Nahverkehr Auch in Mitteldeutschland werden Bus und Bahn teurer

Für Bus- und Bahnkunden bedeutet der Jahreswechsel oft: höhere Ticketpreise im Nahverkehr. Auch 2022 sollen die Preise in vielen Verkehrsverbünden steigen. Während die Unternehmen auf wirtschaftliche Zwänge verweisen, sind Fahrgastvertreter verärgert.

Eine Hand hält an einer StrŸaßenbahn-Haltestelle in Stuttgart eine 2-Euro-Münze in einen Fahrkartenautomaten.
In mehreren mitteldeutschen Städten müssen Fahrgäste 2022 tiefer ins Portemonnaie greifen, wenn sie am Ticketautomaten stehen (Symbolbild). Bildrechte: dpa

Wer mit Bus und Bahn unterwegs ist, muss 2022 vielerorts tiefer in die Tasche greifen. Eine Auswertung der dpa ergab, dass der durchschnittliche Tarif je nach Verkehrsverbund um bis zu 5,5 Prozent steigen soll. Auf Anfrage von MDR AKTUELL erklärten nun auch die Verbünde der mitteldeutschen Landeshauptstädte, dass auch sie Preiserhöhungen zumindest nicht ausschließen.

In Dresden fällt die Entscheidung über neue Fahrpreise erst im Dezember: Dann kommen die Verantwortlichen des Verkehrsverbundes Oberelbe (VVO) zusammen. Wie die "Sächsische Zeitung" berichtet, droht dann zum August 2022 in einem "Maximalszenario" gar ein Preisaufschlag von mehr als zehn Prozent etwa für ein Monatsticket.

Auch in Erfurt standen Preiserhöhungen bislang jeweils im August an. Für 2022 befinde man sich allerdings noch "in einem Abstimmungsprozess", sagt Jennifer Santana vom Verkehrsverbund Mittelthüringen (VMT). Ob Bus und Bahn in Erfurt dann erneut teurer werden, sei noch offen.

Für Fahrgäste in Magdeburg wird es dagegen bereits zum Januar 2022 teurer. Allerdings falle der Preisanstieg mit 2,4 Prozent vergleichsweise moderat aus, betonte Lisa Mertens vom Verkehrsverbund Marego. Einzelheiten wolle Marego erst "in den kommenden Wochen" mitteilen.

Einigkeit herrscht bei den Verkehrsverbünden über die Gründe für die Preiserhöhungen: Alle verweisen auf höhere Energie- und Personalkosten. Allein die Energiekosten sind Christian Schlemper vom VVO zufolge von August 2020 bis August 2021 um mehr als 20 Prozent gestiegen. Hinzu kämen gesunkene Fahrgastzahlen durch die Corona-Pandemie. Aber auch kleinere Posten könnten sich schnell aufsummieren, erklärt Jennifer Santana (VMT): "Zum Beispiel steigen derzeit die Kosten für Papier: Nicht der Kostentreiber schlechthin, aber was für Privathaushalte teurer wird, wird auch für Unternehmen teurer."

Beim Fahrgastverband Pro Bahn bestreitet man die gestiegenen Kosten für die Unternehmen nicht. Preiserhöhungen könnten aber nicht das Mittel der Wahl sein. Stattdessen sieht Bundesvorsitzender Detlev Neuß die Politik in der Pflicht.

Nicht nur mitteldeutsche Kommunen sind klamm. Projekte wie ein 365-Euro-Ticket können sie sich oft gar nicht leisten. Die Hauptverantwortung liegt daher beim Bund: Geld für Bundesautobahnen sollte lieber an die Kommunen für den ÖPNV fließen.

Detlev Neuß Fahrgastverband Pro Bahn

Dass die Preiserhöhungen nicht alternativlos sind, beweisen die Verkehrsverbünde Bremen-Niedersachsen und Berlin-Brandenburg. Dort erwartet die Fahrgäste eine Nullrunde – in Bremen sogar die zweite in Folge. Die Verbünde begründen das mit der Corona-Pandemie: Frühere Kundinnen und Kunden könnten so in Busse und Bahnen zurückgeholt werden.

Beim Fahrgastverband Pro Bahn findet diese Strategie Unterstützung. Bundessprecher Detlev Neuß: "Wenn wir die Fahrgäste zurückgewinnen wollen, die während Corona auf den Pkw umgestiegen sind, ist eine Preiserhöhung der falsche Weg."

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 28. Oktober 2021 | 09:45 Uhr

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