Weltkulturerbe Naumburger Dom bekommt Informationszentrum

In Naumburg entsteht ein sogenanntes Weltkulturerbezentrum. Das hängt mit der Auszeichnung des Naumburger Doms als Weltkulturerbestätte zusammen. Denn jede Weltkulturerbestätte muss ein Informationszentrum haben. In Naumburg wird dieses Zentrum in der ehemaligen Bischofskurie entstehen. Bis 2025 wird das Gebäude saniert und restauriert.

Auf einem blauen Schild an einer Wand steht Domplatz, im Hintergrund ist der Turm einer Kirche zu sehen.
Direkt gegenüber vom Naumburger Dom am Domplatz 1 soll das Welterbezentrum in der ehemaligen Bischofskurie entstehen. Bildrechte: MDR/Michael Rosebrock

In Naumburg entsteht in den kommenden drei Jahren ein sogenanntes Weltkulturerbezentrum. Untergebracht wird es in der ehemaligen Bischofskurie am Domplatz 1, die der Wohnsitz des letzten Naumburger Bischofs werden sollte. Die Bischofskurie liegt direkt gegenüber vom Dom.

Das Informationszentrum wird sich mit der Geschichte des Hauses, dem Dom und der Stadt Naumburg beschäftigen. Aber auch andere Weltkulturerbestätten in Sachsen-Anhalt und weltweit sollen vorgestellt werden. Darüber hinaus wird es Informationen zur den Kulturangeboten der Saale-Unstrut-Region geben, zum Beispiel über das ehemalige Zisterzienserkloster Pforte in Bad Kösen.

Weltkulturerbezentrum Naumburg
Stiftsdirektor Holger Kunde erklärt die Pläne für das neue Informationszentrum. Bildrechte: Annekathrin Queck

Das Angebot soll für alle Altersgruppen geeignet sein. Für Kinder wird es im Außenbereich Spielmöglichkeiten geben. Dort befindet sich derzeit sein alter, verwilderter Garten mit einem historischen Pavillon und vier Eiben, die um die 400 Jahre alt sind. Auf diesem Gelände wird ein Barockgarten entstehen, der nach überlieferten Quellen bepflanzt werden soll. Das Ziel: Ein Ort, der zum Entspannen und Verweilen einlädt, mit der Möglichkeit, ein Glas Wein im Pavillon zu genießen.

Geschichte der Bischofskurie

Die Bischofskurie sollte im 16. Jahrhundert ursprünglich der Wohnsitz des letzten Naumburger Bischofs Julius von Pflug werden. Der verstarb aber, bevor das Haus fertiggestellt wurde. Anschließend lebten dort bis ins 20. Jahrhundert hinein verschiedene Domherren gemeinsam mit ihren Beschäftigten, ehe das Gesundheitsamt der Stadt Naumburg dorthin verlegt wurde. So blieb es bis zur Wende. Danach wurde das Gebäude unter anderem als Wohnraum und Töpferwerkstatt genutzt, stand aber auch viele Jahre leer.

Weltkulturerbezentrum in Naumburg bis 2025

Weil den Vereinigten Domstiftern nicht nur die ehemalige Bischofskurie, sondern auch die beiden Nachbarhäuser gehören, werden sie in die Projektplanung mit einbezogen. Das Gebäude, das links neben der Bischofskurie steht, wird zum Teil das Informationszentrum beherbergen, aber auch das Treppenhaus, Toiletten, einen Fahrstuhl und Büroräume. Im Haus auf der rechten Seite soll ein Café oder Restaurant entstehen.

Blick vom Hof der ehemaligen Bischofskurie auf einen Turm des Naumburger Doms.
Ob von innen oder von außen: Von der ehemaligen Bischofskurie hat man einen tollen Blick auf den Naumburger Dom. Bildrechte: Annekathrin Queck

11,5 Millionen Euro wird das neue Weltkulturerbezentrum nach jetzigem Stand kosten. Finanziert wird das Bauvorhaben über ein Programm der GRW-Förderung. Bund und Land übernehmen mehr als 90 Prozent der Kosten. Bei der Innenausstattung beteiligen sich die Sparkasse Burgenlandkreis, die ostdeutsche Sparkassenstiftung und die Springer-Stiftung.

Die Ausschreibungen für das Projekt finden im Herbst oder Winter statt, gebaut wird dann mit etwas Glück ab dem kommenden Jahr. 2025 soll Eröffnung sein. Allerdings rechne man aufgrund der aktuellen Lage damit, dass das Vorhaben teurer werden könne, sagt Stiftskämmerer Bastian Borck. Und auch damit, dass sich der Bau in die Länge ziehe.

Ein baufälliges Kleinod wird wiederbelebt

ein alter Holzbalken an der Decke, umgeben von abgeblättertem Putz.
Bei den Bauarbeiten wurden verzierte Holzbalken aus dem 16. Jahrhundert entdeckt, die auch im neuen Weltkulturerbezentrum erhalten bleiben sollen. Bildrechte: Annekathrin Queck

Zusätzlich erschwert würde das Bauvorhaben dadurch, dass die ehemalige Bischofskurie "massiv geschädigt" sei. Es gäbe große statische Probleme im gesamten Gebäude. So stünden beispielsweise die Wände in den einzelnen Etagen nicht übereinander. Außerdem sorgten hunderte Jahre alte, abgesägte Dachbalken für noch mehr Instabilität.

Bevor also überhaupt an eine Sanierung zu denken wäre, sei nun erstmal eine Spezialfirma am Werk, die die Bischofskurie das Gebäude mithilfe von Spezialkonstruktionen stabilisieren soll, erklärt Borck. Trotzdem sei es nicht möglich, die sichtbaren Höhenunterschiede im Innenraum gänzlich auszugleichen. Deshalb würde etwa im ersten Dachgeschoss eine erhöhte Plattform gebaut, auf der künftig Veranstaltungen stattfinden sollen.

Stärkung des Saale-Unstrut-Tourismus

Die Eröffnung des neuen Weltkulturerbezentrums wird ein entscheidender Punkt für die Entwicklung des Tourismus in der Region sein, sagt Stiftsdirektor Holger Kunde.

Mit der Bischofskurie wird ein Bau in das Leben und in die Gegenwart zurückbefördert, der weitgehend vergessen war. Es ist ein Kleinod der Renaissance mitten im Süden von Sachsen-Anhalt und die Fertigstellung fügt sich ein in die Gesamtsanierung des Domplatzes.

Holger Kunde, Stiftsdirektor "Vereinigte Domstifter"

Alle Häuser würden in den nächsten Jahren mit einer neuer Nutzung versehen. Damit würde man ein Ensemble schaffen, das mit der Stadt Naumburg gemeinsam ziemlich einzigartig sei.

Das Informationszentrum wird laut Holger Kunde in Zukunft ein zentraler Anlaufpunkt für Besucherinnen und Besucher sein. Es werde einen Überblick über die Saale-Unstrut-Region, aber auch über Weltkulturerbestätten in Sachsen-Anhalt und Umgebung liefern. So könne eine "Reiseplanung mit allem Komfort" geboten werden.

MDR (Annekathrin Queck)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 27. Mai 2022 | 12:00 Uhr

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