Opfer aus Halle Mordprozess auf Teneriffa: Angeklagter bricht sein Schweigen

Zum Prozessauftakt am Geschworenengericht in Santa Cruz de Tenerife hat der angeklagte Vater und Ehemann der Opfer ein Geständnis abgelegt. Er soll seine Frau und seinen Sohn getötet haben. In einem verwirrtem Zustand habe er auf eine unbegründete gewalttätige Attacke seiner Frau reagiert. Ihm droht eine lebenslange Freiheitsstrafe, die erst nach 25 Jahren überprüfbar ist.

Der Angeklagte sagt im Gerichtssaal aus.
Der Angeklagte während des Prozesses Bildrechte: dpa

Vor dem Geschworenengericht in Santa Cruz de Tenerife hat der Prozess gegen einen Mann begonnen, der seine Frau und seinen Sohn umgebracht haben soll. Beide Opfer kommen aus Halle in Sachsen-Anhalt. Beim Prozessauftakt hat der angeklagte Ehemann und Vater der beiden Opfer am Dienstag sein jahrelanges Schweigen gebrochen. Teils unter Tränen beteuerte er, "in Todesangst" und in verwirrtem Zustand auf eine unbegründete gewalttätige Attacke seiner Frau reagiert und "Steine zurückgeworfen" zu haben. Die Aussagen sind zum Teil sehr schwer zu verkraften.

Als die Frau mit ihren beiden Söhnen den auf Teneriffa lebenden Mann besuchte, lockte der seine Familie nach Überzeugung der Anklage am 23. April 2019 unter einem Vorwand in eine abgelegene Höhle im Süden der Kanaren-Insel. Dort erschlug er die Mutter und den zehnjährigen Sohn laut Anklage mit Fäusten und schweren Steinen.

Nur der jüngste Sohn konnte sich in Sicherheit bringen

Der jüngere Sohn, der zum Zeitpunkt der Tat sieben Jahre alt war, überlebte. Auch weil der Vater darauf vertraut habe, dass der Kleine in der Wildnis sterben werde, wie es im Abschlussbericht der Ermittlungsrichterin heißt. Bei seiner Flucht wurde er von einer Niederländerin aufgefunden, die die Polizei rief.

Bei der Vernehmung belastete der Junge seinen damals 44-jährigen Vater schwer. Noch am Abend nahmen Beamte den Frührentner, der getrennt von seiner Frau lebte, in dessen Wohnung fest. Nach Angaben der Richterin war er dort in seinem Bett vorgefunden worden.

Außenansicht des Gerichtsgebäudes in Santa Cruz de Tenerife.
Der Verhandlungsort in Santa Cruz de Tenerife Bildrechte: dpa

Angeklagter überwintert regelmäßig in Spanien

Über das Schicksal des Vaters entscheidet ein Geschworenengericht, das in Spanien nur bei besonders schweren Verbrechen zusammentritt. In hellem Hemd, dunklem Jackett und mit einer hellblauen Schutzmaske vor Mund und Nase verfolgte der Angeklagte den Prozessauftakt meist stehend. Eine Übersetzerin half ihm, den Ausführungen vor Gericht zu folgen. Auf Fragen des Richters antwortete er zunächst mit ruhiger und fester Stimme auf Deutsch. Ihm stehen ein spanischer und ein deutscher Strafverteidiger zur Seite.

Er sei seit 2017 immer während der Wintermonate wegen des angenehmeren Klimas auf Teneriffa gewesen. Gegen Schmerzen und Depressionen habe er Medikamente genommen. In der Ehe habe es nie Gewalt gegeben, auch im Trennungsjahr nicht, versicherte der Angeklagte.

Am Tag der Tat soll der Mann mit seiner Frau und beiden Kindern in eine Höhle gegangen sein. Dort habe sich die Frau am Kopf verletzt und stark geblutet. Weil der Mann aufgrund des fehlenden Handy-Netzes keine Hilfe herbeirufen haben können, sei die Frau ausgerastet. Sie habe ihn angeschrien und um sich geschlagen, dabei sei er gestürzt. Plötzlich seien viele Steine auf ihn geworfen worden. Er habe dann selbst Steine in die Hände genommen und zurückgeworfen.

Die Verteidigung argumentierte, der Angeklagte sei nicht im Vollbesitz seiner geistigen Kräfte gewesen. Die Frau habe sich scheiden lassen wollen. Sein spanischer Anwalt sagte kurz vor dem Prozess, es sei ein Drama, aber er sei auch ein Opfer. Zugleich rief der Anwalt die Geschworenen auf, sich nicht von Emotionen, Oberflächlichkeiten oder Vorurteilen beeinflussen zu lassen.

Der Angeklagte trifft vor Beginn der Verhandlung im Gerichtssaal ein.
Der Angeklagte vor dem Gerichtssaal in Teneriffa Bildrechte: dpa

Für den Prozess sind acht Verhandlungstage angesetzt. Am 3. Februar sollen die Geschworenen ihr Urteil gefunden haben. Sollten sie den Deutschen für schuldig halten, legt der Richter das Strafmaß fest. Auf Milde darf der Deutsche dann nicht hoffen – in Spanien wird der Kampf gegen häusliche Gewalt sehr ernst genommen. Ihm droht eine lebenslange Freiheitsstrafe, die erst nach 25 Jahren überprüfbar ist.

MDR,dpa (Hannes Leonard)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 25. Januar 2022 | 19:00 Uhr

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