Wirtschaftsbeziehungen Landwirtschaft und Autoindustrie am stärksten von Krieg in Ukraine betroffen

Das Porsche-Werk in Leipzig und auch das VW-Werk in Zwickau haben es gemeldet: Die Produktion steht still, die Mitarbeitenden müssen in Kurzarbeit. Grund dafür ist, dass entscheidende Teile für die Produktion fehlen: Kabelbäume, die normalerweise aus der Ukraine kommen. Doch auch andere Branchen sind betroffen. Wie steht es um die deutsch-ukrainischen Wirtschaftsbeziehungen?

Im Vergleich zu Russland ist die Ukraine ein kleiner Wirtschaftspartner für Deutschland. Der Handel entspricht weniger als einem Prozent aller deutschen Exporte. Die Wirtschaftsbeziehungen zur Ukraine seien dafür aber sehr intensiv, besonders in der Automobilbranche, erklärt Dirk Jandura, Präsident des Bundesverbandes Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen, gegenüber MDR AKTUELL. "Wenn es ein Kernprodukt gibt, das so leicht nicht ersetzbar ist, wie ein Kabelbaum, der ja zu Beginn der Produktion eingesetzt werden muss in so ein Fahrzeug, dann steht die Produktion und es führt hier schlimmstenfalls zu Kurzarbeit."

Lebensmittelpreise könnten steigen

Nicht nur die Auto-Produktion ist betroffen. Aus der Ukraine kommen auch viele Lebensmittel nach Deutschland: Honig, Getreide, Mais und Speiseöle – die Ukraine wird deshalb auch als der "Brotkorb Europas" bezeichnet. Doch die Ernte ruht. Das besorgt den Vorstandsvorsitzenden der Deutsch-Ukrainischen Handelskammer, Alexander Markus: "Wenn diese Exporte nicht mehr funktionieren, weil zum Beispiel die Männer dann eingezogen werden und nicht mehr auf den Feldern arbeiten können, dann hat das natürlich einmal eine große Auswirkung für die Ernährungssituation in der Ukraine, aber auch sicherlich Auswirkungen auf die Exporte. Wir sind im Frühling. Jetzt wird ausgesät. Die Ernte kommt dann im Spätsommer und Herbst. Und dann werden wir das auf jeden Fall spüren."

Die Lebensmittelpreise könnten also in Deutschland schon bald steigen. Für die ukrainische Wirtschaft sind die Auswirkungen des Krieges aber am größten. Dabei hatte sich die Handelsbeziehung zwischen Deutschland und der Ukraine seit der Krim-Annexion gut entwickelt, erklärt BGA-Präsident Jandura: "Der Handel mit der Ukraine hat sich in den letzten Jahren stetig erhöht. Die deutschen Ausfuhren sind gestiegen und auch die deutschen Einfuhren. Insofern ist natürlich, was sich da abspielt, für beide Seiten ein Albtraum."

Zukunft der Wirtschaftsbeziehungen hängt vom Kieg ab

Sollte Russland abziehen und wieder Frieden im Land herrschen, könnten die Wirtschaftsbeziehungen wieder aufgebaut werden. Das hofft der Präsident des Leibniz-Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung, Achim Wambach: "Mittelfristig, denke ich, wird es eine Art Marshallplan für die Ukraine geben. Und ich denke, dass dieser Konflikt eher dazu führt, dass wir der Ukraine näher werden, um insofern nach dem Krieg den Marshallplan als Pendant zu nehmen. Also einen Aufbauplan, einen Unterstützungsplan in Europa wird es sicherlich geben." Die Zukunft der deutsch-ukrainischen Wirtschaftsbeziehung hängt aber vom Ausgang des Krieges ab.

Leopard 2A4 Kampfpanzer der Polnischen Armee während einer Übung in Polen 2014. 6 min
Bildrechte: imago/StockTrek Images
Der frühere NATO-General und Generalleutnant a.D. Erhard Bühler 72 min
Bildrechte: MDR / Erhard Bühler
72 min

Wagner-Chef Prigoschin verkündet, dass Russland Soledar eingenommen hat. Die Ukraine dementiert das. Wie ist die Lage wirklich? Außerdem: Was bedeutet die Umbesetzung an der Spitze der russischen Streitkräfte?

MDR AKTUELL Fr 13.01.2023 15:45Uhr 71:52 min

Audio herunterladen [MP3 | 65,8 MB | 128 kbit/s] Audio herunterladen [MP4 | 134,1 MB | AAC | 256 kbit/s] https://www.mdr.de/nachrichten/podcast/general/audio-soledar-bachmut-gerassimow-surowikin-wagner-prigoschin100.html

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Audio
Nils Schmid am Rednerpult des Parlamentes 5 min
Bildrechte: IMAGO / Future Image
Marina Schubarth 42 min
Bildrechte: Nastasiia Malisheva
Karlsbad 15 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
15 min

Nach 1989 kauften viele wohlhabende Russen Immobilien in Karlsbad auf und gaben bei ihren Besuchen viel Geld in der Kurstadt aus. Doch seit dem Ukraine-Krieg bleiben viele russische Gäste aus.

Heute im Osten Sa 07.01.2023 18:00Uhr 14:42 min

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Video
Florian Hahn spticht im Bundestag. 6 min
Bildrechte: dpa

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 04. März 2022 | 06:00 Uhr

Mehr aus Wirtschaft

Jörn Heinrich Tobaben 26 min
Bildrechte: Europäische Metropolregion Mitteldeutschland (EMMD)
Bundeskanzler Olaf Scholz bei einer Pressekonferenz 1 min
Bundeskanzler Olaf Scholz bei einer Pressekonferenz Bildrechte: ARD

Mehr aus Deutschland

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach, RKI-Chef Lothar Wieler und Intensivmedizinier Christian Karagiannidis bei der Bundespressekonferenz in Berlin zur aktuellen Corona-Lage mit Video
Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach, RKI-Chef Lothar Wieler und Intensivmedizinier Christian Karagiannidis bei der Bundespressekonferenz in Berlin zur aktuellen Corona-Lage Bildrechte: IMAGO / Chris Emil Janßen
Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach im Interview im Moma 1 min
Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach im Interview im Moma Bildrechte: ARD/ZDF
1 min 30.01.2023 | 15:11 Uhr

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach hat sich zu Fehlern während der Pandemie geäußert. So seien Schulen und Kitas zu lange geschlossen worden, das sei auf mangelndes Wissen der Wissenschaftler zurückzuführen.

Mo 30.01.2023 14:56Uhr 01:18 min

https://www.mdr.de/nachrichten/deutschland/politik/video-lauterbach-fehler-pandemie-corona-zugeben100.html

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Video