Corona-Lage | 15. Januar 2022 Trotz fünfter Welle: Laut Drosten naht das Ende der Pandemie

Deutschland steckt in der fünften Corona-Welle. In Sachsen-Anhalt steigen die Inzidenzen, Omikron ist auf dem Vormarsch. Bei den Boosterimpfungen, die besonders gut gegen Omikron schützen sollen, ist Sachsen-Anhalt derzeit vorletzter. Trotzdem ist der Virologe Christian Drosten zuversichtlich, dass ein Ende der Pandemie in Sicht sei.

Prof. Christian Drosten, Prof. Lothar H. Wieler und Prof. Karl Lauterbach, SPD, während Bundespressekonferenz.
Trotz der fünften Welle sprache Christian Drosten davon, dass ein Ende der Pandemie in Sicht sei. Bildrechte: imago images/Jens Schicke

Fünfte Corona-Welle hat begonnen

Deutschland befindet sich am Anfang der fünften Corona-Welle. Grund hierfür ist die Omikronvariante, die seit Beginn des Jahres dominant ist. Sie ist für die Mehrzahl der neuen Infektionen in Deutschland verantwortlich. Ihr Anteil lag in der vergangenen Woche deutschlandweit bei 73 Prozent und sorgt für besonders hohe Infektionszahlen.

Wieso die Inzidenzen in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen trotz Omikron derzeit niedriger sind als im Bundesdurchschnitt, erklärt Manuel Mohr in diesem Artikel:

Drosten: "Ende der Pandemie in Sicht"

Trotz voller Krankenhäuser, vieler Toter, erschöpfter Pflegekräfte und der Omikron-Welle erklärte der Virologe Christian Drosten, der sogenannte endemische Zustand werde voraussichtlich bis Ende des Jahres erreicht. Den Punkt also, ab dem das Virus dauerhaft zirkuliert, regelmäßig auftritt, wir aber gelernt haben, damit zu leben, ähnlich wie bei der Grippe.

Nichtsdestotrotz sei die Lage aber noch komplex, er könne nur Doppelbotschaften senden. Denn auch wenn ein Ende der Pandemie in Sicht ist, sei es bis dorthin noch ein langer Weg. Er warnte davor, dass die Impflücken ein nahes Ende der Pandemie ausbremsen würden. Zudem hätten Studien gezeigt, dass für einen vollständigen Omikronschutz die dritte Impfung notwendig sei.

Inzidenz in Sachsen-Anhalt steigt leicht an

Die Corona-Inzidenz in Sachsen-Anhalt ist leicht angestiegen. Am Samstag gab das Robert Koch-Institut (RKI) die Zahl der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnerinnen und Einwohner binnen einer Woche mit 267,5 an. In der Vorwoche lag der Wert bei 261.

Geringer ist die Inzidenz aktuell nur in Thüringen (218,5) und Sachsen (228,7). Bundesweit an der Spitze liegt derzeit Bremen mit einer Wocheninzidenz von 1.387,4.

Die höchste 7-Tage-Inzidenz in Sachsen-Anhalt gab das RKI am Samstag für die Stadt Magdeburg (356,5) an, den geringsten Wert hatte der Landkreis Mansfeld-Südharz (180,3).

Von Freitag auf Samstag meldeten die Gesundheitsämter im Land dem RKI 974 neue Infektionen mit dem Coronavirus. Zudem wurden weitere acht Todesfälle im Zusammenhang mit einer Covid-19- Erkrankung festgestellt. Seit Beginn der Pandemie im März 2020 haben sich in Sachsen-Anhalt damit 238.067 Menschen infiziert, 4.468 davon starben.

Impfgeschwindigkeit in Deutschland verlangsamt sich

Die Impfungen gegen das Coronavirus kommen in Deutschland etwas langsamer voran. Am Freitag wurden 653.000 Impfdosen verabreicht, rund 96.000 weniger als am vorigen Freitag. Das zeigen Daten des RKI. Im Schnitt werden derzeit circa 600.000 Impfungen pro Tag in Deutschland geimpft. Das entspricht circa sieben Personen pro Sekunde.

Damit sind dem RKI zufolge mindestens 60,4 Millionen Menschen oder 72,6 Prozent der Gesamtbevölkerung zweifach geimpft oder haben die Einmalimpfung von Johnson & Johnson erhalten. Die Bundesregierung strebt 80 Prozent bis Ende Januar an. 38,7 Millionen oder 46,6 Prozent haben bereits eine Auffrischungsimpfung erhalten. Diese ist wichtig für einen wirksamen Schutz vor der ansteckenderen Virusvariante Omikron.

Sachsen-Anhalt vorletzter bei Boosterimpfungen

Den höchsten Anteil von Auffrischungsimpfungen haben das Saarland mit 55,5 Prozent sowie Bremen, Schleswig-Holstein und Niedersachsen mit 51,4 bis 51,1 Prozent. Den niedrigsten Booster-Anteil haben Sachsen mit 37,1 Prozent und Thüringen, Brandenburg und Sachsen-Anhalt mit 41,0 bis 40,3 Prozent. Sachsen-Anhalt liegt mit 40,3 Prozent auf dem vorletzten Platz.

Nicht geimpft sind derzeit mit 25 Prozent der Bevölkerung noch über 20 Millionen Menschen. Dazu gehören auch vier Millionen Kleinkinder bis vier Jahre, für die noch kein Impfstoff zugelassen ist.

Zahl gefälschter Impfnachweise steigt

Während die Anzahl der Impfungen bundesweit steigt, mehren sich auch die Hinweise auf gefälschte Impfnachweise. Dies teilte das Landeskriminalamt (LKA) mit. Mit einer Entspannung der Lage rechnet die Behörde nicht allzu schnell. Aufgrund der neuen, strengeren Corona-Bestimmungen mit Einschränkungen vor allem für nicht geimpfte Menschen, könne ein erhöhtes Auftreten gefälschter Impfnachweise nicht ausgeschlossen werden. Laut LKA fallen diese insbesondere beim Ausstellen von Impfzertifikaten in Apotheken auf.

Der Bund verschärfte die Regeln für gefälschte Impfpässe Ende November mit der Änderung des Infektionsschutzgesetzes – auch, weil die Gesetzeslage zuvor Lücken ließ. Diese wurden geschlossen, das Fälschen von Impfnachweisen kann nun mit Freiheitsstrafen von bis zu zwei Jahren oder mit Geldstrafen geahndet werden

Kritik an unklaren Impfregeln für Jugendliche

Bremsend bei den Impfungen wirken offenbar auch unklare Impfregeln bei Jugendlichen. Jugendliche, die sich ohne ihre Eltern impfen lassen wollen, werden in Impfzentren offenbar abgewiesen. An diesem Vorgehen gibt es Kritik. Schließlich müsse es oberstes Ziel sein, die Impfquote im Land zu steigern, sagt die Grüne-Landtagsabgeordnete Susan Sziborra-Seidlitz im Gespräch mit MDR SACHSEN-ANHALT. Impfwillige junge Menschen müssten unterstützt werden. Sziborra-Seidlitz fordert einheitliche Regeln für das Land. Das Gesundheitsministerium in Magdeburg schweigt dazu bislang.

Mehr Informationen zum Thema gibt es in diesem Artikel:

Juristisch gesehen lautet die Regelung laut Anwalt Matthias Klein, sobald jemand "einwilligungsfähig" ist, kann er sich auch impfen lassen. Experten gehen davon aus, dass normal entwickelte Jugendliche ab dem 14. Lebensjahr "einwilligungsfähig" sind.

Polizei Magdeburg prüft Fehlverhalten von Beamten auf Corona-Demo

Kritik gibt es auch am Verhalten der Polizei bei den Corona-Demonstrationen. Nach dem Protest am Montag in Landeshauptstadt prüft die Polizei Magdeburg derzeit ein mögliches Fehlverhalten eines Beamten. Das bestätigte ein Polizeisprecher MDR SACHSEN-ANHALT. In den sozialen Netzwerken hatte in den vergangenen Tagen ein kurzer Videoausschnitt für heftige Proteste gesorgt: Darin ist ein Polizist zu sehen, der eine entgegenkommende Person zu Boden stößt.

Am Montag waren fast 2.000 Menschen in Magdeburg auf die Straße gegangen, um gegen die Corona-Regeln der Regierung zu protestieren. Bei Zusammenstößen mit der Polizei waren mehrere Beamte verletzt worden.

REUTERS, dpa, MDR (Leonard Schubert)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT | 15. Januar 2022 | 07:00 Uhr

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