Gegen Vereinsamung Hallenser schenken Senioren Zeit: Auszeichnung für das "KlingelZeichen"

Die Freiwilligen-Agentur Halle-Saalekreis ist für ihren Senioren-Besuchsdient "KlingelZeichen" ausgezeichnet worden. Ehrenamtliche schenken dabei alten, einsamen Menschen Zeit für Gespräche oder gemeinsame Aktivitäten. Rund 100 Seniorinnen und Senioren werden momentan regelmäßig von den Ehrenamtlichen besucht.

Eine junge und eine alte Frau sitzen auf einer Bank und lachen.
Gemeinsam Lachen, spazieren, Zeit verbringen: Ein Mal pro Woche treffen sich die Menschen, die bei "KlingelZeichen" mitmachen. Bildrechte: Marcus-Andreas Mohr, (c) Freiwilligen-Agentur Halle-Saalkreis e.V.

"Dass wir beide uns gefunden haben, finden wir so toll", "Es tut gut, wieder rauszukommen", "Es ist schön, sich für etwas zu engagieren, und man bekommt so viel zurück" – beim Senioren-Besuchsdienst "KlingelZeichen" besuchen ehrenamtlich engagierte Hallenserinnen und Hallenser seit 2010 ältere Menschen, die sich mehr soziale Kontakte wünschen. Für dieses Projekt ist die Freiwilligen-Agentur Halle-Saalekreis in dieser Woche im Rahmen des Demografiepreises Sachsen-Anhalt ausgezeichnet worden – mit dem mit 1.500 Euro dotierten Sonderpreis Gesundheit.

"Wir sind stolz auf diesen Preis und freuen uns besonders für unsere Ehrenamtlichen, dass mit dieser Anerkennung ihr wichtiges Engagement für ältere Menschen gewürdigt wird", so Karen Leonhardt, Geschäftsführerin der Freiwilligen-Agentur Halle-Saalekreis. Ziel des Projekts sei es, etwas gegen die Vereinsamung zu tun.

Individuelle Patenschaften

Eine Frau schiebt eine andere im Rollstuhl.
Rund 100 Ehrenamtliche und 100 ältere Menschen sind bei "KlingelZeichen" momentan dabei. Bildrechte: Marcus-Andreas Mohr, (c) Freiwilligen-Agentur Halle-Saalkreis e.V.

Etwa 100 Seniorinnen und Senioren bekommen momentan Besuch von rund 100 Ehrenamtlichen – und das ein bis zwei Mal pro Woche. Voraussetzung ist lediglich gegenseitige Sympathie. Manche der Älteren möchten Begleitung beim Einkaufen oder Hilfe mit dem Computer, andere wollen nur reden. "Sie können sich gar nicht vorstellen, wie wichtig das ist", sagte Rentnerin Gerda Schröder in einem Video, das das Projekt "KlingelZeichen" bei einer früheren Preisverleihung vorstellte. "Für mich ist das das Beste, was es gibt." Sie hat sich mit ihrer Ehrenamtlichen angefreundet und vertraut ihr Dinge an, die sie mit ihrer Familie, die dazu weit weg wohnt, nicht besprechen kann.

Nachfrage ist groß

"Wir merken: Der Bedarf ist noch viel größer", sagte die Geschäftsführerin der Freiwilligen-Agentur Halle-Saalekreis MDR SACHSEN-ANHALT. "Man könnte es auch noch weiter ausbauen mit weiteren Gruppen. Denn wir möchten, dass es sehr wohnortnah aufgebaut ist – so dass niemand weite Wege hat." Bisher gibt es den Besuchsdienst in Halle-Neustadt mit der ersten und größten Gruppe, in der Innenstadt, Halle-Nord, im Süden von Halle und in der Silberhöhe. Im Prinzip sei es eine ganz simple Sache und man könnte laut Karen Leonhardt vermuten, dass so etwas auch selbstständig entstehen könnte – dass Menschen einfach beim Nachbarn klingeln und sagen: Ich helfe Ihnen. Aber so ein Angebot, das das Zusammenbringen übernimmt, sei dann doch etwas anderes.

Über den Seniorenbesuchsdienst "KlingelZeichen"“ ist ein Projekt der Freiwilligen-Agentur Halle-Saalkreis e.V. und wird von der Stadt Halle und weiteren Partnern gefördert, beispielsweise von verschiedensten Wohnungsgenossenschaften. Das Angebot ist kostenfrei, Spenden sind willkommen. Wer Ehrenamtler werden bzw. besucht werden möchte, kann sich unter der Nummer 0345/27 992 345 melden.

Viele Studierende machen mit

Unter den Ehrenamtlichen sind auch viele Studierende, die als sogenannte Kulturbegleiter mitmachen. Sie werden mit älteren Menschen zusammengebracht, die etwas unternehmen möchten – zum Beispiel gemeinsam ins Theater oder ins Museum gehen. "Das ist unser Einstiegsformat für ältere Menschen, die noch etwas fitter sind und nicht ausschließlich auf ihre Häuslichkeit angewiesen sind", sagte Karen Leonhardt. Denn es wäre schwer, ganz alte Menschen zu gewinnen – da sei die Hürde, die Hilfe anzunehmen, höher: "Weil einfach mehr Skepsis da ist, mehr Angst, wen sie in ihre Häuslichkeit lassen wollen". Doch wenn ältere Menschen schon mit der Freiwilligen-Agentur Kontakt gehabt hätten, seien keine Befürchtungen da.

Das Projekt hat im Lauf der Jahre schon viele Preise gewonnen, unter anderem den halleschen Bürgerpreis "Der Esel, der auf Rosen geht". "KlingelZeichen" habe mittlerweile auch Gespräche mit dem Saalekreis geführt, da verstärkt Freiwillige und Senioren aus dem Saalekreis anfragen würden. "Sie können wir aber gar nicht mit abdecken, weil unsere Kapazitäten dafür nicht ausreichen", so die Freiwilligen-Agentur. Es geht um Dinge wie Versicherungsschutz oder die Organisation vor Ort. Jetzt in Richtung Weihnachtszeit läuft aber noch eine weitere Aktion: Wer möchte, kann Weihnachtspäckchen für einsame, alte Menschen abgeben, die dann über den Seniorenbesuchsdienst verteilt werden.

Mehr zum Thema: Ehrenamt und Engagement in Sachsen-Anhalt

MDR/Luise Kotulla

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 18. November 2021 | 06:30 Uhr

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