Aktion beim Freiwilligentag Aufräumen für eine grüne Oase in Halle

Seit fast 20 Jahren ist der Freiwilligentag in Halle ein Erfolgskonzept. Auch in diesem Jahr sind wieder knapp 500 Menschen dabei gewesen, um ihre Stadt schöner zu machen. Einige von ihnen wollen eine vergessene Grünfläche im Herzen der Stadt wieder zum Leben erwecken.

Menschen stehen auf einem Hof.
Beim der Aufräum-Aktion unter der Kastanie haben zehn Helferinnen und Helfer mit geharkt, gefegt und geschnitten. Die meisten von ihnen kannten den Ort vorher nicht. Bildrechte: MDR/Annekathrin Queck

Die Kastanie in der Kleinen Klausstraße in Halle übersieht man trotz ihrer Größe im Vorbeigehen leicht. Sie steht auf einem steinernen Plateau zwischen mehreren Häusern und ist dadurch gut versteckt, denn die meisten Menschen schauen nicht nach oben. Dabei lohnt es sich. Der prächtige alte Baum ist von wild wachsenden Blumen und Brombeerbüschen umgeben. Es ist ein verwilderter, vergessener Ort wie aus dem Märchen.

Dass er jetzt wiederentdeckt wurde, hat er der Beschwerde einer Anwohnerin zu verdanken. Susanne Pulst, die seit 40 Jahren im Haus gegenüber wohnt, meldete sich eines Tages beim Ordnungsamt. Sie war der Meinung, mit der Fläche müsse endlich mal etwas passieren. Dabei stellte sich heraus, dass der Eigentümer, die Marktkirchengemeinde, völlig aus den Augen verloren hatte, dass ihm dieses Stück Land gehört.

Einfamilienhaus oder öffentlicher Raum?

Kurze Zeit später wollte eine Familie das Grundstück kaufen. Spätestens da haben die Mitglieder der Marktkirchengemeinde angefangen, sich Gedanken über diesen verwunschenen Ort zu machen. Sie berieten und lehnten den Verkauf am Ende ab. Es wäre einfach zu schade gewesen, die alte Kastanie fällen zu müssen, erklärt Christine Fuhrmann von der Marktkirchengemeinde. Sie hat die Initiative "Eine grüne Oase unter der Kastanie" gegründet. Seit vergangenem Jahr sucht sie nun Mitstreiter, die Lust haben, den Ort wieder aus seinem Dornröschenschlaf zu wecken.

ein Plakat an einer Wand
Eine "Grüne Oase unter der Kastanie" soll entstehen. Dafür sucht Initiatorin Christine Fuhrmann Mitstreiter mit Ideen und Tatendrang. Bildrechte: MDR/Annekathrin Queck

Bisher habe es zwar viele Ideen gegeben, leider aber nur wenig Leute, die mit anpacken wollten, erzählt Fuhrmann. Deshalb habe sie zum diesjährigen Freiwilligentag zu einer Aufräum-Aktion eingeladen. Zehn Arbeitswillige haben sich gefunden.

Eine von ihnen ist Sevilay. Sie macht gerade in Halle ihren Bachelor und ist fast fertig mit dem Studium. Schon zum vierten Mal sei Sevilay beim Freiwilligentag dabei, sagt sie. An der alten Kastanie sei sie aber nur deshalb gelandet, weil das die einzige Aktion gewesen sei, auf die sie sich mit ihrem Mann einigen konnte, erzählt sie und lacht. Beide seien begeistert von dem versteckten, idyllischen Platz, haben ihn aber vorher nicht gekannt. Dem Rest der Gruppe geht es nicht anders. Unter den zehn Helfern sind nur zwei, die schon mal hier waren.

Aufräum-Aktion zum Freiwilligentag

Alle sind sich einig, dass dieser bezaubernde Fleck Natur unbedingt erhalten bleiben muss. Als Jacob, einer der freiwilligen Helfer, interessiert nachfragt, welche Pläne es für das Gelände gebe und wie man sich engagieren könne, wird er von Christine Fuhrmann direkt mit einem Angebot überfallen. Er könne doch den Newsletter übernehmen. Der solle die Anwohner über die neuesten Entwicklungen an der Kastanie informieren. Etwas überrascht bittet Jacob um ein wenig Bedenkzeit.

eine große Kastanie auf einem Hof.
Die Helferinnen und Helfer haben unter der Kastanie aufgeräumt. Nun wird überlegt, wie die Zukunft dieses Ortes aussehen könnte. Bildrechte: MDR/Annekathrin Queck

Nach knapp zwei Stunden Arbeit, in denen fast alle wilden Brombeerbüsche entwurzelt, ausgerissen oder zumindest stark beschnitten worden sind, sieht es zwar "ordentlicher" aus. Dafür gibt es nun aber einen gigantischen Komposthaufen aus Blättern, Blüten, Stöckern, Brombeerresten und Schlingpflanzen mitten auf dem steinernen kleinen Weg neben der Kastanie.

Urban-Gardening und Konzerte

Kurz vor Schluss können sich alle Helfer mit einem kleinen Picknick aus frisch gebrühtem Kaffee, Laugenbrezeln, Rhabarber- und gedecktem Apfelkuchen stärken. Initiatorin Christine Fuhrmann nutzt die Gelegenheit und fragt nach Ideen für das Gelände. Urban Gardening und öffentliche Konzerte halten alle für tolle Vorschläge, aber auch die Vorstellung, einfach auf einer Bank unter der Kastanie zu lesen, für die Uni zu lernen, zu zeichnen oder einfach die Ruhe zu genießen, findet Anklang.

Am Ende liegen viele gute Vorschläge auf dem Tisch, aber wirklich konkret wird es nicht. Fest steht nur, dass das Grundstück noch einige Wochen durch Bauzäune abgesperrt bleibt, weil an der Steinmauer, die die Kastanie umgibt, noch ein Geländer gebaut werden soll. Das sei so vorgeschrieben, erklärt Christine Fuhrmann. Danach wäre wieder alles frei zugänglich.

Ob der wilde Garten tatsächlich irgendwann "wachgeküsst" wird, lässt sich kaum voraussagen. Nur wenn sich Menschen finden, die nicht nur gute Ideen haben, sondern auch voller Tatendrang sind, kann der Traum von der "grüne Oase" Wirklichkeit werden.

MDR (Annekathrin Queck)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 13. Mai 2022 | 17:30 Uhr

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