Gehalts-Vergleich Frauen oder Männer: Wer in Sachsen-Anhalt mehr Geld verdient

Alexandra Ketterer
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Verdienen in Sachsen-Anhalt Frauen mehr Geld als Männer? Oder bekommen doch Männer mehr Gehalt? Auf diese Frage gibt es keine einfache Antwort. Warum das so ist, welche Rolle verschiedene Betrachtungsweisen dabei spielen und warum im Vergleich zu den alten Bundesländern die Frauen hierzulande nicht viel mehr, sondern Männer viel weniger verdienen.

Eine Frau erklärt ihrem Kollegen etwas an einem Whiteboard.
Vollzeit, Teilzeit, Minijob: Ob Männer oder Frauen in Sachsen-Anhalt durchschnittlich mehr Geld verdienen, hängt davon ab, welche Gehälter man vergleicht. Bildrechte: MDR/Unsplash/ThisisEngineering

So vielfältig wie die heutige Arbeitswelt ausgestaltet ist, so komplex ist sie auch. Die eine ist Beamtin, der andere Freiberufler. Einer arbeitet tarifgebunden, ein anderer aber nicht. Dazu kommen die Hierarchiestufen vom Azubi bis zum Chef. Deshalb gibt es auch viele verschiedene Statistiken und keine allumfassende Übersicht zu Einkommen, Verdienst, Lohn, Gehalt und Honoraren. Doch was all diese Statistiken gemeinsam haben: Sie geben Einblicke in unsere Bezahlung. Und diese beeinflusst maßgeblich das Leben derjenigen, die für diese Bezahlung arbeiten gehen. Die Bezahlung ist existenziell für viele Menschen in Sachsen-Anhalt.

Eine Frage, die seit Jahren dabei immer wieder in den Fokus rückt: Verdienen Frauen oder Männer mehr Geld in Sachsen-Anhalt? Betrachtet man nicht nur die Bezahlung hierzulande, sondern in der gesamten Bundesrepublik, die Lage mehr als eindeutig: Im Jahr 2021 haben Frauen in Deutschland pro Stunde durchschnittlich 18 Prozent weniger verdient als Männer. Wie das Statistische Bundesamt anlässlich des "Equal Pay Day" Anfang März mitgeteilt hat, erhielten Frauen mit durchschnittlich 19,12 Euro einen um 4,08 Euro geringeren Brutto-Stundenverdienst als Männer (23,20 Euro).

Andererseits vermeldet die Bundesagentur für Arbeit seit Jahren, dass Frauen in Sachsen-Anhalt mehr Geld verdienen als Männer. Auf den ersten Blick ist das vor allem eines: verwirrend. Doch auf den zweiten Blick widersprechen sich beide Aussagen nicht. Denn, ob Männer oder Frauen durchschnittlich mehr verdienen, ist primär davon anhängig, welcher Teil des Arbeitsmarkts beleuchtet wird.

Arbeitsagentur: Fokus auf Vollzeit

Die Arbeitsagentur betrachtet in vielen ihrer Statistiken nur die Menschen, die sozialversicherungspflichtig in Vollzeit arbeiten. Sozialversicherungspflichtig beschäftigt sind vereinfacht gesagt alle Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die kranken-, Renten- und Pflegeversicherungs-pflichtig sind. Dazu gehören unter anderem auch Auszubildende, Altersteilzeit-Beschäftigte, Praktikantinnen und Praktikanten.

Im Jahr 2021 waren knapp 800.000 Menschen mit Arbeitsort innerhalb von Sachsen-Anhalt sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Rund 550.000 (69 Prozent) davon gingen dabei ihrem Beruf in Vollzeit nach, davon wiederum deutlich mehr Männer als Frauen.

Die Arbeitsagentur beschränkt sich nach eigenen Angaben oftmals auf die Vollzeitbeschäftigten, da Meldungen der Arbeitgeber zum monatlichen Entgelt zwar eine Unterscheidung nach Vollzeit- bzw. Teilzeitbeschäftigung beinhaltet, jedoch keine Information über den genauen Stunden-Umfang. Nur durch die Eingrenzung auf Vollzeitbeschäftigte seien deshalb aussagekräftige Gehalts-Vergleiche möglich.

Vollzeitbeschäftigte: Frauen verdienen mehr

Betrachtet man ausschließlich die Brutto-Monats-Entgelte von sozialversicherungspflichtig Vollzeitbeschäftigten in Sachsen-Anhalt, so lag der sogenannte Median-Lohn von Frauen im Dezember 2020 bei 2.795 Euro, während Männer einen Median-Lohn von 2.737 Euro brutto im Monat erzielten.

Was ist ein Medianwert?

Der Medianwert beschreibt den Wert, der genau in der Mitte aller Brutto-Monatsverdienste liegt. Gegenüber dem Durchschnitt wird bevorzugt der Median genutzt, wenn es im Datensatz viele Ausreißer-Werte gibt. Das ist bei den Gehältern der Fall, da einige wenige extrem viel verdienen.

Laut Bundesagentur für Arbeit sind Frauen in Sachsen-Anhalt häufiger in Bildungs-, Erziehungs- und Verwaltungs-Berufen beschäftigt, in denen insgesamt höhere Einkommen erzielt werden und die oft auch Tarifbindungen unterliegen.

Männer hingegen arbeiten oft im verarbeitenden Gewerbe und in Bau-Berufen, in denen in der Regel niedrigere Entgelte erzielt werden und die auch anfälliger für konjunkturelle Krisen-Effekte sind.

Markus Behrens, Geschäftsführer der Regionaldirektion Sachsen-Anhalt-Thüringen

Bezogen auf Sachsen-Anhalt verdienen also Frauen, die sozialversicherungspflichtig in Vollzeit arbeiten, etwas mehr als Männer. Insgesamt sind die Brutto-Monatsverdienste aber immer noch deutlich unter dem Bundesdurchschnitt.

Alle Beschäftigten: Männer verdienen mehr

Beim Gehalts-Vergleich der Vollzeitbeschäftigten noch nicht mit einberechnet, sind die knapp 250.000 Frauen und Männer, die in Teilzeit arbeiten. Dazu kommen weitere rund 100.000 Menschen, die nicht sozialversicherungspflichtig, sondern geringfügig oder kurzfristig beschäftigt sind. Dazu zählen vor allem Minijobber. Berücksichtigt man all diese Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer und damit den gesamten Arbeitsmarkt, verdienen Männer in Sachsen-Anhalt pro Stunde immer noch mehr als Frauen.

Aus dieser gesamten Gruppe der Beschäftigten wird auch der sogenannte Gender Pay Gap berechnet – also der Abstand (Englisch: "Gap") zwischen dem durchschnittlichen Brutto-Stundenverdienst von Männern und dem von Frauen. Laut Statistischem Landesamt betrug der Gender Pay Gap in Sachsen-Anhalt im Jahr 2021 sieben Prozent. Bundesweit lag der Unterschied sogar bei 18 Prozent. Die neuen Bundesländer weisen dabei alle einen deutlich niedrigeren Unterschied zwischen Frauen und Männern auf als die alten Länder.

Welche Gründe es dafür gibt, war vor einigen Jahren Forschungsgegenstand des Instituts für Arbeitsmarkt und Berufsforschung (IAB). 2017 ging aus einer IAB-Analyse der Gehälter in Deutschland auf regionaler Ebene hervor, dass ein großer Faktor für die unterschiedliche Höhe des regionalen Gender Pay Gaps das niedrige Lohnniveau in den neuen Bundesländern ist. Männer in den alten Bundesländern verdienten 2017 durchschnittlich 43 Prozent mehr pro Tag als Männer in den neuen Bundesländern. Bei den Frauen war der relative Unterschied nur halb so groß. Anders gesagt: Frauen verdienen in den neuen Bundesländern nicht viel mehr, sondern Männer viel weniger.

Gender Pay Gap steigt nach der Geburt des Kindes

Besonders hohe geschlechtsspezifische Gehaltsunterschiede sind in hoch qualifizierten Berufen und Führungspositionen sowie in Kleinst- und Großbetrieben zu beobachten. Heraussticht auch, dass der Lohn-Unterschied zwischen Frauen und Männern im mittleren Alter zwischen 35 und 39 Jahren am höchsten ist. Einen Grund dafür sehen Forscherinnen und Forscher in der Erwerbs-Unterbrechung bei Frauen, wenn diese die Sorge-Arbeit für die Kinder übernehmen.

Einen weiteren Grund dafür analysierte das Wiesbadener Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung. Sie fanden heraus, dass Frauen nach der Geburt eines Kindes meist weniger pendeln wollen und so einen neuen Arbeitsplatz nah am Wohnort annehmen. Dafür müssen sie deutschlandweit einen Gehaltsunterschied von durchschnittlich 30 Prozent in Kauf nehmen. Um dem entgegenzuwirken, sind laut den Forschenden politische Maßnahmen nötig, die pendelnde Eltern unterstützen. Zum Beispiel sollten flexible Jobangebote in Wohnortnähe geschaffen werden.

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MDR (Alexandra Ketterer, Manuel Mohr)

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