Zeitz – eine Stadt sucht ihre Zukunft Haushaltssperre: Wie Zeitz mit der leeren Stadtkasse umgeht

Wie in vielen Kommunen ist auch in Zeitz die Stadtkasse klamm. Seit kurzem gibt es sogar eine Haushaltssperre. Welche Auswirkungen das auf Vereine und die Lebensqualität hat – und was die Stadt ändern könnte.

Das Schloss Moritzburg ist die Hauptattraktion in Zeitz, so wie auch das dort ansässige Schlossmuseum. Doch Anfang des Jahres hatte es erstmals für zwei Monate geschlossen. Als Begründung führte die Stadt mangelndes Personal, Abbau von Überstunden und geringe Besucherzahlen an.

Die zweimonatige Schließung des Schlossmuseums hat sich auch auf das Geschäft des Schloss-Restaurants ausgewirkt. Keine Museumsgäste hieß auch für Gaststätten-Betreiber Wolfgang Obenauf weniger Kundschaft. Er sagte MDR SACHSEN-ANHALT: "Mit Sicherheit muss ich sagen, dass die Schließung des Museums Januar und Februar mitunter nicht förderlich ist für unseren Restaurantbetrieb."

Mehr Veranstaltungen gewünscht

Für die klamme Stadtkasse habe er zwar Verständnis, so der Wirt. Er selbst als Unternehmer würde aber nie auf die Idee kommen, aus Kostengründen einfach zwei Monate zu schließen. Er würde versuchen, mehr Veranstaltungen zu organisieren und darüber die Einnahmen zu steigern.

Wir haben hier einen wunderbaren Bereich, den man vorzeigen kann. Und man soll sich doch mal Gedanken machen, wie man gerade in den warmen Monaten unseren schönen Schlosshof für Veranstaltungen nutzen könnte. Der Stadt bringt das mit Sicherheit ein Polster an Einnahmen, die man dann auch in den Haushalt einfließen lassen kann.

Doch für Veranstaltungen ist in Zeitz derzeit erst recht kein Geld: Vergangene Woche verhängte die Stadt eine Haushaltssperre. Ist kein Geld mehr in der Stadtkasse, spüren das zuerst Sport-, Kultur- und Freizeitengagement – Bereiche, die eine freiwillige Aufgabe der Kommunen sind.

Auswirkungen auf Vereine

Bereits vor der Haushaltssperre wurden Gelder für die Ausstattung von Sportstätten gestrichen. Für die Stadtkasse kleinste Beträge. Auch für die Vereine ist das kein Beinbruch, aber auch kein Bekenntnis zu einer künftigen Unterstützung.

Wie Rudolf Stöver von der SG Chemie Zeitz MDR SACHSEN-ANHALT sagte, merkt der Sportverein selbst noch keine großen Auswirkungen. Aber: Die Existenzangst sei da. "Wir sind bis auf die Sportstättennutzung relativ unabhängig von den Stadtkassen. Wir sehen, dass es weniger Fördermittel aus Richtung Stadt gibt als früher. Aber es ist nicht so, dass der Status quo die Vereine jetzt umbringt. Es ist nur diese Unsicherheit."

Er habe vor allem Angst vor jeder Kurzschlussreaktion, die eventuell die Vereine nicht stemmen können, so Stöver weiter. Doch werden Vereine vernachlässigt, dann sinkt die Lebensqualität in der Stadt – eine großes Dilemma für Kommunen, das weiß auch Stöver.

Ich muss die Stadt daran erinnern, was der Sport wert ist, was der Sport für ein Gewicht hat. In der Kommunalpolitik kenne ich eigentlich niemanden, der ungefragt sagt: Ich bin für den Sport, ich stehe für den Sport.

Rudolf Stöver, Pressewart der SG Chemie Zeitz

Die SG Chemie Zeitz darf derzeit viele Sportstätten in der Stadt wie das Schwimmbad kostenlos nutzen. Oberbürgermeister Christian Thieme verriet MDR SACHSEN-ANHALT, Vereine grundsätzlich so entlasten zu wollen. Aber die Frage sei schon: "Wie viele Sportstätten können wir uns leisten und zu welchen Bedingungen können die genutzt werden", so Thieme.

Antworten auf drängende Fragen Im Reportage-Projekt "Zeitz – eine Stadt sucht ihre Zukunft" hat MDR SACHSEN-ANHALT mit vielen Bürgern gesprochen. Jede der fünf Folgen der TV-Serie beschäftigt sich mit einem kommunalpolitischen Schwerpunkt-Thema: Straßenausbaugebühren, Braunkohleausstieg, Leerstand in den Innenstädten, Abwanderung und leere Stadtkassen.

Diese Probleme sind überall im Land wichtig. Doch welche Ideen und Lösungsvorschläge haben die Parteien, die jetzt landesweit in den Wahlkampf ziehen? MDR SACHSEN-ANHALT hat alle 15 zugelassenen Parteien dazu befragt. Bis Freitag veröffentlichen wir täglich im Anschluss an unsere Zeitz-Reportage auf der Online-Seite die Antworten der Parteien auf unsere Frage. Wir schaffen Transparenz und die Nutzer bekommen einen Gesamtüberblick über fünf drängende Probleme. So können sie die Parteien-Positionen in Ruhe miteinander vergleichen und sich vor der Wahl ihr eigenes Urteil bilden.

Quelle: MDR/cw

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 04. April 2019 | 19:00 Uhr

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