Schulden, Drogen, Obdachlosigkeit Wenn Jugendliche durchs Netz fallen – und wie die "Lösbar" ihnen hilft

Jahr für Jahr geraten Dutzende junge Menschen auf die schiefe Bahn, oft wegen eines privaten Problems. In Halle hilft ihnen die "Lösbar". Das funktioniert offenbar: Geholfen hat das Projekt nach eigenen Angaben schon mehr als 100 jungen Menschen.

Ein Tischkicker steht in einem Raum.
Wird ein bestehendes Problem erstmal groß, kommen viele junge Menschen in eine Abwärtsspirale – bishin zum Drogenmissbrauch (Symbolbild). Die "Lösbar" in Halle will ihnen helfen. Bildrechte: dpa

Jedes noch so große Problem ist am Ende lösbar. Deshalb hat sich die hallesche Kontakt- und Beratungsstellen den passenden Namen "LösBar" gegeben. Seit 2017 ist sie die Anlaufstelle für Jugendliche, die aus dem sozialen Netz gefallen sind. Viele von ihnen haben die Schule abgebrochen, stehen ohne Lehrstelle und Wohnung buchstäblich auf der Straße. So wie Emilia – die anonym bleiben möchte und deren echter Namen deshalb ein anderer ist. 

Häufige Krisenauslöser: Drogen und Schulden

Die 23-Jährige hat ihre Ausbildung abgebrochen, weil sie den Kindergartenplatz für ihre kleine Tochter verloren hat. Daraus folgte eine typische "Karriere" mit Anhäufung von Schulden, verschiedenen privaten Krisen und Drogenmissbrauch. Mit Hilfe der Kontakt- und Beratungsstellen versucht die junge Frau, sich nun ein neues Leben aufzubauen. Es geht voran: Ein neuer Kita-Platz ist bereits organisiert, der Kontakt zur Schuldner- und Suchtberatung ist aufgebaut und diverse andere Probleme wurden gemeinsam angepackt. Gerade ist die junge Mutter dabei, eine neue Ausbildungsstelle zu finden. 

So wie ihr geht es vielen Jugendlichen. Sie fallen aus dem sozialen Netz und verlieren den Halt. Laut dem Deutschen Jugendinstitut leben derzeit rund 37.000 obdachlose und wohnungslose Jugendliche im Alter von 14 bis 27 Jahren in Deutschland.

Das Wichtigste: Vertrauen aufbauen

Ihnen zu helfen, hat sich das Projekt "Lösbar" aus Halle auf die Fahnen geschrieben. In der Kontakt- und Beratungsstellen gibt es die Möglichkeit, etwas zu trinken oder zu essen, zu duschen, Wäsche zu waschen oder sich aufzuwärmen. Die zwölf Mitarbeiter versuchen, die verlorenen Kids wieder auf die richtige Bahn zu bringen, damit sie ihr Leben wieder in den Griff kriegen. Vertrauen spielt dabei eine wichtige Rolle, erklärt die Betreuerin Carolin Albrecht. "Die ersten Schritte sind erstmal Vertrauen aufbauen, indem man ein offenes Ohr hat, indem man zu hört", erzählt Carolin Albrecht.

Es ist oft so, dass es Jugendliche sind, die gar nicht mehr am Sozialsystem angedockt sind. Die ganz typisch von Sofa zu Sofa hüpfen. Keinen festen Wohnsitz haben, nicht mehr zu Hause wohnen, weil sie es da einfach nicht mehr aushalten. Und dann kommen sie zu uns. Und wir fangen an, mit denen zu reden.

Carolin Albrecht Projekt "Lösbar" in Halle

Das Besondere am Projekt ist die individuelle Begleitung der Jugendlichen. Oftmals erleben die Jugendlichen zum ersten Mal in ihrem Leben, dass sich jemand für sie einsetzt, sich für sie stark macht.

Mehr als 100 Jugendliche von der Straße geholt

Blick in einen Raum
Um schnell helfen zu können, ist das Projekt "Lösbar" in Halle an mehreren Standorten vertreten. Bildrechte: Katharina Früchtel/IB Mitte

195 Jugendliche wurden bereits in das Projekt aufgenommen. Doch nicht alle schaffen es. 144 von ihnen haben die Mitarbeiter nach eigenen Worten von der Straße geholt und dann eine Arbeitsstelle, einen Schulabschluss oder einen Wohnraum vermittelt – eine Vermittlungs-Quote von 74 Prozent. Betreuer Jörg Langguth ist auf jeden Jugendlichen stolz, der es langfristig schafft, sein Leben wieder in den Griff bekommen. Auch wenn das nicht immer leicht ist.

Das ist manchmal natürlich schon enttäuschend, wenn die Jugendlichen es nicht schaffen. Aber man muss auch ganz weit unten ansetzten. Und sagen, wenn es eine handvoll Jugendliche schafft, dann haben wir selber das Gefühl, dass wie einen guten Job gemacht haben.

Jörg Langguth Betreuer im Projekt "Lösbar" in Halle

Drei Standorte in Halle

Die "Lösbar" ist in Halle an drei Standorten vertreten: in Heide-Nord, der Südstadt und in der Nähe des Bahnhofs. Träger des Projektes ist von Anfang an der Internationale (IB) Bund in Halle. Alleiniger Förderer ist seit diesem Jahr das Jobcenter Halle. Zuvor wurde das Projekt in Kooperation zwischen ESF, RÜMSA und Jobcenter gefördert.

Mehr zum Thema: Hilfe bei Obdachlosigkeit oder Sucht

MDR (Stefan Bringezu, Luca Deutschländer)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 09. März 2022 | 14:10 Uhr

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