Auswirkungen der Corona-Pandemie Rohstoffmangel und Lieferprobleme machen sich beim Verbraucher bemerkbar

Autoteile, Computerchips und Baumaterialien: Die Industrie klagt seit Monaten über fehlende Rohstoffe und Produkte, die nicht lieferbar sind. Einige Autobauer beispielweise stellten zwischenzeitlich die Produktion ein. Schuld an der Situation seien vor allem die Auswirkungen der Corona-Pandemie. Mittlerweile kommen Rohstoffmangel und Lieferprobleme auch immer mehr beim Verbraucher an.

Baustoffen werden teurer, Thüringer Handwerker fürchten Liefer-Engpässe.
Rohstoffe werden teurer – das bekommen nun auch die Verbraucher zu spüren. Bildrechte: MDR/Florian Girwert

"Derzeit nicht verfügbar" – das steht im Moment bei vielen Anbietern, wenn es um die Playstation 5 geht. Die Spielekonsole sei aber nur eines von vielen Beispielen, sagt Joachim Dünkelmann, der stellvertretende Geschäftsführer des Bundesverbands Technik des Einzelhandels e.V.: "Also die Playstation 5 könnte man ja zur Not noch verkraften, auch wenn mein Sohn das vermutlich anders sehen würde. Aber wir haben einfach eine Verkettung unglücklicher Umstände seit Jahresanfang 2020, die zu einer verstärkten Knappheit im Bereich Heimelektronik und Hausgeräte führen."

Erhöhte Nachfrage – verringertes Angebot

Da sei zum einen die größere Nachfrage: Menschen seien wegen Corona mehr zu Hause und kauften mehr Fernseher, Stereo-Anlagen und Spielekonsolen, aber auch Computer, Webcams und Co für das Arbeiten im Homeoffice. Gleichzeitig seien Rohstoffe knapp, Produktion und Lieferketten teils noch stark durch Corona eingeschränkt.

Die Folgen würden die Elektronikbranche noch Monate beschäftigen, glaubt Dünkelmann. "Das sind Faktoren, die wir hier von Deutschland aus gar nicht beeinflussen oder steuern können, weil Sie die Ware schlicht und ergreifend nicht bekommen." Das sei ein Gleichgewicht in der Weltwirtschaft, was sich jetzt erst wieder – sowohl in der Logistik als auch in der Produktion – einpendeln müsse. "Und da hilft nichts anderes als abwarten."

Fast alle Bereiche des Handels betroffen

Fast alle Bereiche des Handels spüren die Folgen inzwischen. In dieser Woche meldete zum Beispiel auch der Fahrradhandel immer größere Lieferprobleme und monatelange Wartezeiten. Der Handelsverband Deutschland teilt auf Anfrage von MDR AKTUELL mit: "Insgesamt muss sich der Handel auf zunehmend unberechenbare Transportwege, auftretende Produktionsengpässe und damit auch steigende Produktions- und Beschaffungskosten einstellen."

Wäre die Lösung dann, mehr in Deutschland zu produzieren? Nein, sagt Reint Gropp, Präsident des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung in Halle: "Globalisierung führt ja dazu, dass die Kapazitäten viel mehr verteilt sind. Das heißt, ihre Chancen, dass sie keinen Engpass erwischen, wenn sie etwas bestellen, sind natürlich deutlich besser, als wenn es nur eine einzige Fabrik in Deutschland gäbe, die etwas produziert." Wenn die dann ein Problem habe, dann werde gar nicht geliefert.

Handelsverband: Politik soll Export regulieren

Die Knappheit führt in vielen Bereichen jedenfalls bereits zu steigenden Preisen. Das gelte insbesondere für Materialien wie Metalle und vor allem Bauholz, sagt Jörn Brüningholt, Sprecher des Handelsverbands Heimwerken, Bauen und Garten. "Das kommt in der Tat jetzt im Augenblick auch beim Verbraucher an. Die Lieferanten klagen über die schlechte Versorgung mit Vorprodukten und Rohstoffen, müssen diese Preissteigerungen an den Handel weitergeben und wir müssen da natürlich ebenfalls reagieren." Das mache die Sache im Augenblick etwas teurer.

Beim Thema Bauholz sei die Situation etwas kurios, findet Brüningholt. Schließlich seien die deutschen Wälder voll davon. "Das wird aber seltsamerweise sehr viel exportiert, weil USA und China im Augenblick ganz brutal hohe Preise zahlen. Da würde man sich an mancher Stelle wünschen, dass die Politik da mal etwas regulierend eingreifen würde." Er sei allerdings zuversichtlich, dass sich die Lage mittelfristig wieder entspannt. Das werde aber noch zwei bis drei Jahre dauern.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 06. August 2021 | 06:08 Uhr

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