Neugeborenen-Screening Blutproben-Manipulation: Elisabeth-Krankenhaus führt Nachuntersuchungen durch

Nach dem Skandal um manipulierte Blutproben führt das Elisabeth-Krankenhaus in Halle Nachuntersuchungen durch. Betroffen sind etwa 1.700 Familien, deren Kinder nie tatsächlich auf möglicherweise erst später auftretende Krankheiten getestet wurden.

Mukoviszidose-Screening
Das Blut von Neugeborenen wird zur Früherkennung bestimmter Krankheiten untersucht. Bildrechte: dpa

Nachdem bekannt wurde, dass eine Mitarbeiterin im Elisabeth-Krankenhaus in Halle Blutproben von Neugeborenen manipuliert haben soll, finden nun Nachuntersuchungen bei 1.700 Familien statt.

Anstatt die Blutproben der Neugeborenen ins Labor zu schicken, hatte die Frau Blut von Erwachsenen übermittelt. Das Blut wird kurz nach der Geburt getestet, um mögliche Krankheiten frühzeitig zu erkennen, darunter Muskelschwund, Mukoviszidose oder Gendefekte.

Bislang keine Geschädigten bekannt

Mehrere Eltern hatten sich nach Angaben der Klinik direkt gemeldet, als der Betrug bekannt geworden war, etwa um eine Adressänderung mitzuteilen. Der Austausch mit den Eltern ist nach Angaben der Klinik aber sehr "sachlich" verlaufen. Andere wurden von der Klinik informiert, dass möglicherweise auch die Untersuchung ihres Kindes manipuliert worden war.

Bislang sind keine Fälle einer tragischen Krankheit bekannt, die durch die Manipulation nicht festgestellt werden konnten. Unklar bleibt das Motiv der inzwischen entlassenen Mitarbeiterin. Die Staatsanwaltschaft und das Landeskriminalamt ermitteln gegen die Frau, die Blutproben von Erwachsenen statt von den Neugeborenen ins Labor geschickt hatte. DIe Klinik hatte die Mitarbeiterin sofort entlassen und Anzeige erstellt.

Chefarzt: Vier-Augen-Prinzip nicht immer möglich

Betroffen ist auch die 27-Jährige Christin Haberkorn. Sie sagte MDR SACHSEN-ANHALT, sie sei geschockt gewesen und habe sich Sorgen gemacht. Ihr Kind sei aber glücklicherweise gesund, habe keine Symptome. Sie sagte: "Ich möchte nicht wissen, wie das bei anderen Eltern ist, wo das Kind etwas hat."

Die Klinik hat angegeben, dass sie den Vorfall intern aufarbeiten werde. Der Chefarzt der Geburtsklinik, Dr. Sven Seeger, sagte aber auch, man müsse sich auch künftig auf das Vertrauen in die eigenen Mitarbeiter verlassen:

Sie können sich vorstellen, dass die täglichen Tätigkeiten in der Medizin so komplex sind und fast an jeder Stelle eine Verantwortung getragen werden muss, dass es nie funktionieren wird, alles in der Medizin mit einem Vier-Augen-Prinzip abzusichern.

Dr. Sven Seeger Elisabeth-Krankenhaus, Chefarzt der Geburtsklinik

Dr. Sven Seeger, Chefarzt der Klinik für Geburtshilfe am Krankenhaus St. Elisabeth und St. Barbara
Sven Seeger Bildrechte: Krankenhaus St. Elisabeth und St. Barbara / Warmuth

MDR/Duy Tran,Julia Heundorf

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 16. November 2021 | 19:00 Uhr

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