Hintergrund für Hacker-Angriff unklar Anhalt-Bitterfeld: "Situation ist beschissen, aber nicht hoffnungslos"

Nach dem Hacker-Angriff und dem Ausfall der IT arbeitet der Landkreis Anhalt-Bitterfeld daran, den Service für die Bürger schnellstmöglich wieder zu starten. Derzeit können Anliegen wie Anträge auf Sozialhilfe nicht bearbeitet werden. Noch am Abend werden Experten des Bundes erwartet.

Drei Menschen sitzen an einem Tisch
Landkreissprecher Udo Pawelczyk, Landrat Uwe Schulze (CDU) und die Leiterin des Katastrophenstabes Diane Gardyan auf der Pressekonferenz am Freitag Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Der Cyber-Angriff auf den Landkreis Anhalt-Bitterfeld hat Auswirkungen auf alle Bereiche der Kreisverwaltung. Das hat Landrat Uwe Schulze (CDU) am Freitagnachmittag auf einer Pressekonferenz erklärt. Anliegen der Bürgerinnen und Bürger könnten derzeit nicht bearbeitet werden. Das könne unter Umständen gravierende Auswirkungen haben, zum Beispiel für Sozialhilfeempfänger.

Am Dienstag waren mehrere Server des Landkreises aus unbekannter Quelle infiziert worden. In der Folge wurde eine noch nicht bekannte Zahl von Daten verschlüsselt. Am Freitagvormittag hatte Schulze den Katastrophenfall ausgerufen, das erste Mal seit dem Hochwasser 2013.

Die Situation ist beschissen, aber nicht hoffnungslos.

Uwe Schulze (CDU), Landrat Anhalt-Bitterfeld

Derzeit konzentriere sich der Kreis auf drei Schwerpunkte, so der Landrat weiter. Zum einen werde nach der genauen Quelle für die Infizierung gesucht. Derzeit werde eine Microsoft-Sicherheitslücke bei den Druckern vermutet. Zweitens werde am Wiederaufbau der IT-Infrastruktur gearbeitet, damit drittens schnellstmöglich die Dienstleistungen für die Bürger im Kreis wieder aufgenommen werden können.

Noch sei aber unklar, welche Daten genau verschlüsselt wurden, hieß es vom Landkreis. Es sei Strafanzeige gestellt worden. Ob es Lösegeldforderungen gegeben habe, sei Gegenstand der polizeilichen Ermittlungen, sagte Landrat Schulze. Die Hintergründe der Tat seien bisher noch unklar.

Nach Informationen des MDR gibt es eine Lösegeldforderung der Täter. Wie es am Freitag weiter hieß, werden noch am Abend IT-Experten des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnologie beim Landkreis Anhalt-Bitterfeld erwartet.

Marian Kogler vom IT-Sicherheitsberatungsunternehmen syret aus Halle erklärte MDR SACHSEN-ANHALT: "Man kann die Microsoft-Drucker-Schwachstelle nur ausnutzen, wenn schon vorher Benutzerrechte durch Phishing-Mails oder andere Schwachstellen-Ausnutzung abgegriffen wurden". Aber solange noch nichts Konkreteres bekannt gegeben werde, wären weitergehende Einschätzungen über den Angriff Spekulation.

Experten von Land und Bund

Laut Schulze wird die Kreisverwaltung zudem vom Innenministerium, dem Landeskriminalamt und Experten der Hochschule Harz unterstützt. Er betonte, dass die Kontaktnachverfolgung von Corona-Infizierten über das Programm Sormas nicht vom Hacker-Angriff betroffen sei.

Erreichbar sei der Landkreis bis auf Weiteres telefonisch oder per Post. Schon jetzt steht fest, dass die Kreisverwaltung Anhalt-Bitterfeld in der kommenden Woche nicht arbeiten kann. Wie es danach weitergeht, ist noch unklar.

Uwe Schulze ist noch bis Sonntagabend Landrat. Am Montag startet mit Andy Grabner (CDU) sein Nachfolger in das Amt. Grabner ist laut Landkreis bereits jetzt in alle Gespräche eingebunden.

MDR/Martin Krause, Mario Köhne

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT | 09. Juli 2021 | 16:30 Uhr

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