Fest der Versöhnung Wie in Halle ein Jahr nach dem Anschlag Jom Kippur begangen wird

Jom Kippur, der sogenannte Versöhnungstag, ist der höchste jüdische Feiertag. Im vergangenen Jahr war die jüdische Gemeinde Halle an diesem Tag Ziel eines Anschlags. Bei vielen hat das Spuren hinterlassen. So wird der Feiertag, der in diesem Jahr auf den 28. September fällt, in der Saalestadt begangen.

Von Sonntag- bis Montagabend begehen die Juden ihren höchsten Feiertag: Jom Kippur. Es ist der sogenannte Versöhnungstag und für viele gläubige Juden der heiligste Tag im Jahr. Er beginnt traditionell am Vorabend, in diesem Jahr der Sonntagabend.

Im vergangenen Jahr, als der Feiertag auf den 9. Oktober fiel, verübte in Halle ein Attentäter einen Anschlag auf die Synagoge, während dort rund 50 Menschen feierten. Er wollte bewaffnet das Gotteshaus stürmen, doch die Tür hielt stand und verhinderte ein Massaker. Unweit der Synagoge erschoss er zwei Menschen, auf seiner Flucht verletzte er zwei weitere Personen schwer.

Rabbiner: Gemeindemitglieder sind vorsichtiger geworden

Rabbiner Elischa Portnoy
Rabbiner Portnoy ist für die jüdische Gemeinde in Halle und in Dessau zuständig. Bildrechte: imago images / Lutz Sebastian

Die Ereignisse versetzten die Juden in Deutschland in Angst. Den Feiertag, in diesem Jahr am 28. September, begehen viele deswegen mit gemischten Gefühlen. Der Rabbiner der jüdischen Gemeinden in Halle und Dessau, Elischa Portnoy, sagt, es sei schwierig über die Ereignisse zu sprechen und auch, den Anschlag mit dem Versöhnungsaspekt in Verbindung zu bringen. "Die Gemeinde hat es unbeschadet überstanden, aber zwei Menschen sind tot", so Portnoy. Bei vielen Mitgliedern seiner Gemeinde habe der Anschlag Spuren hinterlassen und sie seien vorsichtig geworden.

Keine Feierlichkeiten in der Synagoge

Im Jahr nach dem Anschlag wird der Feiertag nicht in der Synagoge begangen. Rabbiner Portnoy zufolge wird der Gottesdienst in einer großen Halle in der Stadt gefeiert. Grund dafür ist allerdings die Corona-Pandemie und mangelnder Platz in der Synagoge, um die Abstandsregeln einhalten zu können.

In der Halle können laut Portnoy 50 Personen an den Feierlichkeiten teilnehmen. Es sei ein normaler Gottesdienst geplant – unter Polizeipräsenz, das sei selbstverständlich, so der Rabbiner. Am 9. Oktober 2019 war es das dagegen nicht. Die eigentliche Gedenkveranstaltung mit viel Prominenz ist für den Jahrestag des Anschlages am 9. Oktober in Halle geplant.

Jom Kippur – das Fest der Versöhnung

Jom Kippur ist der heiligste und feierlichste Tag des jüdischen Jahres und wird auch heute von einer Mehrheit der Juden, auch nicht religiösen, in mehr oder weniger strikter Form begangen. Für Frauen ab 12 und Männer ab 13 Jahren ist er ein Fastentag, an dem 25 Stunden gefastet wird – mit Beginn am Vorabend des Feiertags. Zugleich ist Jom Kippur Abschluss von zehn Bußtagen, die mit dem Neujahrsfest Rosch Haschana beginnen.

Jom Kippur ist das sogenannte Versöhnungsfest. An dem Tag können sich die Menschen nach jüdischem Glauben von Schuld befreien und mit Gott versöhnen. Der Tag ruft auf zu Reue, Buße und Umkehr: Nur wer sich mit seinen Mitmenschen aussöhne, dürfe auf Versöhnung mit Gott hoffen.  

Gläubige Juden zünden an Jom Kippur in ihrem Haus ein Licht an zur Erinnerung an verstorbene Angehörige. Das Licht soll 24 Stunden brennen. Von wenigen Ausnahmen abgesehen, dauern auch die Gottesdienste in den jüdischen Gemeinden beinahe den ganzen Tag.

In Israel sind an diesem Tag alle Restaurants und Cafés geschlossen, das gesamte öffentliche Leben steht still. Alle Grenzübergänge (auch der Flughafen) sind geschlossen. Dass Israel an diesem Tag quasi gelähmt und extrem verwundbar war, nutzten Syrien und Ägypten im Oktober 1973 aus und begannen den Jom-Kippur-Krieg.

Quelle: MDR,dpa,epd/cw

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 27. September 2020 | 19:00 Uhr

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