Reformationstag 2.700 Menschen protestieren in Wittenberg gegen steigende Energiepreise

Kritiker von Energiepolitik, Russland-Sanktionen und Coronamaßnahmen sind am Reformationstag in Wittenberg auf die Straße gegangen. Auch rechte Gruppierungen hatten zu den Kundgebungen aufgerufen. Das von den Demo-Aufrufern angekündigte "Mega Event" wurde der Protest in Wittenberg aber nicht. Auch landesweit geht die Zahl der Demonstranten weiter zurück.

Demonstrierende am Abend des Reformationstags in Lutherstadt Wittenberg
Zirka 2.700 Menschen haben sich in Wittenberg an Protesten gegen die Energiepolitik beteiligt. Bildrechte: Mitteldeutscher Rundfunk

In Lutherstadt Wittenberg hat es am Montag am Rande des dortigen Reformationsfestes mehrere Protestkundgebungen unter dem Slogan "Reformation 2.0" gegeben. Die Veranstaltungen knüpften an die vielerorts wöchentlich stattfindenden Demos gegen steigende Energiepreise und die Russland-Sanktionen an. Eine zentrale Forderung war "der sofortige Rücktritt der jetzigen Regierung". Wie die Polizei am Dienstagmorgen mitteilte, schlossen sich insgesamt etwa 2.700 Menschen den Kundgebungen im Wittenberger Amselgrund und Luthergarten an.

Die Teilnehmenden-Zahl dürfte unter den Erwartungen der Veranstalter liegen, die in sozialen Netzwerken ein "Mega Event" angekündigt und überregional auf die Proteste in Wittenberg hingewiesen hatten. Zur Demo aufgerufen hatten auch verschiedene rechte Gruppierungen sowie die Gruppe der sogenannten "Delegitimierer des Staates". Der Begriff stammt vom Verfassungsschutz.

Rechte und Corona-Skeptiker auf der Rednerliste

Der rechte Einschlag der Kundgebungen zeigte sich auch an der Rednerliste. Zu den Rednern gehörte unter anderem Jürgen Elsässer, Chef des vom Verfassungsschutz als rechtsextremistisch eingestuften "Compact"-Magazins, sowie Martin Kohlmann, Vorsitzender der Partei "Freie Sachsen" und zuvor Mitgründer der rechtsextremen Vereinigung "Pro Chemnitz".

Die sogenannten "Ärzte für Aufklärung", die in der Vergangenheit mit irreführenden Thesen zu Coronamaßnahmen auf sich aufmerksam gemacht hatten, richteten die erste Kundgebung im Amselgrund aus. Von dort aus zogen die Protestierenden später zur zweiten Kundgebung in den Luthergarten. Dabei wurden die Teilnehmer laut einem MDR-Reporter weiträumig um die Innenstadt geführt.

Protest friedlich verlaufen

Laut einem MDR-Reporter sind die Proteste friedlich geblieben. Am Reformationstag waren in Wittenberg neben den Demo-Teilnehmenden auch 25.000 Besucher des Luther-Festes unterwegs.

Auch andernorts haben am Montag in Sachsen-Anhalt wieder Proteste gegen die hohen Energiepreise und Russland-Sanktionen stattgefunden, so zum Beispiel in Magdeburg, Köthen und Zerbst/Anhalt.

Immer weniger Zulauf bei Protesten

Unterdessen geht der Zulauf bei den Demonstrationen weiterhin zurück. Wie das Innenministerium MDR SACHSEN-ANHALT am Dienstag mitteilte, zählten die Behörden landesweit rund 7.900 Demonstranten. Damit nahm die Zahl bereits die vierte Woche in Folge ab. Größere Störungen hat es demnach auch andernorts nicht gegeben. Allerdings seien am Montag neun Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der Beleidigung, Bedrohung oder Sachbeschädigung eingeleitet worden.

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MDR (André Damm, Daniel Salpius)/dpa

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 31. Oktober 2022 | 19:00 Uhr

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