Nachwuchs-Programm 20 künftige Landärzte beginnen im Herbst ihr Studium – Kassenärzte: Das reicht nicht

Ohne einen Abiturdurchschnitt von 1,0 lässt sich der Berufswunsch Arzt für viele junge Menschen nur schwer verwirklichen. Eine Möglichkeit bietet Sachsen-Anhalt über die sogenannte Landarztquote. Für die 20 Studienplätze im Rahmen des Modells sind die Zugangsvoraussetzungen etwas weniger exklusiv. Dafür müssen sich die Bewerber verpflichten, mindestens zehn Jahre als Landärzte zu arbeiten. Das Interesse ist groß. Nur: Reichen wird gegen den Fachkräftemangel wohl auch das nicht.

Der 74 Jahre alte Landarzt Lothar Kruse untersucht in seiner Praxis seine Patienten Sebastian Block.
Viele Allgemeinmeziner auf dem Land haben ein Nachwuchsproblem. Bildrechte: dpa

Etwas leichter einen Medizinstudienplatz erhalten und im Gegenzug Landarzt werden: Nach wie vor stößt dieses Angebot Sachsen-Anhalts an junge Menschen offenbar auf großes Interesse. Auf die 20 Studienplätze, die über die sogenannte Landarztquote vergeben werden, haben sich laut Ministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Gleichstellung 123 Bewerberinnen und Bewerber gemeldet. 2021 waren es mit 145 schriftlichen Bewerbungen etwas mehr.

Nach Abschluss des nunmehr dritten Bewerbungsdurchgangs wurden nun am Ende zwölf Frauen und acht Männer ausgewählt. Sie können ihr Medizinstudium zum Wintersemester 2022/2023 an den Universitäten Halle-Wittenberg (elf) und Magdeburg (neun) beginnen.

Fünf Prozent der Studienplätze für künftige Landärzte

Mit der 2020 eingeführten Landarztquote hatte Sachsen-Anhalt nach eigenen Angaben bundesweit eine Vorreiterrolle eingenommen. Im Rahmen des Landarztgesetzes war seinerzeit beschlossen worden, dass fünf Prozent der Studienplätze im Fachbereich der Humanmedizin für künftige Landärztinnen und -ärzte reserviert werden. Die Studenten verpflichten sich im Gegenzug, nach dem Studium mindestens zehn Jahre in Sachsen-Anhalt als Hausarzt in einer ländlichen Region zu arbeiten.

Durch dieses Modell können sich auch Bewerber den Arztberuf ergreifen, die es im regulären Verfahren etwas schwerer hätten, an einen Studienplatz zu gelangen. Denn für die 20 Studienplätze wird die Abiturnote der Interessenten etwas weniger stark gewichtet als normal. Dafür müssten sie jedoch zusätzlich einen "Studierfähigkeitstest" absolvieren und praktische Erfahrungen im medizinischen Bereich vorweisen, so das Gesundheitsministerium auf MDR-Nachfrage.

Kassenärzte: Zahl der Studienplätze zu gering

Von der Kassenärztlichen Vereinigung Sachsen-Anhalt (KVSA) kommt für dieses Modell Lob, aber auch Kritik: "Die Landarztquote ist ein guter Ansatz zur Stärkung der hausärztlichen Versorgung im ländlichen Raum, doch mit den 20 Studienplätzen entsteht kein einziger neuer Studienplatz. Die Anzahl der Studienplätze muss unbedingt steigen", wird KVSA-Vorstandsvorsitzender Jörg Böhme zitiert.

Wir brauchen im Land dringend mehr Nachwuchs für ausscheidende Haus- und Fachärzte.

Jörg Böhme KVSA-Vorstandsvorsitzender

Die 20 angehenden Mediziner, die im Herbst ihr Studium beginnen, würden nach Angaben der KVSA frühestens 2034 ihre hausärztliche Tätigkeit aufnehmen. An die mindestens sechsjährige Studienzeit schließe sich noch eine fünfjährige Weiterbildung zum Facharzt an. Unter Berücksichtigung von Prüfungszeiten und anderen üblichen "Verzögerungen" sei also frühestens nach zwölf Jahren mit "fertigen" Hausärzten zu rechnen.

Mehr als 500 Landärzte stehen kurz vor dem Ruhestand

Nach KVSA-Angaben sind im ländlichen Raum Sachsen-Anhalts aktuell rund 1.033 Hausarztstellen besetzt. Binnen zehn Jahren würden 526 Hausärzte jedoch ein Alter von mindestens 65 Jahren erreichen und könnten sich somit in den Ruhestand verabschieden. Auch diese Stellen seien dann noch zu besetzten. Schon jetzt fehlen laut KVSA aber schon rund 250 Landärzte.

Die in diesem Jahr neuerlich hohen Bewerberzahlen stimmen Gesundheitsministerin Petra Grimm-Benne (SPD) dennoch optimistisch: "Die Vielzahl der Bewerbungen zeugt weiterhin von der Absicht zahlreicher junger Menschen, nach dem Studium als Hausärztin oder Hausarzt in einem ländlichen Gebiet in Sachsen-Anhalt tätig zu sein – das freut mich sehr."

Der Ärztemangel in Sachsen-Anhalt war vor wenigen Wochen auch Thema im MDR-Podcast "Was bleibt".

Ein Sprechzimmer in einer Arztpraxis und Soldaten in Uniform, die in einer Reihe stehen. 33 min
Bildrechte: MDR/dpa/Imago

Dass es in Sachsen-Anhalt an Ärztinnen und Ärzten fehlt, hatte zuletzt eine Datenrecherche von MDR SACHSEN-ANHALT untermauert. Danach sind zwischen Arendsee und Zeitz rund 300 Arzt- und Psychotherapeutenstellen nicht besetzt. Betroffen ist vor allem der ländliche Raum, weniger die großen Städte.

MDR (Daniel Salpius, Martin Krause)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 04. Juli 2022 | 14:00 Uhr

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