Nachhaltiges Brauen Die Schwemme – Von der Brauerei zum Kulturort

Die Schwemme-Brauerei prägt seit 300 Jahren das Stadtbild von Halle. Nach verschiedenen Nutzungen stand sie lange leer. 2016 wurde sie vom Verein Schwemme e.V. gekauft. Das alte Brauhaus wird seitdem so nachhaltig wie möglich wiederaufgebaut. Es finden regelmäßig Kulturveranstaltungen statt. Außerdem sollen künftig ein Co-Working-Space und ein Kompetenzzentrum entstehen.

Schild an Holztor
In der Schwemme finden regelmäßig Konzerte statt. Bildrechte: MDR/Annekathrin Queck

Obwohl die alte Schwemme–Brauerei mitten in der Stadt liegt, ist sie doch ein versteckter Ort. Man übersieht sie schnell. Dabei gibt es hinter dem hölzernen Eingangstor eine Menge zu entdecken. Die Schwemme-Brauerei ist seit 300 Jahren ein Teil von Halle und deshalb auch denkmalgeschützt.

Der letzte Eigentümer ließ das Gebäude jahrelang verfallen, angeblich um es irgendwann abreißen und durch ein modernes Gebäude ersetzen zu können, erzählt Johanna Voll. Sie ist Mitglied im Verein Schwemme e.V., der die alte Brauerei 2016 übernommen hat. Bereits ab 2011 hatten sich die Menschen, die später den Verein gründeten, um das alte Brauhaus bemüht. Am Ende dauerte es fünf Jahre, bis es schließlich klappte.

Holzkonstruktion
Seit dem Besitzerwechsel hat sich einiges getan. Im Mai wurde zum Beispiel der neue Dachstuhl eingeweiht. Bildrechte: Annekathrin Queck


Geschichte der Schwemme-Brauerei

Das Bild ist schwarz-weiß. Links ist ein Fluss zu sehen, vor dem zwei Männer stehen. In der Mitte des Bildes steht ein weiterer Mann vor einer Laterne, rechts von ihm ist eine Gruppe Menschen auf der Straße. Im Hintergrund sieht man ein großes Gebäude mit Schornstein.
Die Schwemme-Brauerei im 19. Jahrhundert. Damals ist sie noch kein versteckter Ort. Bildrechte: Schwemme e.V.

Knapp 300 Jahre lang brauten verschiedene Betreiber im Gebäude der alten Schwemme-Brauerei Bier. Zuerst als "Brauhaus zum Pelikan" bekannt, wurde es 1888 nach einem Besitzerwechsel in "Schwemme-Brauerei" umbenannt. Die Bierbrau-Tradition endete 1920 mit dem Verkauf der Brauerei. Der neue Besitzer baute Wohnungen ein. Einige Jahre später entstand eine Heringszüchterei. Ab 1945 beherbergte die Schwemme eine Arztpraxis und diverse Werkstätten wie zum Beispiel eine Schusterei. Bis Ende der 1980er-Jahre nutzte eine Vulkanisierwerkstatt das Erdgeschoss. Anfang der 1990er-Jahre begann dann eine mehr als 20 Jahre dauernde Phase des Leerstands.

Johanna Voll glaubt, dass der Verein die Übernahme in gewisser Weise auch einem Unglück zu verdanken hat, denn 2015 stand die Schwemme-Brauerei – wahrscheinlich durch Brandstiftung – in Flammen. Dadurch hätte das Gebäude auf einmal wieder mehr Aufmerksamkeit bekommen. So wäre es dem Verein möglich gewesen, die entsprechenden Hebel in Bewegung zu setzen, um die Schwemme-Brauerei zu kaufen. Der damalige Besitzer hätte nach dem Brand abwägen müssen, ob er sich um die Instandsetzung kümmert oder verkauft. Er entschied sich für Letzteres.

Von Konzert bis Flohmarkt

Nachdem der Verein Eigentümer geworden war, fing erst die eigentliche Arbeit an, sagt Voll. Seit nun mehr als sechs Jahren bemühen sich die Mitglieder mit allen Kräften der Schwemme-Brauerei neues Leben einzuhauchen. Und das läuft ziemlich gut. Neben regelmäßigen Arbeitseinsätzen finden in der Schwemme auch Konzerte, Lesungen, Flohmärkte, Ausstellungen, Hochzeits- und Geburtstagsfeiern statt. Über die Jahre hätte man immer wieder neue Ideen umgesetzt und geschaut, was funktioniert, erzählt Johanna Voll.

Für dieses Jahr wären die Veranstaltungsräume so gut wie ausgebucht. An jedem Samstag sei irgendwas los. Trotzdem ist die Schwemme nach Aussage von Voll immer noch größtenteils unentdeckt. Die Begeisterung für die alte Brauerei käme meist erst auf, wenn die Leute erkunden könnten, was jenseits des Zauns liegt und erfahren, welche Geschichte das Haus hat.

Bar
Im Keller der alten Brauerei gibt es eine kleine Bar, die bei Veranstaltungen geöffnet ist. Bildrechte: Annekathrin Queck

Co-Working-Space und Kompetenzzentrum

Die Vision für die künftige Nutzung der Schwemme besteht, wie Voll erklärt, aus drei Säulen. Die alte Brauerei soll ein Ort sein, an dem Leute gerne zusammenkommen, wenn nötig auch mithilfe von Bier, erklärt sie augenzwinkernd. Außerdem sei geplant, dass in der alten Brauerei ein sogenannter "Co-Working-Space" für Solo-Selbstständige, Vereine und Initiativen entstehe. Auch ein Kompetenzzentrum für klimaneutrales Bauen soll das Haus künftig beherbergen. In diesem Zentrum wolle man nach Aussage von Voll die Erfahrungen, die man während des Aufbaus der Schwämme gemacht habe, zusammenfassen.

Schon jetzt gibt es immer wieder Workshops zum Thema Lehmputz. Am Freiwilligentag wurde auf dem Gelände sogar eine kleine Lehmziegelmanufaktur aufgebaut. Die dort hergestellten Steine wären anschließend in den Geschossdecken verbaut worden. "Es ist doch total spannend, wenn man bei so einer Aktion dabei gewesen wäre und später einmal sagen könne: Oh da in dem Teil ist ein Stein von mir, den ich von Hand gemacht habe", findet Voll.

Holzkonstruktion
Die Holzbalken sind neu, für die Lehmziegel wurde aber alter Lehm wiederverwendet. Bildrechte: Annekathrin Queck

Nachhaltiges Bauen

Und genau solche Arbeitseinsätze wären im Moment das Wichtigste, denn "je mehr Leute helfen, desto schneller geht es voran". "Manchmal sind wir hier eine ganz kleine Truppe, manchmal ganz viele, aber es könnten immer mehr sein. Denn je mehr Leute helfen, desto schneller kommen wir voran", sagt Johanna Voll lächelnd. Man freue sich immer über neue Gesichter. Die Arbeitseinsätze wären ja auch eine tolle Möglichkeit, die Schwemme kennenzulernen und hinter die Kulissen zu blicken.

Manchmal sind wir hier eine ganz kleine Truppe, manchmal ganz viele, aber es könnten immer mehr sein. Denn je mehr Leute helfen, desto schneller kommen wir voran.

Johanna Voll, Vereinsmitglied Schwemme e.V.

Bei den Einsätzen werden zum Beispiel alte Dachziegel gereinigt und sortiert. Alle Ziegel, die noch einigermaßen gut in Schuss sind, bekommen ein zweites Leben auf dem Brauereidach. Dahinter steht die Philosophie des Vereins möglichst ressourcenschonend und nachhaltig zu bauen. Deshalb versuche man nach Aussage von Voll größtenteils alte Baumaterialien wie Ziegelsteine oder Lehm, die im Rahmen von Aufräumarbeiten abgetragen wurden, wiederzuverwenden und nur in Ausnahmefällen wirklich neu zu kaufen. "Die Schwemme soll im Grunde in sich ein gesamt-recyclefähiges Objekt sein, das nur aus Feldsteinen, Holz, Stroh und Lehm besteht", sagt Johanna Voll. Die Stahlträger im Schwemmekeller dürften aber natürlich auch bleiben, fügt sie lächelnd hinzu.

Frau
Johanna Voll in einem der Räume, die auch für Veranstaltungen genutzt werden. Bildrechte: Annekathrin Queck

Die Schwemme soll im Grunde in sich ein gesamt-recyclefähiges Objekt sein, das nur aus Feldsteinen, Holz, Stroh und Lehm besteht.

Johanna Voll, Vereinsmitglied Schwemme e.V.

Ein Vorteil des nachhaltigen Bauens: Es spart nicht nur Energie, sondern auch Kosten. Der Wiederaufbau der Schwemme wurde bisher durch verschiedene Förderinnen und Förderer finanziert, so Voll, aber auch durch Einnahmen und Spenden des Vereins, zum Beispiel über Veranstaltungen. Man müsse aber ehrlich zugegeben, dass es das große Konzept für die Komplettfinanzierung noch nicht gebe. "Wir planen auf Sicht und machen ganz, ganz viel selbst. Das ist, glaube ich, wirklich eine Besonderheit, dass wir hier in so hohem Maße auf Ehrenamtlichkeit und Eigenleistung setzen“, erklärt Johanna Voll. Jeder bringe sich entsprechend seiner Fähigkeiten ein und so käme man Schritt für Schritt voran, vielleicht manchmal ein bisschen langsamer, aber das mache auch den Charme des Projekts aus. Das Spannende sei ja schließlich nicht das Ziel, sondern der gemeinsame Weg.

MDR (Annekathrin Queck)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 08. August 2022 | 06:30 Uhr

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