Etliche der Befragten, die in den vergangenen zwei Jahren auf einen Handwerker angewiesen waren, hatten Probleme einen zu bekommen. Insgesamt haben 40 Prozent so geantwortet. Für 33 Prozent war es kein Problem, einen Handwerker zu bekommen, 26 Prozent haben in den vergangenen zwei Jahren keinen gebraucht.

Zu lange Wartezeiten auf den Handwerker

Von denjenigen Teilnehmern, die Probleme bei der Handwerkersuche hatten, wollten wir wissen, welche Probleme das genau waren. Am häufigsten wurde eine lange Wartezeit genannt (79 Prozent). Etwas mehr als ein Drittel (35 Prozent) hatte außerdem das Problem, dass niemand den Auftrag ausführen wollte, ebenso waren für etwas mehr als ein Drittel (34 Prozent) die Kosten zu hoch.

Viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer haben uns ihre Erfahrungen geschildert:

Zwölf Wochen Lieferzeit für ein zusätzliches Glasteil.

Teilnehmer aus Erfurt

Zwei Handwerksmeister sagten uns die Übernahme des Auftrages zu und wollten sich in drei bzw. fünf Wochen wieder melden, dass war voriges Jahr im Frühjahr - es erfolgte bis heute keine Rückmeldung, Zu- oder Absage, die Herren haben es wohl nicht nötig, schade! Mit dem dritten Handwerksbetrieb hat es geklappt, aber wie gesagt sehr lange Wartezeiten.

Teilnehmerin aus dem Harz

Zwei Handwerksfirmen wollten sich einen Schaden am Dach ansehen. Insgesamt vier Termine wurde ohne Begründung nicht eingehalten, Thema Verlässlichkeit, Ehrlichkeit...

Teilnehmer aus Sömmmerda

Bessere Berufsorientierung gilt meisten als bestes Mittel, um mehr Azubis fürs Handwerk zu gewinnen

Auch mit Nachwuchssorgen hat das Handwerk zu kämpfen. Mit 80 Prozent hält die große Mehrheit der Teilnehmerinnen und Teilnehmer eine bessere Berufsorientierung für sinnvoll, um junge Menschen für eine Ausbildung im Handwerk zu gewinnen. Über zwei Drittel (69 Prozent) sind zudem der Meinung, dass mehr gesellschaftliche Anerkennung etwas bringen würde, zwei Drittel (66 Prozent) finden, dass man Handwerksberufe bekannter machen sollte.

Mehr Azubis für Handwerk gewinnen durch …
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Zu diesem Thema haben uns viele Kommentare der Befragungsteilnehmenden erreicht:

Als Fachhochschulausbildung wären Handwerksberufe sicher attraktiver als bisher. Wichtig ist aber eine Vergütung, die jungen Menschen die Möglichkeit gibt, eine Familie zu gründen und zu ernähren. Das ist weder im Handwerk noch im Industriehandwerk möglich.

61-jähriger Teilnehmer aus dem Unstrut-Hainich-Kreis

Das gymnasiale Niveau sollte wieder gesteigert werden, um nur die besten Schüler in die akademische Ausbildung zu bringen. Gleichzeitig sollte die mittlere Reife gesellschaftlich als ordentlicher Abschluss anerkannt werden. Gleichzeitig muss mehr dafür getan werden, dass das Image des Handwerks gefördert wird. Denn das Handwerk schafft wirkliche greifbare Werte und sichert den Wohlstand und schafft Wohnraum und Güter!

37-jähriger Teilnehmer aus dem Saale-Orla-Kreis

Alle jungen Leute wollen nach dem Abi etwas mit Computern machen, also in der IT Branche. Keiner will mehr körperlich schwer arbeiten.

58-jährige Teilnehmerin aus Greiz

Akademisierung des Handwerks gewünscht

Mehr als die Hälfte, 59 Prozent, würde es für sinnvoll halten, wenn Handwerksberufe auch als praxisorientierte Studiengänge an Hochschulen angeboten würden. Ein gutes Drittel (36 Prozent) spricht sich dagegen aus.

Akademisierung von Studiengängen
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Handwerk hat gutes Image – die meisten assoziieren damit "Qualitätsarbeit"

Alles in allem sagt so gut wie jeder Teilnehmende (91 Prozent), dass Handwerker bei ihm ein großes Ansehen haben. Auf die Frage, welche Aspekte die Teilnehmenden am ehesten mit Handwerkern und Handwerk assoziieren, wurde am häufigsten "Qualitätsarbeit" (60 Prozent) genannt, gefolgt von "zuverlässig" (52 Prozent) und "gut ausgebildet" (47 Prozent). Negative Zuschreibungen sind eher die Ausnahme, so verbindet nur rund jeder Zehnte Handwerker mit den Worten "Pfusch", "Abzocke" oder "unzuverlässig".

Image von Handwerkern
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Handwerker: Uneinheitlicher Blick in die Zukunft

An unserer Befragung haben 2.380 Menschen teilgenommen, die selbst in einem Handwerksberuf arbeiten. Die Frage nach dem Blick in die Zukunft spaltet die teilnehmenden Handwerker. Während die eine Hälfte glaubt, dass es sich für ihren Handwerksberuf positiv entwickeln wird, ist die andere Hälfte eher pessimistisch gestimmt.

Dazu tragen sicherlich auch die enormen Herausforderungen bei, mit denen die befragten Handwerker kämpfen, wie beispielsweise der Fachkräftemangel und die Materialknappheit:

  • 9 von 10 Teilnehmern (88 Prozent) haben angegeben, dass es in ihrem Betrieb Probleme gibt, qualifizierte Mitarbeiter zu finden
  • bei 69 Prozent ist es auch schwierig, Ausbildungsplätze zu besetzen
  • bei 61 Prozent ist die Unternehmensnachfolge unsicher
  • 73 Prozent haben angegeben, dass es auch in ihrem Betrieb Probleme gibt, benötigte Materialien zu bekommen

Über diese Befragung Die Befragung vom 09.-18.10.2021 stand unter der Überschrift:

Probleme im Handwerk - Frust oder Verständnis?

Insgesamt sind bei MDRfragt 48.458 Menschen aus Mitteldeutschland angemeldet (Stand 18.10.2021, 11 Uhr).

21.524 Menschen aus Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen haben online an dieser Befragung teilgenommen.

Verteilung nach Altersgruppen:
16 bis 29 Jahre: 329 Teilnehmende
30 bis 49 Jahre: 3.482 Teilnehmende
50 bis 64 Jahre: 9.225 Teilnehmende
65+: 8.488 Teilnehmende

Verteilung nach Bundesländern:
Sachsen: 10.955 (51 Prozent)
Sachsen-Anhalt: 5.480 (25 Prozent)
Thüringen: 5.089 (24 Prozent)

Verteilung nach Geschlecht:
Männlich: 55 Prozent
Weiblich: 45 Prozent
Divers: 0,2 Prozent

Die Befragungen sind nicht repräsentativ, aber sie werden nach statistischen Merkmalen wie Geschlecht, Bildung und Alter gewichtet. Die Gewichtung ist eine Methode aus der Wissenschaft bei der es darum geht, die Befragungsergebnisse an die real existierenden Bedingungen anzupassen. Konkret heißt das, dass wir die Daten der Befragungsteilnehmer mit den statistischen Daten der mitteldeutschen Bevölkerung abgleichen.

Wenn also beispielsweise mehr Männer als Frauen abstimmen, werden die Antworten der Männer weniger stark, die Antworten der Frauen stärker gewichtet. Die Antworten verteilen sich dann am Ende so, wie es der tatsächlichen Verteilung von Männern und Frauen in der Bevölkerung Mitteldeutschlands entspricht.

Dabei unterstützt ein wissenschaftlicher Beirat das Team von "MDRfragt". Mit dem MDR Meinungsbarometer soll ein möglichst breites Stimmungsbild der Menschen in Mitteldeutschland eingefangen werden – mit möglichst vielen Teilnehmenden.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR aktuell | 19. Oktober 2021 | 21:45 Uhr