Herbstferien Reisebranche weiter im Aufwind

In Mitteldeutschland stehen die Herbstferien vor der Tür. Vor allem jetzt reisen die Deutschen gern der Sonne nach. Viele verbringen aber auch weiterhin den Urlaub im eigenen Land. Die krisengeplagte Reisebranche verzeichnet wieder einen Aufschwung. Doch welche Angebote kann sie Kurzentschlossenen noch machen?

Passagiere in einer Flugzeugkabine
Flugreisen in den Süden sind beliebt. Bei Fernzielen gibt es aber noch viele Beschränkungen. Bildrechte: imago/Frank Sorge

Corona-Krise hin oder her – die Deutschen bleiben ein Reisevolk, die Sehnsucht nach Tapetenwechsel ist groß. Für Geimpfte hat sich das Tor zur Welt weiter geöffnet. Im Vergleich zum Vorjahr ist wieder mehr möglich. "Wir sind, was die Herbstferien betrifft, sehr zufrieden. Unsere Buchungszahlen liegen bei 90% im Vergleich zum Vorkrisenniveau im Jahr 2019", freut sich Anett Herrmann vom KM Reisebüro in Dresden.

Dass die Stimmung am Markt gut ist, bestätigt auch eine Umfrage bei Deutschlands größten Reiseveranstaltern. Nach monatelangen Corona-Einschränkungen gibt es einen großen Nachholebedarf. "Im Vergleich zum Vorjahr sehen wir, dass die Kurve wieder nach oben geht", sagt Matthias Stempfle von der FTI Touristik GmbH. Bei der TUI Deutschland liegt die Nachfrage im Herbst bei den Klassikern Türkei, Mallorca und Griechenland sogar schon wieder auf Vorkrisenniveau. Auch Alltours, Aida oder Schauinsland-Reisen zeigen sich mit der aktuellen Buchungslage zufrieden. Die DER Touristik verzeichnet für ihre Veranstalter gerade eine besonders hohe Nachfrage nach Reisen in die Türkei, Griechenland sowie Spanien.

Noch Beschränkungen bei Fernreisen

Dem Deutschen Reiseverband (DRV) zufolge bleibt im Herbst die Flugpauschalreise das am häufigsten gebuchte Reiseprodukt. TUI-Kunden aus Mitteldeutschland fragen diesen Herbst neben den traditionellen Badezielen wie Mallorca und türkische Riviera insbesondere die griechischen Inseln Kreta, Kos und Rhodos nach. Stark gebucht werden nach Auskunft der Veranstalter aber auch die Kanaren als klassische Herbstdestination, Ägypten oder als Fernziele die Dominikanische Republik und die Malediven.

Allerdings sind viele Fernreisen immer noch nicht möglich. Dazu Anett Herrmann: "Das betrifft zum Beispiel auch Australien, Japan oder Indien. China ist sehr schwierig. Es besteht Einreiseverbot ohne Aufenthaltserlaubnis und zudem Quarantänepflicht vor Ort. Die Flüge sind extrem teuer und kaum verfügbar."

Eine Frau im Gespräch
Herbstferienreisen innerhalb Deutschlands sind in diesem Herbst viel teurer geworden, sagt Reiseexpertin Anett Herrmann. Bildrechte: Umschau

Urlaub in Deutschland – Nachfrage und Preise gestiegen

Der Trend, zu Zielen im eigenen und den angrenzenden Ländern zu reisen, hält an. "Bei den Autoreisezielen liegen Mecklenburg-Vorpommern, Bayern, Schleswig-Holstein, das Salzburger Land und die Oberitalienischen Seen hoch in der Gunst unserer Gäste", erzählt Stefanie Stünckel von der TUI Deutschland.

Anett Herrmann erklärt: "Die Nachfrage nach Herbstreisen innerhalb Deutschlands ist bei uns etwas stärker als in anderen Jahren. Allerdings sind die Kunden von den Preisen entsetzt. Diese sind extrem gestiegen. Einen leichten Preisanstieg haben wir bei Reisen innerhalb der EU." Bei Pauschalreisen sieht der DRV dagegen für das gesamte Jahr 2021 stabile Preise, schränkt aber ein, dass Kunden für die Ferienzeiträume weiterhin mehr als zu nachfrageschwachen Zeiten berappen müssen.

Deutsche Urlauber gönnen sich aktuell mehr

Weil viele Reiselustige im vergangenen Jahr auf Urlaub verzichten mussten, sind sie jetzt in den Herbstferien bereit, mehr Geld auszugeben. "Wir sehen Nachholeffekte. Die Bundesbürger legen bei der Buchung ihres Urlaubs, gerade auch für die Herbstferien, verstärkt Wert auf hoch- und höherwertige Produkte. Statt wie sonst üblich ein Drei-Sterne-Hotel buchen sie jetzt ein Vier- oder Fünf-Sterne-Hotel oder auch eine höhere Verpflegungskategorie", berichtet Torsten Schäfer vom DRV. Laut FTI Touristik hat sich auch die Aufenthaltsdauer verlängert. Ging die Tendenz 2018/19 noch eher in Richtung einer guten Woche Aufenthalt, seien es jetzt im Durchschnitt zehn Tage.

Wir sehen Nachholeffekte.

Torsten Schäfer, DRV

Buchungen immer kurzfristiger

Ansonsten berichten die Veranstalter unisono von einem Trend zur Spontanität. Wie bereits im Sommer wird auch jetzt wieder kurzfristig gebucht – laut DRV im Durchschnitt vier bis sechs Wochen vor Abreise oder sogar noch deutlich kurzfristiger.

Für Last-Minute-Bucher gilt: Je später gebucht wird, desto flexibler sollte man bei der Auswahl des Hotels oder Abflughafens sein. Häufig lohnt sich auch ein Preisvergleich mit alternativen Abflughäfen – zum Beispiel in den Bundesländern, die gerade keine Ferien haben.

Reiseziele für Kurzentschlossene

Viele Mittelmeeranrainer wie Griechenland, Italien und Türkei verlängern die Saison. Hotels und Ferienanlagen sind für die Gäste länger als üblich geöffnet. So kommen viele Ziele auch noch Ende Oktober und im November infrage. Für Kurzentschlossene hat Anett Herrmann vom KM Reisebüro Dresden folgende Tipps: "Wer nicht auf einen Abreisetag am Wochenende besteht, bekommt jetzt noch sehr gute Angebote für die Türkei, Mallorca sowie die griechischen Inseln mit Direktflug ab Dresden. Mit Umsteigeverbindungen ist noch mehr möglich. Ab Leipzig gibt es noch Angebote nach Ägypten, auf die Kanaren, Malta und das griechische Festland. Wer selbst anreist, findet noch einige Angebote in Österreich. Aber auch weitere Reisewünsche sind von anderen Flughäfen aus oder mit Umstieg noch machbar."

Wo muss weiter mit Einschränkungen gerechnet werden?

Auch wenn das Bedürfnis nach Freiheit groß ist – ganz ohne Einschränkung geht es beim Reisen noch nicht. Was gibt es bei der Einreise und den Bedingungen vor Ort zu beachten? Anett Herrmann gibt einen Überblick: "Wenn ein Zielgebiet geöffnet ist, gelten vor Ort kaum Einschränkungen, die über unsere hier in Deutschland hinausgehen: d.h., Maskenpflicht in öffentlichen Gebäuden, ÖPNV oder beim Einkaufen. Allerdings verlangen auch einige Länder bereits die Impfung gegen Covid als Einreisebedingung – etwa Kanada oder Island. Auch muss man eventuell beim Inselhopping in Griechenland oder in Sehenswürdigkeiten einen Impfschutz oder negativen Test vorweisen. Einige Länder verlangen aktuell noch eine Quarantäne auch für Geimpfte. Bei Rückreise aus Hochrisikogebieten wie Ägypten besteht für Ungeimpfte eine Quarantänepflicht von zehn Tagen, die mit einem negativen Test nach fünf Tagen beendet werden kann."

Quelle: MDR Umschau

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Umschau | 12. Oktober 2021 | 20:15 Uhr

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