Debatte Wasserwacht Halle: Hufeisensee sollte für alle nutzbar sein

Im Hufeisensee ist Baden verboten. Wassersportvereine dürfen ihn jedoch nutzen. Seit Jahren gibt es eine Debatte darum, den See zum Badegewässer zu machen. Auch die Wasserwacht Halle spricht sich dafür aus. Man könne den See entsprechend sichern und ihn so für alle zugänglich machen, sagt der Vorsitzende Sven Thomas. Für die Stadt ist das aufgrund der krebserregenden Stoffe, die im Wasser gefunden wurden, aktuell aber keine Option.

Eine Frau fährt Wasserski auf dem Hufeisensee in Halle
Am Hufeisensee trainieren verschiedene Wassersportvereine. Bildrechte: imago/Eckehard Schulz

Im Hufeisensee darf nicht gebadet werden. Das begründet die Stadt Halle damit, dass belastetes Grundwasser in den See fließt. In diesem Grundwasser habe man erhöhte Konzentrationen von sogenannten leichtflüchtigen Kohlenwasserstoffverbindungen nachgewiesen, die krebserregend und damit eine Gefahr für die Gesundheit seien. Außerdem sind nach Aussage der Stadt mehrere Böschungen am Hufeisensee nicht standsicher. Das Badeverbot werde durch die entsprechende Beschilderung am See, die erst kürzlich überprüft und teilweise erneuert wurde, klar angezeigt. Mit den Wassersportvereinen habe man lediglich die Nutzung der Wasseroberfläche geregelt.

Hufeisensee in Halle
Der Hufeisensee in Halle ist ein ehemaliger Tagebau. Bildrechte: imago/Steffen Schellhorn

Kritik der Wasserwacht Halle

Der Vorsitzende der Wasserwacht Halle, Sven Thomas, kritisiert, dass die Beschilderung allein nicht ausreicht. Die Lage am See sei komplex. Auf der einen Seite gäbe es die Wassersportvereine, die regelmäßig am Hufeisensee trainieren, ihn wie ihre Westentasche kennen und mit den Gefahren umgehen könnten. Auf der anderen Seite kämen Besucher an den See, die zwar auf Schilder wie "Baden verboten" oder "Lebensgefahr" stoßen, aber auch sehen würden, dass der See intensiv durch die Wassersportler genutzt wird. Das verleite die Menschen dazu, auch in dem See zu baden, erklärt Thomas. Hinzu komme, dass nicht an allen Badestellen Verbotsschilder zu finden seien.

Der Vorsitzende des halleschen Tauchvereins Orca, Henrik Mantek, glaubt, dass sich die Stadt mit der Beschilderung aus der Verantwortung stiehlt. Die Stadt wolle in seinen Augen einfach nicht das nötige Geld ausgeben, um den Hufeisensee sicherer zu machen. Immerhin habe es bereits vor fünf Jahren die Forderung gegeben, dass der Hufeisensee zum Badesee wird, nämlich als der benachbarte Golfplatz entstand. Das sei damals auch das Interesse des Betreibers gewesen. Die Stadt habe sich jedoch dagegen entschieden, obwohl die Wassersportvereine gemeinsam mit der Wasserwacht Halle ein entsprechendes Konzept vorgelegt hätten.

Seewasser in Trinkwasserqualität?

Ein weiterer Kritikpunkt der Wasserwacht Halle: Die Stadt habe den Hufeisensee nach Trinkwasserkriterien bewerten lassen. Das hält Sven Thomas für wenig sinnvoll. "Wenn man nach diesen Kriterien jedes beliebige andere Gewässer in Sachsen-Anhalt untersuchen würde, müsste man es mit großer Wahrscheinlichkeit sperren." Hinzu käme, dass es sich bei den nachgewiesenen Stoffen um leicht flüchtige Substanzen handele und alle Daten, die der Wasserwacht vorliegen, zeigten, dass die Grenzwerte für Trinkwasser lediglich im Winter und nur an einzelnen Stellen überhaupt überschritten werden. In solchen Fällen sei es eigentlich üblich, so Thomas, die Nutzung des Gewässers einzuschränken und die betroffenen Regionen im See zu markieren und zu sperren statt ein generelles Badeverbot auszusprechen.

Menschen auf SUP Boards auf dem Hufeisensee in Halle
Ob Stand-Up-Paddeln, Wasserski, Tauchen oder Schwimmen – Der Hufeisensee wird intensiv genutzt. Bildrechte: imago/Eckehard Schulz

Vom Tagebau zum Badesee

Die Lage am Hufeisensee sei aber durchaus "eine besondere Situation". In dem ehemaligen Tagebau befänden sich sowohl im Uferbereich als auch in der Mitte des Sees zahlreiche Hindernisse und Metallteile, aber auch Bäume, die wie angespitzt unter der Wasseroberfläche lauern. Dadurch bestehe eine erhebliche Verletzungsgefahr, die größer sei als in einem typischen Naturgewässer. "Ich halte es aber für möglich, diese Gefahren zu managen und zu beseitigen, damit der See eine Zukunft als Badegewässer der Stadt Halle in Innenstadtnähe hat", erklärt Sven Thomas.

Der Hufeisensee sei in den Augen der Wasserwacht Halle eines der großen Entwicklungspotenziale der Stadt, ein Freizeit- und Erholungsgebiet mit Hunderten Nutzern. Außerdem handele es sich dabei nicht um den ersten gefluteten Tagebau in Sachsen-Anhalt. "Es gibt schlechte Erfahrungen wie Nachterstedt, aber auch viele gute Erfahrungen zum Beispiel am Geiseltalsee und an der Goitzsche", fügt Thomas hinzu. Das zeige, dass es durchaus Möglichkeiten gebe, mit den Risiken umzugehen. So könne man die spitzen Äste, die im Hufeisensee unter der Wasseroberfläche liegen, durch gelbe Bojen markieren und andere potenziell gefährliche Gegenstände ohne größeren Aufwand aus dem See holen. "Wir reden hier über wenig Geld und konkrete Handlungsmöglichkeiten und ich würde mich freuen, wenn die Stadt sich durchringt, diese Möglichkeiten auch zu nutzen", sagt Sven Thomas.

Badeverbot im Hufeisensee bleibt

Die Stadt Halle teilte auf Anfrage mit, sie ziehe aktuell nicht in Erwägung, den Hufeisensee zu einem Badegewässer zu machen. Man könne weder kurz- noch mittelfristig davon ausgehen, dass sich die Wasserqualität verbessere. Selbst bei einer sofortigen Abschottung der Schadstoff-Quellen, die bislang noch nicht genau abgegrenzt werden konnten, geht die Stadt davon aus, dass diese Stoffe noch über viele Jahre in den See gelangen.

Sven Thomas glaubt, dass hinter der Einstellung der Stadt zum Hufeisensee ein viel grundlegenderes Problem steht. Seit Jahren fremdele die Stadt Halle zunehmend mit ihren Gewässern. Er denke da zum Beispiel an die Saaleschüttungen, die Hinweisschilder am Saalestrand und die großen Sportveranstaltungen, die es früher in dem Fluss gab, aber auch an die kleineren Gewässer, die immer mehr zu Müllhalden verkämen oder deren Nutzung untersagt wurde. Das bedauere er sehr. Immerhin zeige ein Blick nach Leipzig, dass es auch anders geht. Dort seien die umliegenden Seen ganz großartig erschlossen worden. Man könne durch die ganze Stadt paddeln und das in naturbelassener, reizvoller Umgebung. "Für mich macht die Stadt Leipzig da einen ausgezeichneten Job und ich würde mir wünschen, dass sich Halle von ihrer großen Schwester im Süden da einiges abguckt".

MDR (Annekathrin Queck)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 24. September 2022 | 08:30 Uhr

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