Mitteldeutscher Verkehrsverbund Mit 9-Euro-Ticket mehr Menschen für Bus und Bahn begeistern

Der Mitteldeutsche Verkehrsbund sieht im geplanten 9-Euro-Ticket eine Chance, dass mehr Menschen Bus und Bahn fahren. Ab August sollen die Tickets dennoch um gut zwei Prozent teurer werden. Die Verkehrsbetriebe müssten Kraftstoff und Energie einkaufen sowie Personal bezahlen. All diese Kosten stiegen derzeit.

Ein silberfarbener, grüner S-Bahn-Zug der S-Bah Mitteldeutschland fährt vom S-Bahnhof in einen Tunnel ein (Stammstrecke City-Tunnel Leipzig), Bewegeungsunschärfe, darauf Illustration eines Tickets mit Aufschrift "Einzelfahrt 3 Euro, Gültigkeit 60 Minuten, Zone 110"
Bei vielen Verkehrsunternehmen in Mitteldeutschland steigen die Preise. Bildrechte: imago/Stefan Noebel-Heise, MDR (M)

Mit Bus und Bahn statt mit dem Auto fahren: Das würde viel Sprit sparen und Deutschland unabhängiger von russischen Rohölimporten machen. Und auch den Klimazielen würde das nutzen. Trotzdem steigen bei vielen Verkehrsbetrieben die Fahrkartenpreise.

Verkehrsunternehmen: Höhere Ticketpreise orientieren sich an Kosten

Das lässt sich nicht vermeiden, sagt Eike Arnold, Sprecher beim Verband Deutscher Verkehrsunternehmen: "Die Verkehrsbetriebe in Deutschland müssen natürlich an den entsprechenden Märkten handeln, sie müssen ihren Kraftstoff einkaufen, sie müssen ihre Energie einkaufen, sie müssen ihr Personal bezahlen und ihre entsprechenden Materialkosten irgendwie stemmen. Und die steigen, diese Kosten."

Wenn das Angebot also nicht zusammengestrichen werden soll, sondern, im Gegenteil ja noch weiter ausgebaut werden soll, geht das alles nur über einen höheren Fahrpreis.

"9-Euro-Ticket" bietet Chancen

Gut zwei Prozent teurer werden die Tickets beim Mitteldeutschen Verkehrsbund ab August. Aber vorher soll das vom Bund bezahlte "9-Euro-Ticket" für drei Monate kommen. Eine echte Chance, Menschen aus den Autos in Busse und Bahnen zu locken, sagt MDV-Geschäftsführer Steffen Lehmann.

Für Lehmann bietet das Ticket auch die Möglichkeit den Bund dauerhaft noch mehr in die Verantwortung für den Öffentlichen Nahverkehr zu nehmen. Er sagt: "Ich sehe darin auch den Ansatz einer ergänzenden Förderung für den Nahverkehr generell. Und einer noch größeren Beteiligung auch des Bundes dauerhaft an dem Nahverkehr."

Zunächst sollen jedoch drei Monate lang Erfahrungen gesammelt werden. Dann will man überlegen, welche positiven Schritte gemacht wurden und wie man diese auch dauerhaft umsetzen kann.

VCD will Förderung auch für kommunalen Nahverkehr

Bastian Kettner, Sprecher für Bahn und ÖPNV beim ökologisch ausgerichteten Verkehrsclub Deutschland, kurz VCD, fordert, dass der Bund nicht nur den Regionalverkehr dauerhaft fördert, sondern auch den kommunalen Nahverkehr. Kettner sagt, dies sei nötig, um eben auch Busse, Straßenbahnen und U-Bahnen zu unterstützen: "Also gerade nochmal die Mobilität im ländlichen Raum, weil die ja momentan abhängig ist von der Förderung der Städte und Landkreise."

Verkehrsclub Deutschland fordert mehr Geld vom Bund

Das Bundesverkehrsministerium schreibt MDR AKTUELL dazu, dass bereits Erhöhungen der Mittel für die kommenden Jahre beschlossen wurden. Bastian Kettner ist das zu wenig. Doppelt so viel Geld – zwanzig statt der bisher jährlich zehn Milliarden Euro vom Bund seien für den ÖPNV nötig. Vor allem, damit die Infrastruktur weiter ausgebaut werden kann.

Auch ein günstiges Angebot oder gar ein kostenloses Angebot hat natürlich wenig Nutzen, wenn die Menschen nicht vom Fleck kommen.

Bastian Kettner Sprecher beim Ökologisch ausgerichteten Verkehrsclub Deutschland

Kettner ist sich sicher: Wenn ein gutes, zuverlässiges Angebot auch auf dem Land da ist, dann steigen die Menschen auch um. Und obwohl die Ticketpreise steigen: Durch die viel drastischer gestiegenen Spritpreise sei der ÖPNV gerade jetzt wieder attraktiv.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 31. März 2022 | 06:08 Uhr

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