Steigende Gaspreise Mitgas stoppt Geschäft mit Neukunden

Auf Gasversorger wächst der Druck seit Wochen. Die Preise stiegen zuletzt explosionsartig. Mitgas zieht nun Konsequenzen und stoppt die Aufnahme von Neukunden. Verbände fordern inzwischen Ausgleichszahlungen an Geringverdiener angesichts der steigenden Kosten. Entspannung scheint aber in Sichtweite: Russland kündigte am Mittwoch höhere Gaslieferungen an.

Vor einem Firmensitz in Halle ist das Logo von Envia M Mitgas zu sehen, daneben steht ein Baum.
Rund 170.000 Kunden hat Mitgas in Westsachsen sowie in Teilen Thüringens und Sachsen-Anhalts. Bildrechte: MDR/Michael Rosebrock

Der Gasversorger Mitgas nimmt vorerst keine Neukunden mehr auf. Das Unternehmen teilte dem MDR mit, Grund seien die hohen Gasbeschaffungskosten. Diese hätten sich in den vergangenen Wochen vervierfacht. Das habe man so noch nie gesehen.

Absicherung von Bestandskunden hat Priorität

"Unser absoluter Schwerpunkt liegt auf der Absicherung des Bestandskundengeschäfts", erklärte Prokurist Eckart Kieser. Man fühle sich in der Verantwortung, die Marktsituation für den Endkunden beherrschbar zu halten. Zudem gelte es, die Grundversorgung weiter zu gewährleisten.

Es sei eine "wirkliche Unwägbarkeit, dass Wettbewerber ihren Lieferverpflichtungen nicht mehr nachkommen können", sagte Kieser weiter. Als Grundversorger sei man dann auch Ersatzversorger. Mitgas hat aktuell rund 170.000 Kunden in Westsachsen sowie in Teilen Thüringens und Sachsen-Anhalts.

Forderungen nach Ausgleich für Geringverdiener

Mit den steigenden Energie- und Lebensmittelpreisen wurden zuletzt auch Forderungen lauter, einen Ausgleich für Menschen mit geringem Einkommen zu schaffen. Die Diakonie Sachsen warnte am Mittwoch, immer mehr Menschen gerieten durch pandemiebedingte Einkommensverluste in finanzielle Notlagen.

Unter dem Druck der Schulden würden auch zunehmend Menschen psychisch krank, hieß es mit Verweis auf eine bundesweite Umfrage der Arbeitsgemeinschaft Schuldnerberatung. Zugleich hätten Beratungsstellen kaum noch Kapazitäten für die stark erhöhte Nachfrage. Diakonie-Chef Dietrich Bauer warnte, ohne einen sofortigen Ausgleich gerate man in eine "noch größere soziale Unwucht, die das Vertrauen in eine funktionierende Demokratie weiter erodieren lässt".

Altmaier: Versorgung mit Ergas im Winter gesichert

Der scheidende Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier sieht unterdessen kein grundsätzliches Versorgungsproblem. "Wir werden in diesem Winter Versorgungssicherheit haben", sagte der CDU-Politiker bei der Vorstellung der Herbstprognosen der Bundesregierung. Die Gasspeicher seien wieder gut gefüllt. Die Situation sei besser als 2015.

Der Rückgang der Gaslieferungen nach Europa sei nicht darauf zurückzuführen, dass Russland seinen Verpflichtungen nicht nachkomme. Vielmehr seien viele Gashändler zögerlich gewesen mit den Bestellungen, da sie auf bessere Preise gewartet hätten. Das sei eine normale Reaktion im Marktgeschehen.

Die steigenden Strom- und Gaspreise waren zuletzt auch Thema eines Treffens der EU-Energieminister. EU-Kommissarin Kadri Simson zufolge wurden jedoch keine neuen Instrumente beschlossen.

Russland will Gaslieferungen nach Europa erhöhen

Russland kündigte inzwischen an, mehr Gas nach Europa zu liefern. Präsident Wladimier Putin sagte bei einer im Fernsehen übertragenen Kabinettsitzung, Voraussetzung sei, dass zunächst die eigenen Speicher aufgefüllt würden. Danach sollten die Gasspeicher in Deutschland und Österreich befüllt werden. Das dürfte die Lage auf den europäischen Energiemärkten entspannen. Der Staatskonzern Gazprom stellte erhöhte Liefermengen ab 8. November in Aussicht.

Quelle: MDR, dpa, Reuters / (rnm)

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 27. Oktober 2021 | 15:30 Uhr

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