"Rüstungsschmiede Mitteldeutschland" | Teil 5 Panzer aus Plauen

Vor 75 Jahren endete der Zweite Weltkrieg. Auch die Fabriken standen still, die Rüstungsgüter für die Front hergestellt hatten: Flugzeuge, Munition und vor allem Panzer, von denen viele aus Mitteldeutschland kamen: beispielsweise aus Plauen.

Ein Jagdpanzer IV
Die Rüstungsproduktion der VOMAG ist vor allem mit dem Jagdpanzer IV verbunden. Bildrechte: imago images/United Archives International

Was die Geschichte des Vogtlandes betrifft, ist der stadtbekannte Plauener Curt Röder eine der ersten Adressen. Der Verleger und Historiker hat sich auch intensiv mit der mitteldeutschen Panzerproduktion beschäftigt. Rund 30 Prozent der deutschen Panzer wurden in der Region gefertigt, viele davon in der VOMAG, der Vogtländischen Maschinenfabrik AG. "Das ist der Verwaltungstrakt, was wir jetzt hier haben", erklärt Röder. "Im Hintergrund zieht sich praktisch das Betriebsgelände. Ganz hinten, man sieht es nicht mehr, geht es über die Elster, die Brücke, und dann rüber in das Panzerwerk. Die Panzerhalle war was ganz Modernes und war auch sehr stabil gebaut. Sie hat sehr starke Betonwände gehabt, war zweifach unterkellert."

Nazis planten gigantische Panzerschmiede

Heute erinnert nur noch die sogenannte Panzerbrücke sowie das umfangreiche Archiv Curt Röders an diesen wichtigen Standort der deutschen Rüstungsindustrie. Für die Panzerproduktion noch wichtiger war allerdings das Magdeburger Gruson-Werk, wo bereits seit dem Ersten Weltkrieg Panzer und Geschützwagen entwickelt wurden.  Auch die legendäre Selbstfahrlafette "Dicker Max" wurde dort gefertigt.

Gruson-Werk
Das Magdeburger Gruson-Werk. Bildrechte: MDR/Sächsisches Staatsarchiv Leipzig

Doch sollte auch die VOMAG in Plauen noch deutlich ausgebaut werden, wie Curt Röder bei seinen Recherchen herausfand. Die Nazis planten eine gigantische Panzerschmiede, die weit über das Werk in der Elsteraue hinausgehen sollte. Daraus wurde bekanntlich nichts. Heute ist die Rüstungsproduktion der VOMAG vor allem mit dem Jagdpanzer IV verbunden. Im Mai 1943 hatten die Plauener Konstrukteure  der NS-Führung das Holzmodell dieses neuen Panzerjägers vorgestellt, erzählt der Historiker Curt Röder: "Dem Hitler hat er gefallen, weil er so schön niedrig war. Der war nur einen Meter 84. Der war so, dass man ihn im Gelände übersehen konnte. Und durch die lange Kanone hatte der eine unwahrscheinliche Durchschlagskraft."

Panzerproduktion wurde Plauen zum Verhängnis

Bevor die VOMAG Ende 1940 auf die Reparatur und später die Fertigung von Panzern umgestellt wurde, hatten die 6.000 Beschäftigten Lastkraftwagen, Druckmaschinen, Textil- und Spezialwerkzeugmaschinen gefertigt. Diese Entwicklung erklärt sich aus dem Verlauf des Zweiten Weltkrieges und der wachsenden Bedeutung gepanzerter Fahrzeuge im damaligen Bewegungskrieg, erklärt Jens Wehner vom Militärhistorischen Museum Dresden:

Die Panzerproduktion ist eigentlich die am meisten expandierende Industrie, Rüstungsfertigung im Dritten Reich. Wir haben in keinem anderen Bereich der Rüstungsproduktion solche Wachstumsraten wie in der Panzerproduktion.

Jens Wehner Militärhistorisches Museum Dresden

Und da habe man eben versucht, Betriebe zu nutzen, gerade im Zuge einer Totalmobilisierung. Im Krieg wurde immer stärker die Industrie eingespannt, immer mehr die zivile Produktion zurückgefahren. Da sei die VOMAG ein wichtiger Betrieb für die Panzerfertigung.

Dies war auch ein Grund, dass Plauen noch bis kurz vor Einmarsch der US-Amerikaner heftig bombardiert und großflächig zerstört wurde. Nach Erkenntnissen von Historikern war bei sechs der insgesamt 14 Luftangriffe gegen die Stadt der Rüstungsbetrieb VOMAG das Hauptziel gewesen.   

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Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 09. Mai 2020 | 08:49 Uhr

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