Design-Talent Burg-Absolventin mit Ecodesign-Preis ausgezeichnet

Sie ist eine Gewinnerin: Designerin Hélène Fontaine hat schon viele Wettbewerbe für sich entschieden. Jetzt hat sie mit dem Entwurf einer solaren Gewächshausfolie auch den Ecodesign-Preis, die höchsten staatliche Auszeichnung für ökologisches Design, gewonnen.

Eine jüngere Frau
Die bereits vielfach ausgezeichnete Designerin und Absolventin der Burg Giebichenstein, Hélène Fontaine, hat den renommierten Bundespreis Ecodesign gewonnen. Bildrechte: Hélène Fontaine

Die Industrie-Designerin Hélène Fontaine von der Kunsthochschule Burg Giebichenstein in Halle gehört in diesem Jahr zu den Gewinnerinnen des Bundespreises Ecodesign. Die Künstlerin wurde für ihr Konzept einer speziellen Solar-Gewächshausfolie ausgezeichnet, wie die Jury am Montag mitteilte.

Fontaines Entwurf "2harvest" stellt die Heizenergie für Gewächshäuser selbst her. Hélène Fontaine bekam den Preis in der Kategorie Nachwuchs. Die Auszeichnung in dieser Wertung ist mit 1.000 Euro dotiert.

Ein Mensch in einem Gewächshaus
Im Gemüseanbau kommen riesige Gewächshaus-Tunnel zum Einsatz. 2harvest kombiniert diese Folien mit organischen Solarzellen, sodass gleichzeitig Gemüse angebaut und Strom erzeugt werden kann. Bildrechte: Hélène Fontaine

Bundesumweltministerin Steffi Lemke (Die Grünen) erklärte, die Preisträger belegten, wie nachhaltige Produkte der Zukunft aussehen könnten. Der Präsident des Umweltbundesamtes in Dessau-Roßlau, Dirk Messner, ergänzte, das Projekt zeige eindrucksvoll, was im Ecodesign schon alles möglich sei.

Der Bundespreis Ecodesign Ecodesign ist die höchste staatliche Auszeichnung für ökologisches Design in Deutschland.

Seit 2012 wird der Preis jährlich vom Bundesumweltministerium und vom Bundesumweltamt an Designer, Unternehmen und Studierende aus Deutschland und Europa vergeben.

Eine Jury aus verschiedenen Fachrichtungen entscheidet über Nominierungen und Preise in den Kategorien Produkt, Konzept, Service und Nachwuchs.

Von der Raumausstatterin zur Designerin

Es ist nicht der erste Wettbewerb, den Fontaine mit ihren Entwürfen gewann. Dabei wäre sie fast nicht einmal Designerin geworden. Nach dem Abitur hatte sie zu großen Respekt vor dem Studium. "Ich wusste nicht, was ich in meine Bewerbungsmappe stecken sollte, also habe ich lieber eine Ausbildung begonnen", erzählt die aus Warstein in Nordrhein-Westfalen stammende Fontaine MDR SACHSEN-ANHALT.

Erst die Ausbildung …

Ihre Mutter hatte Fontaine den Rat gegeben, erst einmal ein solides Handwerk zu erlernen. Fontaine war in einer handwerklichen Umgebung aufgewachsen, da lag das nah. "Ich habe als Kind schon immer gerne den Handwerkern über die Schultern geschaut und am liebsten mit angefasst", erzählt Fontaine. Die Wahl fiel auf den Beruf der Raumausstatterin.

Fontaine lernte alles über Tapeten, Gardinen und Böden. "Am besten gefiel mir das Polstern von Möbeln, das hatte am ehesten was von einem richtigen Handwerk", erzählt Fontaine. Am Ende legte sie die Gesellenprüfung als Beste ihres Jahrgangs ab. Nun hatte sie genug Lebenserfahrung und Selbstvertrauen gesammelt, um sich für das ersehnte Designstudium einzuschreiben.

… dann das Studium

Sie studierte zunächst Produktdesign in Münster. Mit Möbeln wollte sie erst einmal nichts mehr zu tun haben. "Klar wollen Menschen schön wohnen, aber das war mir zu oberflächlich. Ich wollte Lösungen für echte Probleme entwickeln", erzählt Fontaine MDR SACHSEN-ANHALT. Am Ende ihres Bachelor-Studiums ging es um die Master-Frage. Wo sollte sie ihr Studium weiterführen?

Ich wollte Lösungen für echte Probleme entwickeln.

Hélène Fontaine, Designerin

Kommilitonen erzählten von der renommierten Burg Giebichenstein Kunsthochschule in Halle. Also besuchte sie den dortigen Hochschulinformationstag und war begeistert. "Ich hatte mich natürlich an mehreren Unis beworben, weil ich nicht glaubte, dass ich in Halle angenommen würde", erzählt Fontaine.

Doch es klappte. Nun standen ihr 39 Werkstätten offen, von denen sie vor allem die Holz-, Metall-, Kunststoff-, Laser- und 3D-Druck-Werkstätten nutzte.

Mit Pragmatismus zum Erfolg

Sie begann, ihre Entwürfe und Prototypen bei verschiedenen Wettbewerben einzureichen. Ihr Pumpspender "Droplet" zur sicheren Dosierung von Medizin gewann 2021 den Universal Design Award.

Ein Mensch öffnet eine Packung Schnittkäse
Wurst- und Käseverpackungen lassen sich oft schwer öffnen. Die Verpackungsschale "i-si" hat das Problem nicht, sodass sie sich auch mit wenig Kraft öffnen lässt. Bildrechte: Hélène Fontaine

Dieses Jahr gab es Gold beim Deutschen Verpackungspreis für ihre einhändig zu öffnende Verpackungsschale "i-si".

Warum ihre Einreichungen so erfolgreich sind, weiß Fontaine selbst nicht so genau. "Vielleicht, weil meine Entwürfe keine utopischen Konzepte sind, sondern ganz pragmatische Lösungen", überlegt Fontaine.

Greifbare Entwürfe

Auch ihren Dozentinnen sind die nahbaren und greifbaren Entwürfe von Fontaine aufgefallen. "Sie hat immer intensiv konzipiert und recherchiert. Ihre Entwürfe sind akribisch durchdacht und damit realisierbar und bleiben nicht nur Skizze", erzählt Professorin Mareike Gast MDR SACHSEN-ANHALT.

Eine ältere Dame mit Medizin
Das Dosieren von Tropfen erfordert eine ruhige Hand. Der Pumpdispenser "Droplet" mit integriertem Löffel ermöglicht das exakte Dosieren und das leichte Einnehmen. Bildrechte: Hélène Fontaine

Der Nachwuchspreis kommt zu einem guten Zeitpunkt für die junge Designerin, denn ihr Master-Studium hat sie erfolgreich abgeschlossen. Nun ist sie bereit, ins Berufsleben zu starten. "Am liebsten würde ich bei einer Agentur anfangen, die Produktlösungen für große Unternehmen entwickelt", erzählt die frisch gebackene Industriedesignerin. Wo sie eine Anstellung findet, ist ihr eigentlich egal, am schönsten wäre es jedoch in der Nähe ihrer Heimat.

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MDR (Alexander Kühne, Cornelia Winkler) | Erstmals veröffentlicht am 27.11.2022

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 05. Dezember 2022 | 18:00 Uhr

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