Tausende Jahre alt Flößerei ist Weltkulturerbe – Große Freude auch in Sachsen-Anhalt

Allzeit eine Handbreit Wasser – mehr brauchen Flößer nicht. Die 3.000 Jahre alte Transporttechnik wurde in Rabat jetzt in die Liste des immateriellen Weltkulturerbes aufgenommen. Federführend hatte sich der Magdeburger Frank Thiel von der Internationalen Flößervereinigung an dem Antrag beteiligt.

Flößer 1938 in der Tschechoslowakei
1938 transportierten Flößer in der Tschechoslowakei Holt auf der Moldau nach Prag. Bildrechte: imago/CTK Photo

Bei Frank Thiel, dem Präsident der Internationalen Flößervereinigung, und seinen Mitstreitern ist die Freude groß. Am Mittag konnten sie jubeln. Die Transporttechnik der Flößerei wurde in die Liste des Weltkulturerbes aufgenommen. Auch in Sachsen-Anhalt wird die Tradition noch als Brauchtum gepflegt.

Vor der Verleihung des Titels sei die Spannung ins Unermessliche gestiegen. "Mein Puls liegt bestimmt bei 120, und es wird mit jeder Minute mehr", sagte der Magdeburger in einer Schalte nach Rabat dem MDR. In die marokkanische Hauptstadt war Thiel in dieser Woche gereist, um die Tagung der Unesco live mitzuerleben.

3.000 Jahre alte Technik

Seit Jahren engagieren sich Flößer in mehreren europäischen Ländern, um die Flößerei wieder ins Bewusstsein der Menschen zu rücken und die Erinnerung daran wachzuhalten. Schon in der Bibel ist die Flößerei erwähnt - vor 3.000 Jahren sollen mit der Kraft des Wassers Baumstämme über große Strecken transportiert worden sein. Jahrhunderte lang dienten Flüsse und Bäche als Transportmittel für Holz. Stämme in – je nach Bedarf - verschiedener Größe wurden ins Wasser gerollt und von der Strömung an den gewünschten Ort transportiert.

Flößen Kötzschau
Die Flößerei ist in Sachsen-Anhalt heute nur noch als Brauchtum erhalten - wie hier beim Flößerfest im Vogtland. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Die Flößerei des Königs

Zum Beispiel auch nach Kötzschau im Süden von Sachsen-Anhalt. Dort stand eine der Salinen des Königs, die viel Holz zum Verfeuern brauchte. Das Holz dafür kam aus dem Vogtland.

Heute ist die Saline verschwunden. Der Ende des 16. Jahrhunderts eigens gebaute Elsterfloßgraben ist nur noch ein Bruchteil dessen, was er in seinen Hochzeiten war. "Drei Meter war der Graben breit, und er floss viel schneller", weiß Frank Thiel.

Flößen Kötzschau
Frank Thiele (links) ist Vorsitzender der Internationalen Flößervereinigung. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Der Magdeburger ist im nächsten Jahr Vorsitzender der Internationalen Flößervereinigung. Mit breitkrempigem Hut und in schwarzem Cordanzug, der an eine Zimmermannskluft erinnert, ist er in seiner Freizeit als Flößer unterwegs, hat maßgeblich dazu beigetragen, den Antrag für die Unesco zu erarbeiten.

Schiff, Eisenbahn und Auto verdrängen das Flößen

Bis Ende des 19. Jahrhunderts war das Flößen (bei zusammengebundenen Stämmen) oder Triften von Baumstämmen oder Scheiten weit verbreitet. Nach und nach wurde es durch die aufkommende Dampfschifffahrt aus den Flüssen verdrängt, und mit Eisenbahn und schließlich Auto gab es Alternativen für den Transport von Holz. Nur regional spielt die Flößerei noch eine Rolle.

Russische Flößer in einer Illustration
Im 19. Jahrhundert: Russische Flößer mit einem Schwimmer auf dem Fluss Pregel. Auch heute wird in Russland Holz auf Flüssen transportiert. Bildrechte: imago images/H. Tschanz-Hofmann

Technik nicht verschwunden

Weltweit wird die Kraft des Wassers als Transportmittel gerade in Flächenländern noch genutzt. In Norwegen, Finnland, Kanada, Russland, der Schweiz oder Spanien sind nach wie vor gewaltige Mengen an Holz auf dem Wasser unterwegs, das die Stämme gleichzeitig entsalzt.

"Die Flößer haben überall auf der Welt mit großer Spannung die Entscheidung erwartet", jubelt Frank Thiel. Jetzt ist die Freude riesig, und die Brauchtumshüter erwarten noch größere Aufmerksamkeit für die Flößerei.

MDR (Anett Schneider-Solis, Moritz Arand)

Dieses Thema im Programm: MDR um 11 | 01. Dezember 2022 | 11:00 Uhr

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