Pandemie Studie: Kurzarbeit hat über zwei Millionen Jobs gerettet

Die Corona-Pandemie hat den deutschen Arbeitsmarkt enorm belastet. Lag die Arbeitslosenquote zu Beginn der Pandemie im Frühjahr letzten Jahres noch bei 5,3 Prozent, so waren es in diesem April sechs Prozent. Damit hatten rund 2,8 Millionen Menschen im letzten Monat keine Arbeit. Eine Situation, die noch schlimmer hätte sein können, wenn es nicht die Möglichkeit zur Kurzarbeit geben würde. Millionen von Jobs konnten einer Studie zufolge durch Kurzarbeit gerettet werden.

Ein Kugelschreiber auf einem Antrag auf Kurzarbeit
Die Kurzarbeit soll 2,2 Millionen Jobs gerettet haben. Bildrechte: MDR/Anna Wulffert

Der Chemnitzer Gastronom Gernot Roßner, der in der Innenstadt vier Restaurants betreibt, musste schon im Frühjahr 2020 Kurzarbeit beantragen. Damals wurden seine Betriebe aufgrund der Pandemie zwangsweise geschlossen. Seitdem hält er nur mit einem Lieferservice einen Bruchteil seines Geschäftes aufrecht, während die meisten seiner 70 Mitarbeiter Kurzarbeitergeld bekommen. Nur so habe er keinem einzigen Mitarbeiter kündigen müssen, erzählt Roßner.

"Das ist natürlich für die Unternehmen ganz wichtig, weil wir dann, wenn wir wieder anfangen mit der Öffnung der Restaurants, natürlich auf unsere Mitarbeiter angewiesen sind. Und ich denke, es ist auch für die Mitarbeiter ein großer Unterschied, ob sie sich bei der Arbeitsagentur melden müssen und Arbeitslosengeld beziehen müssen oder ob sie weiterhin zu einem Unternehmen gehören und auch von dem Unternehmen bezahlt werden."

2,2 Millionen Jobs gerettet dank Kurzarbeit

Auf dem Höhepunkt der Corona-Pandemie hat die Bundesregierung durch das Instrument der Kurzarbeit 2,2 Millionen Jobs in Deutschland gerettet. Das geht aus einer Studie des Instituts für Makroökonomie Düsseldorf sowie der Universitäten Kiel und Münster hervor.

Bei Kurzarbeit arbeiten Beschäftigte weniger oder gar nicht. Dafür kann der Arbeitgeber Ersatzleistungen aus der Arbeitslosenversicherung in Anspruch nehmen, das sogenannte Kurzarbeitergeld. In Sachsen hatte die Kurzarbeit ihren Höchststand im April letzten Jahres. Jeder sechste Beschäftigte war damals betroffen, ein historischer Höchststand.

Mittlerweile gehen die Zahlen zwar zurück, dennoch warnt Klaus-Peter Hansen, Chef der Arbeitsagentur Sachsen, vor zu viel Optimismus: "Wir haben jetzt die Januarzahlen, da haben wir fast 160.000 Beschäftigte immer noch in Kurzarbeit, das ist jeder Zehnte in Sachsen, also immer noch ein extrem hohes Niveau. Die Anzeigen hören nicht auf. Wir haben auch im letzten Monat wieder fast 800 Anzeigen von Betrieben bekommen mit fast 50.000 Beschäftigen. Also wir sind nicht durch, sondern noch mittendrin in der Krise. Aber ich hab Hoffnung für die nächsten Wochen und Monate."

Auch in Thüringen und Sachsen-Anhalt viele Menschen in Kurzarbeit

Von den Branchen her sind am meisten Beschäftigte in Hotels und Gaststätten betroffen, gefolgt vom verarbeitenden Gewerbe, dort also wo zum Beispiel Lebensmittel, Kleidung oder Autos hergestellt werden. Es folgen Handel und der Dienstleistungsbereich.

Erste Veränderungen zeichnen sich zugunsten der Industrie ab, erklärt Klaus-Peter Hansen: "All die Firmen, außer Gesundheitswesen, die was mit Menschen zu tun haben, sind nach wie vor am stärksten von der Kurzarbeit betroffen. Und die Wirtschaftsbereiche, die eher was mit Material zu tun haben, also die Industrie im weitesten Sinne, da läufts also schon wieder ganz gut."

Ähnlich wie in Sachsen sieht es mit der Kurzarbeit auch in den anderen mitteldeutschen Ländern aus. So waren in Sachsen-Anhalt im Januar fast 60.000 Menschen betroffen, das ist fast jeder achte. In Thüringen rund 72.000 Beschäftigte und damit jeder Neunte.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 11. Mai 2021 | 06:06 Uhr

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