Ab 11. Oktober Corona-Tests werden kostenpflichtig: Was in Sachsen-Anhalt ab Montag zu beachten ist

Die bisher kostenlosen Corona-Schnelltests müssen ab Montag von vielen Menschen wieder bezahlt werden. Hintergrund ist, dass die bisherige Kostenübernahme durch die Bundesregierung ausläuft. Doch was bedeutet das konkret? Gibt es Ausnahmen? Und was sagen Experten aus Sachsen-Anhalt zu dem Thema?

MEnschen stehen vor einem Corona Testzentrum an.
Die Zeiten kostenloser Corona-Tests sind bald vorbei – zumindest für die meisten Menschen. (Archivbild) Bildrechte: IMAGO / Ralph Peters

Wie war die Situation mit den Corona-Schnelltests bisher?

Bis zuletzt hatte jeder Bürger oder jede Bürgerin Anspruch auf mindestens einen kostenlosen Corona-Schnelltest pro Woche. Finanziert wird das Ganze vom Bund. Diese sogenannten Bürgertests spielten im Frühjahr eine entscheidende Rolle bei der Bekämpfung der dritten Welle der Pandemie, als es noch nicht genügend Impfstoff für alle Impfwilligen gab. Inzwischen hat sich die Situation geändert, da grundsätzlich jeder die Möglichkeit hat, sich gegen das Coronavirus immunisieren zu lassen – so begründet die Politik die Entscheidung.

Was gilt ab Montag, 11. Oktober?

Corona-Schnelltests für Bürger werden grundsätzlich kostenpflichtig. Eine Ausnahme bilden laut Internetseite der Bundesregierung Menschen, die nicht geimpft werden können und für die es keine allgemeine Impfempfehlung gibt, die sogenannten "vulnerablen Personen". Dazu zählen zum Beispiel Schwangere sowie Kinder unter zwölf Jahren. Für Kinder von zwölf bis 17 Jahren müssen die Eltern die Tests in Zukunft zahlen, allerdings voraussichtlich erst ab Januar 2022. Das geht aus der jüngsten Corona-Testverordnung des Bundesgesundheitsministeriums.

Schnell- und PCR-Tests bei Ärztinnen und Ärzten für Menschen mit Corona-Symptomen übernehmen weiterhin die Krankenkassen. Ob ein Test vorgenommen wird, ist eine ärztliche Entscheidung.

#MDRklärt Diese Gruppen müssen auch künftig für einen Coronatest nichts bezahlen

Diese Gruppen müssen auch künftig für einen Coronatest nichts bezahlen
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Diese Gruppen müssen auch künftig für einen Coronatest nichts bezahlen
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Kinder unter zwölf Jahren und Zwölfjährige, die innerhalb der letzten drei Monate das zwölfte Lebensjahr vollendet haben.
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Schwangere, Stillende und Jugendliche bis 18 Jahre können sich noch bis zum 31. Dezember kostenlos testen lassen.
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Personen, die aufgrund medizinischer Umstände nicht geimpft werden können, bekommen weiterhin kostenlose Tests. Darunter fallen auch Schwangere im ersten Schwangerschaftsdrittel.
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Jeder, der an klinischen Studien zur Wirksamkeit von Impfstoffen gegen das Coronavirus teilnimmt, muss für Tests weiterhin nichts bezahlen.
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Personen, die sich in Quarantäne befinden und mit einem Test diese beenden können, müssen ebenfalls nicht für den Test bezahlen.
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Wie hat sich die Nachfrage für die Tests entwickelt?

Die Nachfrage für Bürgertests ist in den vergangenen Monaten stark zurückgegangen. Hintergrund ist die steigende Impfquote: Wer doppelt geimpft ist, darf auch ohne Negativtest zum Beispiel zum Konzert oder ins Restaurant. Der Landesapothekerverband in Sachsen-Anhalt schätzt, dass die Zahl der Schnelltests in den teilnehmenden Apotheken von Mai bis August um 80 bis 90 Prozent gesunken ist. Für viele Apotheker sei der personelle, technische und bürokratische Aufwand bereits zu hoch geworden, um bei dieser Entwicklung der Nachfrage die Tests weiterhin anzubieten.

Bei den Schnelltestzentren sieht es ähnlich aus: Apotheker Martin Roschig etwa zählt in seinem Testzentrum in Halle inzwischen rund 60 Prozent Kunden weniger pro Tag als im Mai. Hier sei der Großteil der Mitbewerber schon nicht mehr aktiv.

Wie viel werden die Bürgertests nun kosten?

Das ist noch unklar. Aktuell erstattet der Bund 11,50 Euro für Schnelltests. Allerdings: Umso weniger Menschen sich testen lassen, desto teurer wird ein Test für den Betreiber. Denn während die Einnahmen sinken, bleiben die Ausgaben für Personal und Räumlichkeiten gleich. Aber es gab im Vorfeld Ankündigungen, wo der Preis in etwa liegen könnte. David Rompe vom Corona Schnelltest-Zentrum Magdeburg und der hallesche Testzentrum-Betreiber Martin Roschig rechnen mit einem Preis von ungefähr 20 Euro.

Roschig fordert aber klare Regeln. Solange es Kultureinrichtungen und Gastronomen selbst überlassen bliebe, ob sie die 2G- oder 3G-Regel anwenden, gebe es eine lokale und regionale Kleinteiligkeit, die die Nachfrage nach Tests begünstigt – oder eben nicht.

Was bedeutet 2G?

Nur Genesene oder Geimpfte – dafür stehen die zwei G – erhalten nach dem Konzept Zutritt zu Räumen und/oder Veranstaltungen. Die Landesverordnung Sachsen-Anhalts sieht vor, dass Impf- oder Genesenennachweis auf Verlangen vorgezeigt werden müssen. Negativ Getestete sind nach der 2G-Regel ausgeschlossen – anders als bei der 3G-Regelung. Dafür entfallen bei 2G Abstandsregeln, Maskenpflicht und Personenbegrenzungen.

Was bedeutet die Neuerung für die Tests an Schulen in Sachsen-Anhalt?

Die geplanten Änderungen bei den Bürgertests betreffen die obligatorischen Tests an den Schulen in Sachsen-Anhalt nicht. Dem Gesundheitsministerium Sachsen-Anhalt zufolge werden Laien-Selbsttests an die Schulen weiterhin kostenlos ausgegeben.

Hintergrund: Seit 20. September müssen sich Schülerschaft und Personal testen lassen, die Schülerinnen und Schüler zweimal wöchentlich vor Unterrichtsbeginn. Ihren negativen Test müssen sie unmittelbar nach dem Betreten des Geländes vorlegen. Akzeptiert werden Bescheinigungen über das negative Ergebnis einer Testung durch eine Labordiagnostik mittels PCR-Test oder PoC-Antigen-Schnelltests zum Beispiel eines Testzentrums, einer Apotheke oder einer niedergelassenen Arztpraxis. Alternativ sind überwachte Schnelltests möglich.

Erhalten Studierende in Sachsen-Anhalt künftig kostenlose Tests?

Ob kostenlose Schnelltests zur Verfügung gestellt werden, entscheidet jede Hochschule selbst. Vorlesungsbeginn im neuen Semester ist ebenfalls an diesem Montag. An der Universität Magdeburg bleibt das Test-Zentrum mit kostenlosem Testangebot für symptomlose Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bestehen. Das hat die Universität auf ihren Internetseiten angekündigt. Auch Studierende, heißt es, die an Präsenzveranstaltungen teilnehmen, könnten es nutzen. Auch die Hochschule Magdeburg-Stendal hat zum Beispiel bereits entschieden, dass sie ihren Studierenden im kommenden Semester kostenlose Tests anbietet.

Was halten Experten in Sachsen-Anhalt von den Änderungen?

Es wäre unethisch, diese Last weiter zu verteilen.

Sandra Sambleben, Ärztekammer Sachsen-Anhalt

Die Ärztekammer Sachsen-Anhalt kann die Pläne der Bundesregierung zum Wegfall der kostenlosen Schnelltests nachvollziehen. Auf Anfrage von MDR SACHSEN-ANHALT teilte sie mit: "Solange es keine Impfmöglichkeit gab, waren die sinnvoll und nötig. Jedem Bürger konnte nun ein Impfangebot unterbreitet werden. Zugleich musste die Allgemeinheit bislang fast vier Milliarden Euro Kosten für die sogenannten Bürgertests tragen. Daher wäre es unethisch, diese Last weiter zu verteilen."

Der Rückgang der Testungen entlastet die Apotheken.

Katrin Pohl, Landesapothekerkammer Sachsen-Anhalt

Die Apothekerkammer Sachsen-Anhalt hält die politische Reaktion auf die gestiegene Impfquote ebenfalls für nachvollziehbar. Sie sieht für ihre Branche einen Vorteil darin, dass es künftig wohl noch weniger Tests geben wird, teilt Sprecherin Katrin Pohl MDR SACHSEN-ANHALT mit: "Für die Apotheken war es eine zeitlich befristete, zusätzlich übernommene Aufgabe, die mit hohem Kraftaufwand bewältigt wurde. Der Rückgang der Testungen entlastet die Personalsituation in den Apotheken."

Wir sehen es eher als eine Weiterentwicklung zu einer – wenn auch eingeschränkten – Normalität an.

Bernd Franke, Kassenärztliche Vereinigung Sachsen-Anhalt

Auch die Kassenärztliche Vereinigung Sachsen-Anhalt (KVSA) sehen die neue Verordnung positiv: "Wir sehen es eher als eine Weiterentwicklung auf dem Weg zu einer – wenn auch eingeschränkten – Normalität an, dass die Bedeutung der Bürgertestungen sinkt und damit die Finanzierung wegfällt, da die Möglichkeiten der Impfung gegen Covid-19 bestehen", erklärt Sprecher Bernd Franke. Ausnahmen für Personen, die keine Impfung gegen Covid-19 aus medizinischen Gründen bekommen können, hält die KVSA für angemessen, "wenn es auch in der tatsächlichen Umsetzung sicherlich zu hohem Aufwand und natürlich auch Verwerfungen in Einzelfällen kommen könnte", so Franke.

Es besteht das Risiko, dass das Testaufkommen trotz bestehender Ansteckungswahrscheinlichkeit sinkt und hierdurch falsch negative Inzidenzwerte ermittelt werden.

Gelfo Kröger, Städtisches Klinikum Dessau

Am Städtischen Klinikum Dessau hingegen sieht man in der Änderung auch eine Gefahr. Sprecher Gelfo Kröger erklärt: "Die Idee, die Impf-Motivation der Patienten zu steigern, ist nachvollziehbar und aus medizinischer Sicht sinnvoll. Es besteht jedoch das Risiko, dass das Testaufkommen trotz bestehender Symptomatik oder bestehender Ansteckungswahrscheinlichkeit sinkt und hierdurch falsch negative Inzidenzwerte ermittelt werden."

Es sieht in jedem Fall aus wie eine Impfpflicht durch die Hintertür.

David Rompe, Schnelltestzentr

David Rompe vom Corona Schnelltest-Zentrum Magdeburg betrachtet den Wegfall kritisch: "Die Tests stellen eine wesentliche Säule bei der Bekämpfung der Pandemie dar." Zwar sei es nicht seine Aufgabe, politisch zu bewerten, ob die Einführung der Tests einer indirekten Impfpflicht gleichkomme. Jedoch: "Es sieht in jedem Fall aus wie eine Impfpflicht durch die Hintertür."

Schnelltestzentrum-Betreiber Martin Roschig aus Halle ist nicht sicher, ob sich der Aufwand nach der Änderung künftig noch finanziell lohnen wird: "Schon bei der jetzigen Nachfrage rechnet es sich kaum", sagt er.

MDR/Elisa Sowieja-Stoffregen, Gero Hirschelmann, Mandy Ganske-Zapf

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 10. Oktober 2021 | 10:00 Uhr

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