Energie Stromnetzbetreiber kritisieren Renditekürzungen

Stromnetzbetreiber kritisieren das Vorhaben der Bundesnetzagentur, die Gewinnspannen deutlich zu beschneiden. Erforderliche Investitionen in die Netz-Infrastruktur würden so gefährdet. Dagegen kritisierte der Bundesverband der Verbraucherzentralen, auch gut fünf Prozent Rendite seien immer noch viel zu hoch.

Windräder und Strommast
Für eine klimaneutrale Energiewende müssen die Stromnetze in Deutschland entsprechend ausgebaut werden. Bildrechte: IMAGO

In Deutschland sprechen immer alle von einem Stromnetz. Doch eigentlich sind es hunderte miteinander verknüpfte Netze. Sie gehören zum Beispiel Stadtwerken, die dort eigenen und fremden Strom durchleiten. Sie müssen die Netze reparieren, ausbauen.

Wie viel Gewinn sie damit machen dürfen, legt die Bundesnetzagentur fest. Derzeit gestattet sie auf jeden investierten Euro eine Rendite von 6,91 Prozent. Doch sie will diesen Wert senken.

Agentur-Sprecher Fiete Wulff begründet das so: "Wir sehen, dass das allgemeine Zinsniveau an den Kapitalmärkten deutlich gesunken ist. Und das wird sich auch in den Zinssätzen widerspiegeln. Denn die Renditen der Netzbetreiber werden von den Netznutzern bezahlt. Also von den Verbrauchern, der Industrie und dem Gewerbe."

Neuer Zins für Netzausbau ab Oktober

Wie hoch der Zins für den Netzausbau künftig sein soll, veröffentlicht die Bundesnetzagentur Anfang Oktober. Sehr wahrscheinlich wird sie einen Zins von rund fünf Prozent festlegen. Beim Vergleich mit einem Sparbuch klingt die Zahl annehmbar.

Stephan Lowis
Stephan Lowis, Vorstandschef des ostdeutschen Energieunternehmens. Bildrechte: dpa

Stephan Lowis, Vorstandschef des ostdeutschen Energieunternehmens enviaM, findet es trotzdem zu wenig. "Wir reden hier nicht über ein Sparbuch, sondern wir reden hier über Basis-Infrastruktur deutscher Volkswirtschaft. Und das Betreiben von Strom- und Gasnetzen ist nicht risikolos. Wenn ein Sparbuch nicht mehr vorhanden ist, wird keine Volkswirtschaft daran sterben. Also bitte nicht Äpfel mit Birnen vergleichen, sondern Äpfel mit Äpfeln und Birnen mit Birnen."

Netzbetreiber sehen dramatische Entwicklung

Für die Netzbetreiber geht es um hunderte Millionen Euro. Sie argumentieren, man müsse Investoren finden. Die könne man nur mit guten Renditen locken.

So sieht es auch Stefan Kapferer, Geschäftsführer des Übertragungsnetzbetreibers 50Hertz: "Wenn wir die Energiewende schaffen und klimaneutral werden wollen, brauchen wir einen entsprechenden Ausbau. Und da sind die 5,07 im Vergleich zu den 6,91, die es bisher gab, eben eine Absenkung um 25 Prozent. Das ist schon eine dramatische Veränderung und das gefährdet die Investitionen in die Netzinfrastruktur, die wir brauchen für die Klimaneutralität."

VZBV kritisiert Vorschlag der Bundesnetzagentur

Das sieht allerdings nicht jeder so. Ein Gutachten der Universität Lüneburg kommt zu dem Ergebnis, dass auch 3,79 Prozent garantierter Zins noch attraktiv seien. Und auch Thomas Engelke vom Bundesverband der Verbrauchzentralen (VZBV) findet die Gewinne, die den Netzbetreibern zugestanden werden, übertrieben.

Engelke sagt: "Der Vorschlag der Bundesnetzagentur ist viel zu hoch. Und berücksichtigt zum Beispiel die aktuelle Niedrigzins-Phase, in der wir ja sind, viel zu wenig. Und deswegen erwarten wir von der Bundesnetzagentur eine deutliche Korrektur dieser Eigenkapitalzinssätze nach unten."

"Traumrenditen auf Kosten der Allgemeinheit"?

Engelke betont, dass die Gewinne der Netzbetreiber alle bezahlen müssen. Er spricht von Traumrenditen auf Kosten der Allgemeinheit. Die Betreiber selbst werden um diese Renditen kämpfen.

Als die Bundesnetzagentur die Garantiezinsen das letzte Mal senkte, zogen sie vor Gericht. Die Klage wurde in letzter Instanz vom Bundesverfassungsgericht abgewiesen.

Intelligente Stromzähler 1 min
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Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 24. September 2021 | 08:38 Uhr

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