27.09.2021 | Sachsen-Anhalt am Morgen CDU bei Bundestagswahl in Sachsen-Anhalt so schwach wie nie

Mandy Ganske-Zapf
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*Hier sehen sie das vorläufige Ergebnis der Bundestagswahl für ganz Deutschland. Die Zahlen wurden vom Bundeswahlleiter bekanntgegeben.


Sachsen-Anhalt am Montagmorgen: Das vorläufige Ergebnis der Bundestagswahl steht fest, die SPD ist mit 25,7 Prozent knapp vorn, 1,6 Prozentpunkte vor der abgestürzten CDU/CSU – doch wer Deutschland nach der Merkel-Ära regieren wird, ist offen. Der Blick auf Sachsen-Anhalt zeigt dabei, dass die CDU hierzulande die schlechtesten Ergebnisse bei einer Bundestagswahl seit 1990 erhalten hat. Die meisten Zweitstimmen im Land fuhr ausgerechnet die zuletzt gerade hier unheimlich schwächelnde SPD ein. Was ist da los? Das ist gleich unser Top-Thema. Ich bin Mandy Ganske-Zapf und hier ist Ihr Morgen-Update.

Neben einer Grafik mit der Aufschrift -Thema des Morgens- ist die Zeichnung einer Kaffeetasse zu sehen.
Bildrechte: MDR/Maximilian Schörm

Sachsen-Anhalt am Morgen: Das Thema des Morgens

Sachsen-Anhalt am Morgen: Das Thema des Morgens

Fokus Sachsen-Anhalt – Drei Kernpunkte zur Bundestagswahl

Wie haben die Menschen in Sachsen-Anhalt zu den Bundestagswahlen abgestimmt? Was ist bei den Christdemokraten passiert? Wo hat sich die SPD besonders durchgesetzt? Und was ist mit den Direktmandaten? Wir blicken heute morgen auf drei Kernpunkte zu dieser Wahl mit Blick auf unser Bundesland. Fakt ist dabei, dass in Deutschland neue Zeiten anbrechen: In den kommenden Tagen und Wochen wird die erste Bundesregierung der Nach-Merkel-Ära geschmiedet; mehrere Regierungskoalitionen sind denkbar.

Wir bleiben in Sachsen-Anhalt und betrachten drei Dinge zu den Ergebnissen, die hierzulande ins Auge fallen:

CDU bei Bundestagswahlen in Sachsen-Anhalt so schwach wie nie

Nie in ihrer Geschichte hat die Union in Sachsen-Anhalt ein so schlechtes Ergebnis bei einer Bundestagswahl eingefahren. Das betrifft sowohl die Zweit- als auch die Erststimmen für die Christdemokraten. Erst einmal hier der Blick auf die Zweitstimmen für die CDU: Waren es 1990 noch 38,6 Prozent, 2002 sogar 43,2 Prozent und vor vier Jahren noch 30,3 Prozent, so liegt das vorläufige Ergebnis diesmal bei gerade einmal 21,0 Prozent.

Hier sind die aufgeschlüsselten Wahlergebnisse der Union in Sachsen-Anhalt bei Bundestagswahlen seit 1990:

  • 1990: 38,6 Prozent der Zweitstimmen (39,4 Erststimmen)
  • 1994: 38,8 Prozent der Zweitstimmen (39,8 Erststimmen)
  • 1998: 27,2 Prozent der Zweitstimmen (30,2 Erststimmen)
  • 2002: 43,2 Prozent der Zweitstimmen (42,6 Erststimmen)
  • 2005: 32,7 Prozent der Zweitstimmen (27,9 Erststimmen)
  • 2009: 30,1 Prozent der Zweitstimmen (32,3 Erststimmen)
  • 2013: 41,2 Prozent der Zweistimmen (41,8 Erststimmen)
  • 2017: 30,3 Prozent der Zweitstimmen (32,4 Erststimmen)
  • 2021: 21,0 Prozent der Zweitstimmen (24,9 Erststimmen)

Wie die Erststimmen genau ausgefallen sind, also die gewonnenen Direktmandate, dürfte bei der CDU ebenfalls für Ernüchterung gesorgt haben. Darauf schauen wir als nächstes genauer:

SPD und AfD gewinnen Direktmandate, CDU muss sechs abgeben

Bei den Direktmandaten ist die CDU bei Bundestagswahlen hierzulande traditionell stark. Doch auch Traditionen bekommen manchmal eine Delle. Sechs Direktmandate haben die Christdemokraten bei dieser Bundestagwahl verloren. Von neun Wahlkreisen.

Wir blicken auf die Ergebnisse in den neun Wahlkreisen zur Bundestagswahl:

Die Wahlkreis-Sieger im Überblick, in Klammern: Gewinner von 2017
WK 66, Altmark: Herbert Wollmann, SPD (Eckhard Gnodtke, CDU)
WK 67, Börde – Jerichower Land: Franziska Kersten, SPD (Manfred Behrens, CDU)
WK 68, Harz: Heike Brehmer, CDU (Heike Brehmer)
WK 69, Magdeburg: Martin Kröber, SPD (Tino Sorge, CDU)
WK 70, Dessau – Wittenberg: Sepp Müller, CDU (Sepp Müller)
WK 71, Anhalt: Kay-Uwe Ziegler, AfD (Kees de Vries, CDU)
WK 72, Halle: Karamba Diaby, SPD (Christoph Bernstiel, CDU)
WK 73, Burgenland – Saalekreis: Dieter Stier, CDU (Dieter Stier)
WK 74, Mansfeld: Robert Farle, AfD (Torsten Schweiger, CDU)

Drei Momente sind hier besonders interessant:

  • Karamba Diaby, SPD-Direktkandidat in Halle und mittlerweile auch bundesweit ein Begriff, sitzt seit 2013 für die SPD im Bundestag. Diesmal konnte er der CDU das Mandat abnehmen. Beide Male zuvor lag er noch hinter seinem CDU-Konkurrenten. Diesmal war Diaby auch Spitzenkandidat der SPD für die Bundestagswahl. Wie sich zeigt, war das eine kluge Entscheidung seiner Partei.
  • In Magdeburg verliert Tino Sorge von der CDU sein Direktmandat an den praktisch unbekannten SPD-Mann Martin Kröber. Zur vergangenen Bundestagswahl setzte sich Sorge noch gegen Burkhard Lischka durch. Lischka war als damaliger SPD-Landesvorsitzender ein politisches Schwergewicht. Sorge wird über die Zweitstimme ziemlich sicher dennoch in den Bundestag einziehen.
  • Die beiden Direktmandate, die an die AfD gingen, stechen ebenfalls heraus. Einmal im Wahlkreis Mansfeld, an Robert Farle, zum anderen in Anhalt, an Kay-Uwe Ziegler. Vor vier Jahren waren dort noch CDU-Hochburgen.

Meine Fernsehkollegen haben am Wahlabend Reaktionen aus den Parteien hier im Video zusammengefasst:

CDU mit Haseloff in Sachsen-Anhalt stark, mit Laschet schwach?

Gab es einen Laschet-Faktor? Auf jeden Fall hat die CDU ihr starkes Ergebnis aus der Landtagswahl für Sachsen-Anhalt vom Juni dieses Jahres nicht auf die Bundestagswahl übertragen können. Die Ergebnisse waren so komfortabel, dass Reiner Haseloff als Spitzenkandidat zügig ein Dreierbündnis unter seiner Führung schmieden konnte. Haseloffs Name hat bei den Wählerinnen und Wählern mächtig Gewicht.

Die Zweitstimme für die CDU bei den Landtags- und Bundestagswahlen 2021 im Vergleich:

  • Zweitstimme zur Landtagswahl Sachsen-Anhalt vom 6. Juni 2021: CDU mit 37,1 Prozent
  • Zweitstimme zur Bundestagswahl aus Sachsen-Anhalt: CDU mit 21 Prozent

Zwischen Landtags- und Bundestagswahl liegen dreieinhalb Monate und zwischen den Ergebnissen scheinen sich Welten gedrängt zu haben.

Es wachsen Zweifel, ob Armin Laschet mit Blick auf die hiesige Wählerschaft der richtige Kandidat war. In Sachsen-Anhalt, daraus machten viele in der Landes-CDU zur Kür des Kanzlerkandidaten keinen großen Hehl, lagen die Präferenzen ursprünglich bei einem anderen als Armin Laschet, nämlich beim bayrischen CSU-Ministerpräsidenten Markus Söder.

Die Bedenken sieht CDU-Ministerpräsident Reiner Haseloff mit dem Wahlergebnis bestätigt, wie er am Sonntagabend dem MDR sagte:

Reiner Haseloff 3 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

MDR extra So 26.09.2021 21:45Uhr 03:15 min

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Video

Ob Markus Söder als Kandidat tatsächlich einen Unterschied gemacht hätte, bleibt dabei unbeantwortet. Hätte, wenn und aber, man kann an dieser Stelle nur spekulieren.


SPD überrascht mit hoher Zweitstimmenzahl in Sachsen-Anhalt

Womit wohl keiner in dieser Deutlichkeit gerechnet hätte, ist das gute Abschneiden der SPD in Sachsen-Anhalt. Bei den Zweitstimmen zur Bundestagswahl erhielten die Sozialdemokraten hierzulande 25,4 Prozent (die CDU 21,0 Prozent). Der Zuwachs, den die SPD bei dieser Bundestagswahl verzeichnet, kommt also zum Teil auch aus Sachsen-Anhalt.

Auch wenn das kaum gesagt wird, scheint SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz mit dem Job als Vize-Kanzler neben Angela Merkel im Bund wohl auch einen gewissen Amtsbonus mit in die Wahl gebracht zu haben. Waren es jetzt im Bund für die SPD 25,4 Prozent, so waren es noch zur Landtagswahl am 6. Juni gerade mal 8,4 Prozent. Die Sozialdemokraten profitierten am Sonntag ganz offenbar auch vom Bundestrend, in dem die SPD seit Monaten Auftrieb hatte.

SPD holt erstmals seit 2005 wieder Direktmandate

Die SPD holte ja vier Direktmandate und bemerkenswert dabei ist, dass dies erstmals seit 2005 bei einer Bundestagswahl in Sachsen-Anhalt wieder gelungen ist. Also vor 16 Jahren – um Ihnen das Kopfrechnen am frühen Morgen schnell abzunehmen. Damals hatte die SPD alle zehn Wahlkreise für sich entschieden.

Die Bundestagswahl und was sie für Sachsen-Anhalt bedeutet war das Top-Thema heute morgen und wird uns auch den Tag über beschäftigen. Die Woche über sowieso, weil nun die Regierungsbildung losgeht.

Unsere Grafik des Morgens zeigt Ihnen einen Koalitionsrechner für mögliche Regierungsbündnisse, also alles, was rechnerisch möglich ist. Außerdem gibt es die Ergebnisse der Bürgermeisterwahlen im Land auf einen Blick. Was sonst noch los ist: von automatischen Shuttle-Bussen im Land und Unterwasser-Untersuchungen am Arendsee.


Neben einer Grafik mit der Aufschrift -#MDRklärt, Schlauer in einer Minute- ist die Zeichnung eines Luftstoßes zu sehen, der aus einem gezeichneten Kopf ausstößt.
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Sachsen-Anhalt am Morgen: #MDRklärt - Schlauer in einer Minute

Sachsen-Anhalt am Morgen: #MDRklärt - Schlauer in einer Minute

#MDRklärt: Koalitionsrechner – welche Regierung theoretisch möglich ist

Nach dem Wahlsonntag ist die große Frage, welche Koalition möglich sein wird. Die SPD ist Wahlsieger mit 25,7 Prozent. Es folgen: CDU/CSU mit 24,1 Prozent; Grüne mit 14,8 Prozent; FDP mit 11,5 Prozent; die AfD mit 10,3 Prozent; Linke mit 4,9 Prozent.

Das Ergebnis heißt nicht, dass ein SPD-Kanzler Olaf Scholz sicher ist. Sowohl Scholz als auch Laschet haben Anspruch auf die Regierung erhoben. Die Wahlrunden am späten Sonntagabend zeigten: Die Rede ist von einem Rot-Grün-Gelben Bündnis als auch von einem Schwarz-Grün-Gelben Bündnis als mögliche neue Regierung. Viel hängt also von FDP und Grünen ab. Verhelfen sie Scholz oder Laschet zum Kanzler? Kein Thema bei den Spitzenpolitikern ist derzeit eine Neuauflage der GroKo aus SPD und CDU – die aber theoretisch möglich wäre.

Unser Koalitionsrechner zeigt Ihnen, was rein rechnerisch drin ist. Das Anklicken der verschiedenen Parteien zeigt, ob sie gemeinsam eine Mehrheit im Bundestag hätten:


Die Bürgermeisterwahlen im Überblick

In Sachsen-Anhalt wurden auch neue Bürgermeister am Sonntag gewählt. Die Ergebnisse kurz & knapp im Überblick:


Neben einer Grafik mit der Aufschrift -Tipp am Morgen- ist die Zeichnung eines Fingers zu sehen, der auf ein Smartphone zeigt.
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Sachsen-Anhalt am Morgen: Tipp am Morgen

Sachsen-Anhalt am Morgen: Tipp am Morgen

Tipp: Was die Parteien im Land jetzt zu tun haben

Eine Bundestagswahl hat immer auch Bedeutung für die politische Auseinandersetzung in einzelnen Bundesländern. MDR SACHSEN-ANHALT-Politikreporter Thomas Vorreyer sieht CDU, SPD und AfD im Land nach dieser Wahl gleichermaßen vor großen Herausforderungen.

  • Die SPD, weil sie ihre (teils) unbekannten Direktkandidaten bekannt machen muss.
  • Die AfD, weil sie härter um Aufmerksamkeit wird ringen müssen.
  • Die CDU, weil sie als Anführerin der Landesregierung nun ganz genau zu beobachten hat, welche Koalition künftig im Bund regiert.

Neben einer Grafik mit der Aufschrift -Die Medienschau- ist die Zeichnung einer Tageszeitung zu sehen.
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Sachsen-Anhalt am Morgen: Die Medienschau

Sachsen-Anhalt am Morgen: Die Medienschau

Medienschau: Was andere schreiben

  • "SPD holt sich Magdeburg zurück" – die Volksstimme in Magdeburg schaut sich den Wahlkreis Magdeburg/Schönebeck genauer an. Sie sieht den Bundestrend als verantwortlich dafür, dass hier nach zwölf Jahren wieder ein SPD-Mann das Direktmandat holte.
  • "Wahlbeteiligung minimal gesunken" – die Mitteldeutsche Zeitung geht auf die Beteiligung der Wähler und Wählerinnen hierzulande ein. Die Wahlbeteiligung lag bei 67,9 und damit minimal unter der Beteiligung von 2017 (damals 68,1). Auch wir berichten zum Thema.



Neben einer Grafik mit der Aufschrift -Was außerdem wichtig wird- ist die Zeichnung einer Person zu sehen, die durch ein Fernglas sieht.
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Sachsen-Anhalt am Morgen: Was heute außerdem wichtig wird

Sachsen-Anhalt am Morgen: Was heute außerdem wichtig wird

Was heute außerdem wichtig wird

Die Bundestagswahl und was die Ergebnisse für Deutschland und für Sachsen-Anhalt bedeuten, wird heute den Tag bestimmen – aber nicht nur:

  • 🚌 In einem Fach-Symposium sollen heute die ersten Ergebnisse des automatisiert fahrenden Shuttle-Busses aus Sachsen-Anhalt präsentiert werden.

  • ⚓ Heute starten Unterwasser-Untersuchungen an einem mittelalterlichen Prahmboot im Arendsee, das im Jahr 2022 geborgen werden soll.

  • ⚖ Gericht I: Heute wird der Prozess gegen vier Angeklagte wegen bandenmäßigen Drogenhandels und Verstoßes gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz fortgesetzt.

  • ⚖ Gericht II: Heute entscheidet das Bundesverwaltungsgericht, ob ein Kreisumlagebescheid für das Jahr 2017 rechtskräftig ist. Kläger sind Barleben und Hecklingen gegen die Kreise Salzland und Börde.
  • 📌 Sie wollen wissen, wie genau in Ihrer Gemeinde gestern zur Bundestagswahl abgestimmt wurde? Mein Daten-Kollege Manuel Mohr arbeitet das heute genau auf. Schauen Sie im Laufe des Tages hier vorbei.


Soweit der Überblick am Montagmorgen nach der Bundestagswahl. Die nächsten Tage werden sicher ein Wechselbad, weil sich zeigen muss, wer mit wem am Ende wirklich kann – und ob der Vorsprung der SPD überhaupt reicht, um ein standfestes Bündnis zu schmieden. Ihnen einen guten Tag, auf Wiederlesen!

PS: Sie erinnern sich? 2005 lagen SPD und CDU ebenso extrem dicht beieinander. Anders als heute, waren damals die Sozialdemokraten leicht im Nachteil, blieben aber sehr selbstbewusst (ging schief). Eine Szene aus der Elefantenrunde vom damaligen Wahlabend ist bis heute sehenswert: "Sie glauben doch nicht im Ernst..."

Über Themen aus "Sachsen-Anhalt am Morgen" berichtet MDR SACHSEN-ANHALT... ...im Hörfunk | MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | ab 05:00 Uhr
...im Fernsehen | MDR um 11 | 11:00 Uhr
...im Fernsehen | MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 19:00 Uhr

Quelle: MDR SACHSEN-ANHALT

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