Statistik Millionen Beschäftigte machen unbezahlte Überstunden

4,5 Millionen Menschen haben vergangenes Jahr im Schnitt Überstunden geleistet – Männer etwas häufiger als Frauen. Knapp ein Drittel der Betroffenen leistete sogar mindestens 15 Stunden Mehrarbeit pro Woche.

Licht leuchtet in einem Bürogebäude.
Besonders im Finanz- und Versicherungswesen haben Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer Überstunden geleistet. (Symbolbild) Bildrechte: dpa

Mehr als jeder zehnte Arbeitnehmer in Deutschland hat im vergangenen Jahr mehr gearbeitet als im Vertrag vereinbart. Das teilte das Statistische Bundesamt in Wiesbaden mit. Insgesamt hätten im Schnitt 4,5 Millionen der insgesamt 37,8 Millionen erwerbstätigen Menschen Überstunden geleistet.

Mehrarbeit besonders im Finanz- und Versicherungswesen

Am weitesten verbreitet war demnach Mehrarbeit im Bereich des Finanz- und Versicherungswesens. Hier sei fast jeder fünfte Arbeitnehmer davon betroffen gewesen, gefolgt von Beschäftigten in der Energieversorgung. Im Gastgewerbe lag der Anteil mit sechs Prozent am niedrigsten, in der Kunst- und Unterhaltungsbranche waren es acht Prozent. Grund dafür dürften insbesondere die pandemiebedingten Beschränkungen gewesen sein.

Mit einem Anteil von 14 Prozent leisteten Männer etwas häufiger Überstunden als Frauen (zehn Prozent). Insgesamt war die Mehrarbeit meist auf wenige Stunden pro Woche beschränkt. 29 Prozent der Betroffenen machte aber mindestens 15 Überstunden pro Woche.

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Expertin nennt Ausmaß beunruhigend

Knapp 22 Prozent derjenigen, die mehr arbeiteten als vertraglich vereinbart, leisteten der Statistik zufolge unbezahlte Überstunden. Knapp 18 Prozent wurden für ihre Mehrarbeit bezahlt. 72 Prozent nutzten ein Arbeitszeitkonto, durch das sie die Überstunden zu anderen Zeiten mit mehr Freizeit ausgleichen können. Manche Beschäftigten leisteten die Mehrarbeit damit über eine Kombination der drei Formen.

Vor diesem Hintergrund wird noch einmal deutlich, wie unnötig und kontraproduktiv Diskussionen über eine Erhöhung der Wochenarbeitszeit sind.

Bettina Kohlrausch Hans-Böckler-Stiftung

Die wissenschaftliche Direktorin des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts der Hans-Böckler-Stiftung, Bettina Kohlrausch, nannte die Zahlen beunruhigend. "Vor diesem Hintergrund wird noch einemal deutlich, wie unnötig und kontraproduktiv Diskussionen über eine Erhöhung der Wochenarbeitszeit sind", sagte sie.

Wer Fachkräfte halten wolle, müsse sich um attraktive Arbeitsbedingungen kümmern. Als Beispiel nannte Kohlrausch Arbeitszeitarrangements, die "Spielräume für eine bessere Vereinbarkeit für Arbeit und Leben lassen".

MDR, dpa, epd, AFP (rnm)

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 06. Juli 2022 | 10:30 Uhr

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