Trotz Vollzeitjob droht Altersarmut Mehrheit des Verkaufspersonals in mitteldeutschen Bäckereien arbeitet für Niedriglohn

Rund 90 Prozent der vollzeitbeschäftigten Verkäuferinnen und Verkäufer im mitteldeutschen Bäckerhandwerk liegen mit ihrem Gehalt unter der bundeseinheitlichen Niedriglohnschwelle von 2.267 Euro. Darauf verweist Olaf Klenke im Gespräch mit dem MDR-Magazin "Umschau". Er ist Landesbezirkssekretär der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) für Ostdeutschland.

Verkäuferin überreicht ein Brot in einer Bäckerei.
Rund 90 Prozent des vollbeschäftigten Verkaufspersonals im mitteldeutschen Bäckerhandwerk bekommt einen Niedriglohn. Bildrechte: imago images/Panthermedia

Der NGG-Landesbezirkssekretär Klenke bezieht sich auf Zahlen der Bundesagentur für Arbeit. Demnach sind rund 6.600 Beschäftigte betroffen. Klenke sagte: „Wer keinen finanzstarken Partner hat, wird im Alter auf Sozialhilfe oder Grundsicherung angewiesen sein.“ Nach Gewerkschaftsangaben sind im bundesweiten Schnitt über 93 Prozent der Beschäftigten im Verkauf im Bäckerhandwerk weiblich.

Gewerkschaft: fehlende Tarifbindung in Mitteldeutschland

Mit rund 96 Prozent (rund 1.800 Beschäftigte) hat Sachsen-Anhalt den größten Niedriglohn-Anteil unter den deutschen Bundesländern. Es folgen Sachsen (3.500) und Thüringen (1.300) mit jeweils 92 Prozent.

Mecklenburg-Vorpommern, Grabow: Die Beschäftigten des Schaumkuss-Herstellers Grabower Süßwaren fordern während eines Warnstreiks den Angleich ihrer Einkommen an den Flächentarifvertrag Ost.
Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) vertritt die Interessen der Beschäftigten im Bäckerhandwerk. Bildrechte: dpa

Der Mittelwert für die sechs ostdeutschen Bundesländer liegt bei 91 Prozent, der für Westdeutschland bei 81. Eine der Ursachen für die hohen Niedriglohn-Quoten in Mitteldeutschland ist aus Sicht der Gewerkschaft die fehlende Tarifbindung. Nach deren Angaben gibt es aktuell keinen gültigen Flächentarifvertrag für das Bäckerhandwerk in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Umschau | 23. März 2021 | 20:15 Uhr

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