Viele Hürden Wenig Geflüchtete aus der Ukraine sind auf Arbeitsmarkt integriert

Uta Georgi, Moderatorin, Autorin, Nachrichtensprecherin
Uta Georgi, Moderatorin, Autorin, Nachrichtensprecherin Bildrechte: MDR/Karsten Möbius

Seit dem russischen Angriffskrieg auf die Ukraine sind laut dem Bundesamt für Migration bis Mitte Juni mehr als 850.000 Geflüchtete aus der Ukraine in Deutschland registriert. Diejenigen im erwerbsfähigen Alter wurden sofort mit einer Arbeitserlaubnis ausgestattet, doch bisher arbeiten verhältnismäßig wenige in festen Jobs. Trotz der Erlaubnis gibt es immer noch viele Hürden.

Ein Mann geht in einem Jobberatungszentrum an einem Plakat mit der Aufschrift«Job in Germany» vorbei. 3
Trotz schneller Arbeitserlaubnis stehen viele Menschen aus der Ukraine bei der Jobsuche vor vielen Problemen. Bildrechte: dpa

Im idyllisch gelegenen Aue-Bad Schlema im Erzgebirgskreis betreibt Willi Hermann Watkowiak seit 1999 ein Unternehmen, das hochwertige Kosmetikartikel für Kunden aus der ganzen Welt produziert. 52 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter arbeiten hier bei der MBR GmbH, vier von ihnen sind Geflüchtete aus der Ukraine. Watkowiak hat die Ukrainer als fleißige und umsichtige Mitarbeiter kennengelernt.

Doch bis er sie regulär anstellen konnte, musste ein Hindernislauf durch die Behörden absolviert werden. Darin sieht der Unternehmer das größte Problem: "Die Schwierigkeiten waren enorm. Die Leute auf den Ämtern waren total überfordert, weil sie keine Ahnung hatten und sie kannten sich dann nur in dieser einen Tätigkeit aus: Sagen wir mal eine Arbeitsbescheinigung auszustellen oder eine Aufenthaltsbescheinigung auszustellen." Bei anderen Dingen wie der Ausstellung von Papieren seien die Behörden überfordert gewesen.

Eine Woche lange hatte Watkowiak eine Mitarbeiterin freigestellt, die sich um die Behördengänge für die ukrainischen Geflüchteten gekümmert hat. Ansonsten wäre das nicht zu lösen gewesen, sagt der Unternehmer.

Wenig Geflüchtete haben Jobs

Von den bisher in Deutschland registrierten Geflüchteten aus der Ukraine sind rund 561.000 erwerbsfähig – sie könnten also arbeiten. Tatsächlich aber befanden sich bis Mitte Juni nur rund 38.000 in sozialversicherungspflichtigen Jobs. Das geht aus der jüngsten Statistik der Bundesagentur für Arbeit hervor.

Es gebe drei Gründe dafür, sagt Susanne Eikemeier von der Bundesarbeitsagentur in Nürnberg. Der erste Knackpunkt sei die Kinderbetreuung. "Der zweite Punkt ist: Wir wollen nicht, dass jemand mit Hochschulabschluss eine Helfertätigkeit ausführt. Das heißt, dass dazu erstmal der ausländische Berufsabschluss anerkannt werden muss. Das machen zuständige Stellen, beispielsweise Kammern. Sowas kann dann auch schon mal dauern. Und der dritte Punkt ist: Wie gut oder wie schlecht spricht die Person deutsch? Und Deutsch lernt man nicht mal eben in zwei Wochen, so was dauert einfach", erklärt Eikemeier.

Die Sprecherin der Arbeitsagentur weist auch darauf hin, dass die ukrainischen Flüchtlinge nicht aus wirtschaftlichen Gründen nach Deutschland gekommen seien. Deshalb gäbe es auch unterschiedliche Interessen.

Schätzung: Ein Drittel der Geflüchteten will bleiben

Ähnliche Erfahrungen macht auch der sächsische Ausländerbeauftragte Gerd Mackenroth. Für viele Geflüchtete drehe sich momentan noch alles um die Wohnungssuche, Behördengänge oder die medizinische Versorgung: "Was wir feststellen ist, dass das größte Hindernis auf dem Weg zur Arbeitsstelle die Sprache ist. Sprache ist und bleibt der Schlüssel für jede Art von Integration. Das ist existenziell. Es gibt gewisse Vorbehalte, auch deshalb, weil die Menschen nicht wissen, wann und ob sie zurückgehen, wie sich die Situation in ihrem Heimatland weiterentwickelt", sagt Mackenroth.

Der sächsische Ausländerbeauftragte schätzt, dass ein Drittel der Geflüchteten in Deutschland bleiben wollen. Allerdings würde die Zahl steigen, je länger die Menschen hierblieben. Sollten die Menschen in Deutschland Wurzeln schlagen, dann werde sich auch der Wunsch verfestigen, sich hierzulande beruflich neu zu orientieren. Man dürfe aber nicht vergessen, dass auch die Ukraine diese Arbeitskräfte für einen späteren Wiederaufbau brauche.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | Das Nachrichtenradio | 02. September 2022 | 06:00 Uhr

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