Infektionen Schulen als Corona-Herde – Gegenmaßnahmen gefordert

Unter Kindern und Jugendlichen gibt es aktuell sehr viele Corona-Infektionen. Eltern, Politiker, Wohlfahrt und Gewerkschaft fordern ein Gegensteuern und einen besseren Schutz für Schülerinnen und Schüler. Das Aussetzen der Präsenzpflicht ist nur einer der Vorschläge.

Covid-19 Schnelltest mit Ergebnis Positiv, Infektion von Coronavirus bei Kindern in der Schule oder im Kindergarten, Kinder Schulmäppchen mit bunten Stiften
Unter Kindern und Jugendlichen gibt es derzeit besonders viele Corona-Infektionen. Bildrechte: imago images/Bihlmayerfotografie

Der Anstieg der Corona-Infektionszahlen in Sachsen-Anhalt setzt sich fort. Laut Robert-Koch-Institut stieg die 7-Tage-Inzidenz zum Dienstag auf knapp 592 – in der Woche zuvor hatte es noch einen Wert von 353 gegeben.

Besonders hohe Inzidenzen bei Schülern

Nach Zahlen des Landesamts für Verbraucherschutz von Sachsen-Anhalt gibt es unter Kindern und Jugendlichen besonders hohe Infektionszahlen. Das liegt auch daran, dass es für Kinder bis elf Jahre noch keinen offiziell zugelassenen Impfstoff gibt. In der Altersgruppe der Zwölf- bis 17-Jährigen gibt es hingegen einen deutlichen Unterschied zwischen geimpften und nicht immunisierten Kindern. Sie werden aktuell im Schulbetrieb mindestens drei Mal wöchentlich getestet. So lag die Inzidenz unter den ungeimpften Kindern zuletzt über 30 Mal höher. Zum Schutz der Schülerinnen und Schüler werden nun von verschiedenen Seiten Gegenmaßnahmen gefordert.

Im Nachbarland Brandenburg etwa soll die Präsenzpflicht aufgehoben werden. Das kündigte Bildungsministerin Britta Ernst (SPD) am Dienstag im RBB an, ohne Einzelheiten zu nennen.

Zahl der infizierten Schüler und Lehrer Laut Bildungsministerium gab es zum Stichtag am 18. November in Sachsen-Anhalt knapp 3.700 infizierte Schülerinnen und Schüler an 710 Schulen. In der Woche zuvor waren es noch rund 1.640 aktuell infizierte Kinder an 687 Einrichtungen. Parallel erhöhte sich binnen einer Woche die Zahl der derzeit infizierten Lehrerinnen und Lehrer von 168 auf 295.

Elternrat für Wechselunterricht

Der Elternrat Sachsen-Anhalts erklärte, die Durchseuchung der überwiegend ungeimpften Kinder und Jugendlichen müsse gestoppt werden. Der Elternratsvorsitzende Matthias Rose sagte, die Präsenzpficht in den Schulen müsse ausgesetzt werden. Stattdessen forderte er für alle Klassen mit vielen ungeimpften Kindern, wieder auf einen Wechsel zwischen Präsenzunterricht und Homeschooling zu setzen. Rose betonte, es müsse sofort gehandelt werden, um einen totalen Lockdown der Schulen zu verhindern. "Eltern müssen die Wahl haben, ob sie ihre Kinder dieser Gesundheitsgefahr aussetzen", so Annette Kirstein, Beisitzerin im Vorstand des Landeselternrats.

GEW: Lehrer mehr schützen, Klassenfahrten absagen

Die Lehrergewerkschaft GEW forderte neben einem besseren Schutz für die Schülerinnen und Schüler auch, dass Gegenmaßnahmen für das pädagogische Personal ergriffen werden. Die Quarantänepflicht für Schüler und Lehrer müsse weitreichender gestaltet werden, hieß es. Eine Forderungsliste an das Bildungsministerium enthält ferner, Unterricht mit weniger Kontakten stattfinden zu lassen – beispielsweise in kleineren Gruppen mit eingeschränktem Regelbetrieb. Dienstberatungen sollten grundsätzlich online stattfinden, Klassenfahrten und Wandertage abgesagt werden.

AWO für Lerngruppen, Grüne für Maskenpflicht

Ähnliches hatte am Freitag bereits der Landesverband der Arbeiterwohlfahrt (AWO) gefordert. Komplette Schulschließungen müssten verhindert werden, hieß es. Reduzierte Kontakte und feste Lerngruppen in Schulen könnten bereits helfen. Auch dürfe es keine Ausnahmen bei den regelmäßigen Schnelltests an den Schulen geben, die alle Personen des Schulbetriebs miteinbeziehen. Die AWO sprach sich auch dafür aus, aktuell keinen unangemessenen Notendruck auf die Schüler auszuüben.

Schwerpunkt der gemeinsamen Anstrengungen muss es sein, diese belastende Zeit gesundheitlich und psychisch ohne größere Schäden zu überstehen.

Arbeiterwohlfahrt, Landesverband Sachsen-Anhalt

Grünen-Fraktionschefin Cornelia Lüddemann sprach sich dafür aus, die Präsenzpflicht an den Schulen aufzuheben und wieder Wechselunterricht zu ermöglichen. "Es muss unmittelbar die Maskenpflicht im Unterricht wieder eingeführt werden", so die Politikerin.

Quelle: dpa/epd/MDR (André Plaul)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT | 23. November 2021 | 08:00 Uhr

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