Freiwilligen Feuerwehren Wehrleiter häufig ohne abgeschlossene Ausbildung

Die Freiwilligen Feuerwehren in Sachsen-Anhalt haben ein Führungskräfteproblem. Pandemiebedingt konnten Lehrgänge nicht abgeschlossen werden. Teilnehmerzahlen mussten in den Lehrgängen besschränkt werden. Die Folge: Zahlreiche Wehrleiter müssen ohne die nötige Ausbildung ihren Dienst verrichten.

Feuerwehrleute besprechen sich vor einem Einsatz.
In Sachsen-Anhalt fehlen ausgebildete Wehrleiter bei den Freiwilligen Feuerwehren. Bildrechte: IMAGO / Tim Oelbermann

Viele Führungskräfte bei den Freiwilligen Feuerwehren in Sachsen-Anhalt sind nicht ausreichend für ihren Dienst ausgebildet. Wie die Landesregierung auf Anfrage der SPD-Fraktion mitteilte, sind aktuell 232 ehrenamtliche Kräfte als Wehrleiter im Einsatz, ohne die entsprechende Qualifikation dafür zu haben.

Wegen Corona: Wehrleiter auch ohne abgeschlossene Ausbildung möglich

98 der 232 Wehrleiter führten die Funktion bereits seit mehr als zwei Jahren ohne vollständige Qualifikation aus, so die Landesregierung. Durch die anhaltende pandemische Lage könne diese noch ausstehende Qualifikation bis Ende 2022 nachgeholt werden.

Eingestellter Lehrbetrieb und reduzierte Teilnehmerzahlen

Als Grund für den Führungskräftemangel nannte die Landesregierung die coronabedingten Einschränkungen in der Ausbildung. In den vergangenen zwei Jahren habe der Lehrbetrieb am Institut für Brand- und Katastrophenschutz (IBK) Heyrothsberge vorübergehend eingestellt werden müssen. Danach seien zudem die Teilnehmerzahlen reduziert worden, um in den Unterrichtsräumen den Infektionsschutz gewährleisten zu können.

Zu wenig Lehrgangsplätze und Ausbilder

Der Innenpolitische Sprecher der SPD-Landtagsfraktion Rüdiger Erben, sieht die Pandemie nicht als einziges Problem. "Die Lehrgangsausfälle während der Corona-Pandemie mögen das Problem verstärkt haben, aber die Ursachen liegen in der viel zu geringen Zahl der Lehrgangsplätze am IBK", sagte Erben.

Die Lehrgangsausfälle während der Corona-Pandemie mögen das Problem verstärkt haben, aber die Ursachen liegen in der viel zu geringen Zahl der Lehrgangsplätze.

Rüdiger Erben Innenpolitische Sprecher der SPD-Landtagsfraktion

Der Meinung ist auch der Chef des Landesfeuerwehrverbandes Sachsen-Anhalt, Kai-Uwe Lohse. Bereits im März sagte er MDR SACHSEN-ANHALT, dass seit der Jahrtausendwende an der IBK kontinuierlich 58 Stellen in allen Bereichen gestrichen oder an private Firmen vergeben worden sind. 68 Stellen seien heute noch übrig. Besonders bei stark nachgefragten Lehrgängen wie dem "Gruppenführer" oder "Zugführer" könne der Bedarf im Land kaum gedeckt werden, weil das IBK die Zahl der Veranstaltungen mangels fehlender Ausbilder habe reduzieren müssen.

Landesfeuerwehrverband kritisiert Pläne für freiwillige Dienstzeit

Am Sonntag hatte Lohse zudem die Pläne der Landesregierung, eine freiwillige Dienstzeit im Katastrophenschutz einzuführen, kritisiert. "Aktionismus ist ein schlechter Ratgeber", sagte Lohse. Innenministerin Tamara Zieschang (CDU) hatte eine freiwillige Dienstzeit für alle 35- bis 60-Jährigen im Katastrophenschutz ins Spiel gebracht.

Es gebe bereits Einstiegsmöglichkeiten für Menschen, die sich für das Ehrenamt interessierten, so Lohse. Daran müsse man weiter feilen. "Für wenige Wochen irgendwo mitzumachen, bringt nix." Bei der Feuerwehr sei man zu schlecht aufgestellt, um solche "Kurzauftritte zu betreuen", betonte Lohse.

MDR (Moritz Arand)/dpa | Erstmals veröffentlicht am 09.08.2022

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 07. August 2022 | 17:00 Uhr

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