Obduktionsergebnis Babyleiche in Halle: Polizei ermittelt wegen Tötungsdelikt

Nach dem Fund einer Babyleiche in Halle hat die Polizei nun Ermittlungen wegen eines Tötungsdelikts aufgenommen. Grund: Die vorläufige Obduktion hat ergeben, dass das Mädchen nicht tot zur Welt gekommen ist. Jetzt werden dringend Zeugen gesucht.

Polizisten suchen nach Spuren. Am Zaun der Halleschen Stadtwirtschaft wurde am Abend zuvor eine Babyleiche gefunden
Nach dem Fund einer Babyleiche in Halle ermittelt die Polizei jetzt wegen eines Tötungsdelikts. Bildrechte: dpa

Nach dem Fund eines toten Babys in Halle gibt es ein vorläufiges Obduktionsergebnis. Wie die Staatsanwaltschaft am Mittwoch mitteilte, handelt es sich bei dem Baby um ein neugeborenes Mädchen. Es habe Lebenszeichen aufgewiesen. Das Kind ist also nicht tot zur Welt gekommen. Die Ermittler gehen von einem Verbrechen aus.

Endgültiges Ergebnis der Obduktion steht noch aus

Laut Staatsanwaltschaft wurden deshalb Ermittlungen wegen eines Tötungsdelikts eingeleitet. Woran das Baby gestorben ist, ist den Angaben zufolge aber noch unklar. Auch wann das Neugeborene abgelegt wurde, konnte demnach zeitlich bislang nicht eingegrenzt werden. Ein endgültiges Obduktionsergebnis stehe aus. Hierfür seien noch weitere Untersuchungen notwendig. Das werde einige Zeit in Anspruch nehmen.

Spurensuche und -sicherung rund um den Fundort sowie die Befragung von Zeugen laufen den Angaben zufolge weiter. Die Polizeiinspektion Halle bittet die Bevölkerung um Mithilfe.

Polizei bittet um Hinweise

Die Polizeiinspektion Halle bittet alle, die über die Weihnachtsfeiertage etwas im Umfeld der Äußeren Hordorfer Straße und Paracelsusstraße in Halle gesehen haben, das mit dem Fall im Zusammenhang stehen könnte, sich zu melden. Hinweise werden unter 0345/224 1291 entgegengenommen.

Babyleiche am Montag gefunden

Bereits am Dienstag hatten Experten der Polizei an dem Fundort weitere Spuren gesichert. Die Babyleiche war am Montagabend an einem Wertstoffhof nahe der Bundesstraße 100 gefunden worden. Sie war an einem langen Zaun abgelegt. Der Fundort der Babyleiche befindet sich in einem Gewerbegebiet, daran grenzt ein Bürokomplex der Deutschen Rentenversicherung mit einem Parkhaus an.

Am Mittwoch war aus dem halleschen Stadtteil Neustadt der Fund eines weiteren Babys gemeldet worden. Der in einem Mehrfamilienhaus abgelegte Säugling lebt aber. Über einen möglichen Zusammenhang beider Fälle gibt es bislang aber keine Informationen.

Hilfe: Babys in Sachsen-Anhalt anonym abgeben

Ein Schild mit der Aufschrift 'Babykorb' am Gebäude der Erfurter Frauenklinik, 2001
Babyklappen gibt es auch in Sachsen-Anhalt. (Archivfoto) Bildrechte: IMAGO

Mütter haben in Sachsen-Anhalt mehrere Möglichkeiten, ihre Babys anonym in die Obhut von Jugendamt oder Kliniken zu geben.

Zum einen haben Mütter die Möglichkeit einer sogenannten "vertraulichen Geburt". Das bedeutet, dass Kinder medizinisch sicher und vertraulich zur Welt gebracht werden können. Dabei werden die Mütter von einer Beraterin, die an die gesetzliche Schweigepflicht gebunden ist, beraten und begleitet – vor und auch nach der Geburt. Die Mütter geben ihre Identität dafür nur einmalig gegenüber der Beraterin preis, die die persönlichen Daten aufnimmt und dafür sorgt, dass diese sicher hinterlegt werden. Mit 16 Jahren kann das Kind die Identität seiner Mutter erfahren.

Außerdem können Neugeborene in vier Babyklappen in Sachsen-Anhalt anonym abgelegt werden. Müttern, die sich aus großer persönlicher Not heraus nicht in der Lage sehen, für ihr Kind Sorge zu tragen, wird damit die Möglichkeit gegeben, ihr Neugeborenes in die Obhut von Ärzten, Krankenschwestern und dem Jugendamt zu geben.

Links zu den Babyklappen in Sachsen-Anhalt:

Mehr zum Thema: Babyleiche in Halle gefunden

MDR (Marc Weyrich, Michael Rosebrock, Fabienne von der Eltz, Luca Deutschländer)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 29. Dezember 2021 | 06:00 Uhr

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