Dübener Heide Holz per Mausklick: Wie der Juniorchef einen Forstbetrieb in die Zukunft führt

Forstwirtschaft stellen sich viele eher traditionell vor: Motorsäge anstellen, Bäume fällen, abtransportieren – das war es. Tatsächlich ist auch diese Branche im Umbruch. Das beweist das Familienunternehmen Timbercut aus dem Bad Schmiedeberger Ortsteil Söllichau im Landkreis Wittenberg. Timbercut ist beim Landeswettbewerb "Digitale Erfolgsgeschichten" mit dem ersten Preis ausgezeichnet worden. Zugleich ist es aber auch die Rückkehrergeschichte von Junior-Chef Justin Kollautz. MDR-SACHSEN-ANHALT-Reporter André Damm hat ihn getroffen.

Timbercut Söllichau
Digitale Erfolgsgeschichte: Justin Kollautz hat den Forstbetrieb seines Vaters ins digitale Zeitalter geführt. Bildrechte: MDR/André Damm

"Sie wollen was zum Online-Handel mit Holz wissen?", fragt die Sekretärin des Forstunternehmens Timbercut in Söllichau. "Dann wollen Sie bestimmt den Junior-Chef sprechen". Kurz darauf öffnet sich eine Bürotür. Ein freundlicher Mann stellt sich vor: Justin Kollautz, 26 Jahre jung. Zusammen mit seinem Vater Holm leitet er die 20 Mitarbeiter zählenden Firma in der Dübener Heide.

Von Söllichau in die Welt und zurück

Justin hatte schon als kleiner Junge mit Holz zu tun, konnte Eichen, Buchen und Lärchenstämme auseinanderhalten, der Geruch von Sägespänen war ihm vertraut. Denn sein Vater hatte 1991, kurz nach der Wiedervereinigung, in Söllichau den Forstbetrieb Timbercut gegründet. Doch nach dem Abitur, das der Sachsen-Anhalter im benachbarten sächsischen Eilenburg ablegte, wollte Justin unbedingt raus, ein bisschen die Welt kennenlernen. Und so kam er zur Deutschen Bahn, absolvierte dort ein duales Studium. "Die haben mich pendeln lassen zwischen Berlin und Mannheim. Die größte Distanz, die man so mitnehmen kann. War trotzdem eine schöne Erfahrung, man ist als junger Mensch gut rumgekommen."

Die haben mich pendeln lassen zwischen Berlin und Mannheim. Die größte Distanz, die man so mitnehmen kann.

Justin Kollautz

Danach landete Justin Kollautz bei einem Autokonzern. Der Maschinenbau-Experte war bei VW in Hannover und Wolfsburg beschäftigt. Er hätte dort Karriere machen können. Wäre da nicht der Forstbetrieb seines Vaters in Söllichau gewesen.

Timbercut Söllichau
Der 26 Jahre alte Justin Kollautz hat für die Deutsche Bahn und VW gearbeitet, bevor er nach Söllichau zurückkehrte. Bildrechte: MDR/André Damm

Holz im Herz

Denn die Arbeit mit dem Holz hat den schlanken Mann nicht losgelassen. Trotz seiner Statur kann er mit schweren Sägen umgehen und wenn er über die neue Holzschnittmaschine spricht, ist ihm die Begeisterung anzumerken. "Die kann bis zu 5.50 lange Stämme aufsägen und zerteilt Stämme bis 60 Zentimeter. Und das ganz mühelos."

Doch die Arbeit mit dem Holz ist das eine, das andere sind die Möglichkeiten, die Forstwirtschaft hierzulande weiter zu entwickeln. Deshalb habe er lange über eine Rückkehr nach Sachsen-Anhalt gegrübelt, sich am Ende doch dafür entschieden. "Es war keine spontane Entscheidung. Andere Bundesländer sind bei der Digitalisierung viel weiter als Sachsen-Anhalt, bei dem, was junge Menschen anspricht".

Filipp Narstedt, Forstamt Annaburg, auf einer Waldbrache 10 min
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Exakt Mi 01.06.2022 20:15Uhr 10:09 min

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Online-Store und Drohnenfotos

Nun in der tiefsten Provinz – in Söllichau in der Dübener Heide – versucht Justin Kollautz daran etwas zu ändern. Der 26-Jährige sorgt dafür, dass die Holzwaren des Familienunternehmens im neuen Online-Store landet –- wie bei den großen Internet-Versandhäusern. Der Kunde ordert per Mausklick, das Holz wird dann kleingeschnitten zugeschickt. Timbercut betreut aber auch Waldflächen, sorgt für Aufforstungen und Baumfällungen. Normalerweise, sagt Justin Kollautz, müsste man eine Begehung machen. Doch er setzt auf moderne Drohnen, die große Regionen abfliegen und erstklassige Fotos liefern. Später wird das Datenmaterial der Drohne im Firmen-PC ausgewertet. Das spare enorm viel Zeit, so der Juniorchef. Lohn der Umstellungen: Timbercut ist beim Landeswettbewerb "Digitale Erfolgsgeschichten" mit dem ersten Preis ausgezeichnet worden. 

Glücklicher "Old-School-Vater"

Sein Vater Holm Kollautz ist glücklich darüber, dass sein Sohn wieder im Familienunternehmen arbeitet. Dass Kinder zurückkehren, sei ja sonst vergleichsweise selten. "Für mich ist das eine Bereicherung. Die Betriebsblindheit hört ein bisschen auf. Ein neuer Wind kommt rein. das ist manchmal schwierig für mich, ich bin ja ein bisschen old school." Dennoch steht er hinter seinem Sohn. Denn die Digitalisierung in der Forstwirtschaft schreitet immer mehr voran. Zumal Holz - auch wegen des Klimawandels und der Energiekrise - deutlich an Bedeutung gewinnt.

MDR (André Damm/Moritz Arand)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 11. August 2022 | 13:10 Uhr

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