Imvanex Affenpocken: Impfstoff Imvanex in Sachsen-Anhalt angekommen

Die Verteilung des Pockenimpfstoffes Imvanex hat begonnen. Sachsen-Anhalt hat zunächst nur eine geringe Menge an Impfdosen erhalten. In den kommenden Monaten ist aber eine Aufstockung geplant. Die Ständige Impfkommission (Stiko) sprach bereits Impfempfehlungen aus. Allerdings muss Imvanex erst noch von der Europäischen Arzneimittel-Agentur für eine Behandlung der Affenpocken zugelassen werden. Trotzdem wird der Impfstoff bereits verwendet.

Impfausweis mit Schriftzug Affenpocken und Impfspritze, Impfstoff gegen Affenpocken
Die Vorbereitungen für die Impfung gegen Affenpocken laufen. In den Bundesländern kamen bereits erste Lieferungen an – auch in Sachsen-Anhalt. Bildrechte: IMAGO / Christian Ohde

Sachsen-Anhalt hat mehrere Hundert Impfdosen gegen Affenpocken erhalten. Bund und Länder hatten sich laut Aussage des Sozialministeriums darauf geeinigt, die gelieferte Impfstoffmenge vom jeweiligen Infektionsgeschehen abhängig zu machen. Wegen der niedrigen Fallzahlen habe Sachsen-Anhalt zunächst nur eine geringere Menge an Impfdosen erhalten. Dabei handele sich um eine Zahl "im niedrigen dreistelligen Bereich". Im jetzigen dritten Quartal, also zwischen Juli und September, erwarte man aber größere Impfstoffmengen.


Jedes Bundesland ist selbstständig für die Verteilung des Impfstoffes verantwortlich. So erhalten etwa in Nordrhein-Westfalen zuerst die Apotheken der Universitätskliniken den Impfstoff. In Niedersachsen wird bereits in HIV-Schwerpunktpraxen geimpft. Das Sozialministerium Sachsen-Anhalt machte dazu keine genaueren Angaben. Es stehe lediglich fest, dass zunächst nur Impfungen im Rahmen der Kontaktverfolgung stattfinden würden.


Laut Robert Koch-Institut (RKI) wurden in Deutschland am Mittwoch schon mehr als 1.300 Fälle von Affenpocken registriert. Vor knapp zwei Monaten wurde das Virus erstmals in Deutschland nachgewiesen. In Sachsen-Anhalt sind bisher nur sechs Fälle bestätigt. Der erste Fall war Ende Mai bekannt geworden. Dabei handelte es sich um einen Mann aus dem Jerichower Land.

Wer sich gegen Affenpocken impfen lassen sollte

Eine Ärztin impft bei einer Impfaktion des Vereins Budokan Maintal einen Jungen mit dem BionTech-Impfstoff für Kinder gegen das Coronavirus. Bei der Aktion können Kinder von fünf bis elf Jahren sowie Erwachsene geimpft werden.
Die Ständige Impfkommission empfiehlt bereits eine Impfung mit Imvanex. Allerdings muss der Impfstoff erst noch von der Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) zugelassen werden. Bildrechte: dpa

Wie die Ständige Impfkommission (Stiko) am 21. Juni mitteilte, soll der Impfstoff Imvanex – auch als Jynneos bekannt – zunächst Kontaktpersonen von Infizierten oder Menschen mit erhöhtem Risiko zugänglich gemacht werden. Dazu zählen zum Beispiel Menschen, die an Immunerkrankungen leiden, aber auch Männer, die sexuellen Kontakt mit Männern haben und dabei häufig den Partner wechseln. Das hängt damit zusammen, dass sich in Deutschland bisher vor allem homosexuelle Männer mit den Affenpocken angesteckt haben und diese Gruppe deshalb besonders geschützt werden soll. Grundsätzlich ist das Ansteckungsrisiko für Heterosexuelle aber genauso groß. Auch Angestellte in Speziallaboratorien kämen für eine Impfung infrage. Sachsen-Anhalt richtet sich nach diesen Empfehlungen.

Der Pockenimpfstoff Imvanex des deutsch-dänischen Unternehmens Bavarian Nordic ist in Deutschland bereits seit neun Jahren zugelassen und schützt nach aktuellen Untersuchungen auch vor Affenpocken. Bei Imvanex handelt es sich im Gegensatz zu den mRNA-Impfstoffen, die in der Corona-Pandemie zum Einsatz kommen, um einen nicht vermehrungsfähigen Lebendimpfstoff, der auf einem abgeschwächten Kuhpockenvirus beruht.

Um den Impfstoff auch gegen Affenpocken einsetzen zu können, braucht es eine erweiterte Zulassung, die in Europa noch aussteht. Aktuell darf der Impfstoff nur gegen reguläre Pocken eingesetzt werden. Trotzdem empfiehlt die Stiko den Impfstoff bereits. Auf Basis von Studienergebnissen schätzt sie, dass die Impfung auch bei Affenpocken einsetzbar ist, weil es starke Ähnlichkeiten zwischen Pocken- und Affenpockenvirus gibt. Deshalb wird angenommen, dass die Antikörper, die gegen das Pockenvirus gebildet werden, auch gegen Affenpocken schützen.

Alte Pockenimpfung gegen Affenpocken

Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist die früher übliche Pockenschutzimpfung auch gegen Affenpocken wirksam und das sogar zu 85 Prozent. Heute werden Kinder nicht mehr routinemäßig gegen Pocken geimpft, weil die Krankheit seit 1980 als ausgerottet gilt. Die Mehrheit der deutschen Bevölkerung unter 50 Jahren ist also nicht gegen Pocken geimpft.

Affenpocken 7 min
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Hauptsache gesund Do 09.06.2022 21:00Uhr 07:29 min

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Um den Schutz gegen die Affenpocken zu erhöhen, reicht laut RKI bei bereits gegen Pocken geimpften Menschen eine einmalige Impfung mit Imvanex aus. Für Personen ab 18 Jahren, die keine Pockenschutzimpfung haben, empfiehlt das RKI zwei Impfdosen im Abstand von mindestens 28 Tagen. Menschen mit Immunschwäche, die bereits eine Pockenimpfung haben, sollen ebenfalls zweifach geimpft werden. Und auch Menschen, die bereits Kontakt mit einer infizierten Person hatten, können geimpft werden. Bis zu vier Tage nach dem Kontakt kann eine Impfung nach Angaben des RKIs sogar eine Infektion verhindern. Wenn die Vier-Tages-Grenze überschritten sei, sorge die Impfung zumindest für mildere Symptome.

Risikogruppen und Symptome

Ein Impfausweis der DDR mit einem Eintrag zu einer am 18. November 1970 durchgeführten Pockenschutzimpfung.
Bis Ende der 1970er-Jahre gehörte die Pockenimpfung noch zu den Pflichtimpfungen. Sie schützt auch gegen Affenpocken. Bildrechte: dpa

Aber auch ohne Impfung erholen sich die meisten Infizierten wieder vollständig. Das höchste Risiko, an den Affenpocken zu versterben, haben laut WHO vor allem kleine Kinder oder Menschen mir angegriffenem Immunsystem, etwa durch eine HIV-Infektion. Auch Schwangere hätten ein erhöhtes Risiko für schwere Verläufe. Das Affenpockenvirus verläuft meist mit eher milden Symptomen und kann Ausschlag, Fieber und Pusteln hervorrufen. Auch Kopf- und Muskelschmerzen oder geschwollene Lymphknoten können auftreten. Zu schweren oder gar tödlichen Verläufen kommt es nur selten. Das Virus wird vor allem über "engen körperlichen Kontakt" übertragen. Damit ist Sex, aber auch der Umgang im gemeinsamen Haushalt gemeint. Auch längere Aufenthalte in der Nähe eines Infizierten, zum Beispiel bei Gesprächen mit weniger als einem Meter Abstand, zählen dazu. RKI und Gesundheitsministerium empfehlen Infizierten, sich für 21 Tage in Quarantäne zu begeben. Dasselbe gelte für Kontaktpersonen.

Mehr zum Thema Affenpocken

MDR (Annekathrin Queck)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 07. Juli 2022 | 16:00 Uhr

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